„Jetzt hab ich dem erzählt, dass wir fünf Brüder waren und alle sofort am 28. August 39 den Stellungsbefehl bekommen haben, weil wir keine Nazis waren und es viele Nein-Stimmen in Zusenhofen gegeben hat, mehr als in ganz Offenburg.

Da war er damit schon mal zufrieden. Dann hat er mich ausgefragt, ob der Wald zwischen Zusenhofen und Stadelhofen vermint ist, wegen der Panzersperren. An den Karten hab ich ihm gezeigt, dass nur ein Bauernwagen im Hof meines Bruders stand. Er sollte auf die Straße geschoben werden. Aber das ist doch kein Hindernis für einen Panzer!

Dann hat er mich noch nach den Meisenbühler Bunkern befragt... Da hab ich drin gearbeitet, die haben geschossen bis nach Metz. Sie wollten wissen, ob die Bunker belegt sind. Aber das konnte ich nicht sagen... Ich hab ihm gesagt, was ich wollte: "Es ist der Wunsch der Zusenhofener Bevölkerung: Sie sollen unser Dorf verschonen! Wir haben auch die französischen Kriegsgefangenen gut behandelt."

Dann hat er Befehl gegeben und der Leutnant ... hat mich zurückfahren müssen nach Stadelhofen. Er hat mir auch einen Zettel geschrieben, den ich auf dem Rückweg vorzeigen musste... Als wir in Stadelhofen zurück waren, war das Militär schon bereit zum Losfahren. Das waren Panzerwagen mit Maschinengewehren und Jeeps. Ich war mit meiner Fahne auf dem ersten Wagen. In Zusenhofen war am Morgen keine Kirche, weil die Franzosen herumgekreist sind. Deshalb war die Kirche erst am Abend.

Und in dem Moment wie sie beendet war, sind wir gerade ins Dorf gefahren. Und der alte Gerdes und die Hodapp-Malerin waren die Ersten... Der alte Gerdes hat sogar gesagt: "Du gehörst in die Gemeinde-Chronik eingetragen!"

Alois Müller, ehemaliger Wehrmachtssoldat aus dem Ortenauer Dorf Zusenhofen zur Rettung seines Heimatdorfes vor einem Sturm durch die französische Armee 1945. Müller hatte sich eine weiße Fahne gebastelt und war per Fahrrad zu den französischen Truppen gefahren, um eine Beschießung wie im Nachbardorf Nußbach zu verhindern

 

 

„Ich lese heute im Sportbericht Stuttgart, dass die großen Vereine, darunter der KFV, einen Entschluss gefasst haben, dass die Juden aus den Sportvereinen zu entfernen seien. Leider muss ich nun bewegten Herzens meinem lieben KFV, dem ich seit 1902 angehöre, meinen Austritt anzeigen. Nicht unerwähnt möchte ich aber lassen, dass es in dem heute so gehassten Prügelkinde der deutschen Nation auch anständige Menschen – und vielleicht noch viel national denkende und auch durch die Tat bewiesene und durch das Herzblut vergossene deutsche Juden gibt.“ 

Der ehemalige deutsche Nationalstürmer Julius Hirsch in seinem Austrittsschreiben an seinen Heimatverein Karlsruher FV in den dreißiger Jahren. Hirsch spielte ab 1912 sehr erfolgreich für Deutschland und war im Ersten Weltkrieg Frontsoldat. Er wurde wohl 1943 in Auschwitz-Birkenau ermordet.



"Die Feiertage waren schön in Offenburg und er hat die Stadt und die Leute gern gehabt", sagte Heinz Gries über seinen Bruder Bernhard Gries (1917 - 1938), der im September und Oktober 1938 als letzter Rabbiner in Offenburg fungierte, nachdem das Bezirksrabbinat seit 1937 verwaist gewesen war. Bernhard Gries wurde von den Nazis am 6. Dezember 1938 in Buchenwald umgebracht. 



"Finden Sie da nicht eine ganz peinliche Parallele zu Ihnen, Herr Hauger?", fragte der Offenburger Landgerichtsdirektor Dr. Schiruska den Angeklagten Karl Hauger in dem 1959 gegen Hauger eingeleiteten Schwurgerichtsverfahren. Hauger, örtlicher SS- und SD-Führer in Wolfach (im Volksmund "der kleine Hitler von Wolfach"), hatte am Karsamstag 1945, also mehr oder minder unmittelbar vor Kriegsende, den 17-jährigen Sinto Anton Reinhardt per Genickschuss ermordet, nachdem Reinhardt zuvor sein  eigenes Grab hatte schaufeln müssen. Bei Kriegsende setzte sich Hauger ab, stellte sich 1957 aber den deutschen Ermittlungsbehörden, nachdem ihm versichert worden war, er werde nicht an Frankreich ausgeliefert, wo bereits ein Todesurteil gegen ihn erlassen worden war. Im Offenburger Prozess meinte Hauger dann einmal "Ich wusste ja, dass die Franzosen nur nach Verdacht urteilen", was die Entgegnung von Dr. Schiruska auslöste.

Hauger wurde vom Landgericht Offenburg mit einem Mitangeklagten wegen gemeinschaftlich begangenem Totschlag (also nicht wegen Mordes!) verurteilt, Hauger erhielt Zuchthaus für siebeneinhalb Jahre.

Beide Parteien legten Revision zum Bundesgerichtshof ein, die der Staatsanwaltschaft - Mord statt Totschlag - war erfolgreich. Die Sache wurde an das Landgericht Karlsruhe zur erneuten Verhandlung zurückverwiesen.

Das Schwurgericht Karlsruhe bestätigte aber den Offenburger Schuldspruch, reduzierte die Strafe auch leicht, wobei das Gericht unter Hinweis auf die Verrohung beider Täter meinte, es sei nicht nachzuweisen, dass die Angeklagten erkannt hätten, es würde Reinhardt zusätzliche Qualen bereiten, sein eigenes Grab auszuheben. 

Hauger wurde bereits am 12.9.1961 aus dem Gefängniskrankenhaus Hohenasperg entlassen, da er seit 1957 in Untersuchungshaft gesessen hatte und man der Auffassung war, der Rest der Strafe könne für fünf Jahre auf Bewährung ausgesetzt werden.

Der damalige Chefredakteur des Offenburger Tageblatts, Nis Heinrich Lindschau, schrieb seinerzeit, es werde immer wieder erschreckend deutlich, wohin sich Menschen verirren, wenn klare Rechtsnormen ins Wanken geraten, wenn das Recht zur politischen Zweckfunktion herabgewürdigt werde.

Dem ist nichts hinzuzufügen.



"Die feige Bluttat in der deutschen Botschaft in Paris hat erneut ein grelles Schlaglicht auf das Treiben des internationalen jüdischen Verbrechergesindels geworfen, das seit Jahr und Tag immer wieder danach trachtet, die Beziehungen der Völker untereinander zu vergiften, wobei ihnen die gemeinsten und verderblichsten Mittel gerade recht sind ... Wie dem auch sei, man kennt in Deutschland die Schuldigen und man weiß, daß der Jude Grynszpan als Werkzeug des internationalen Judentums gehandelt hat."

Leitartikel des "Offenburger Tageblatt" 8.11.1938 nach dem Attentat auf den Gesandschaftsrat von Rath in Paris 



"Vormittag: 5:30 Uhr wird der Sturm 7/86 alarmiert. Als Vergeltungsmaßnahme für die Ermordung des Gesandschaftsrates Rath durch einen Juden in Paris sind sämtliche Juden in Deutschland festzunehmen. Um 9 Uhr waren diese Maßnahmen beendet. 80 Juden wurden in Offenburg, Diersburg, Durbach festgenommen und im Gefängnis festgehalten. Eine Wache von 4 Mann wurde dort aufgestellt. Eine weitere Wache wurde vor der Synagoge aufgestellt. Die Judengeschäfte wurden geschlossen. Nachmittag: Um 23 Uhr wurden die Juden zum Bahnhof gebracht u. mit Sonderzug nach Dachau transportiert."

Tagebuch der Offenburger SS 10.11.1938