Roy Porter – Geschröpft und zur Ader gelassen

Der Untertitel  dieses Buches lautet „Eine kurze Kulturgeschichte der Medizin“ und das trifft den Nagel auf den Kopf.

Ich habe das Buch in einem Rutsch verschlungen und stelle es in eine Linie mit populärmedizinischen Wälzern wie Jürgen Thorwalds „Das Jahrhundert der Chirurgen“ (ebenso populär ausgedrückt: Ein echter Kracher, nicht mehr verlegt und in gutem Zustand bei Amazon nicht unter 20,00 Euro zu haben). 

Porters Buch hat nur einen Haken – es ist eben kurz und man seufzt unwillkürlich, wenn man bei der letzten Seite angekommen ist.

Porter, Medizinhistoriker und übrigens schon 2002 viel zu früh verstorben, unterteilt sein Buch in verschiedene Kapitel wie „Krankheit“, „Ärzte“, „Behandlungsmethoden“ und mehr. In diesen Kapiteln baut er dann chronologisch auf.

Ob man das gut findet, mag jedem selbst überlassen bleiben, mir hätte eine streng chronologische Darstellung unter Zusammenführung aller dieser Kapitelüberschriften  vielleicht etwas besser gefallen, für mich hat das Lesevergnügen letztlich aber dadurch nicht gelitten.

Man macht sich viel zu wenig Gedanken, seit welch vergleichbar kurzer Zeit man die sog. moderne Medizin kennt, es zieht einem stellenweise die Schuhe aus, was Patienten früher zu erdulden hatten (so sie die Operation überhaupt überlebten).

Porters Stil ist toll, er schreibt flott, auch für den interessierten Laien verständlich und versteigt sich insbesondere nicht in medizinische Nomenklatur. Wer sich nur ansatzweise für das Thema interessiert kommt um dieses Buch nicht herum. Klasse.