Christian Schmidt – Wir sind die Wahnsinnigen

Ein Buch wie eine Ohrfeige.

Geohrfeigt werden die ehemaligen Frankfurter Spontis, die man heute unter ihrem Pseudonym „Die Grünen“ kennt, in wesentlichen Teilen zumindest.

Joschka Fischer und seine ehedem revolutionären Kampfzwerge sind das Ziel der Schmidt´schen Polemik, die bereits Ende der Neunziger auf den Markt kam, zwar ein Getöse vornehmlich im linken Blätterwald auslöste (der rechte verlegte sich eher aufs Schweigen), bezeichnenderweise aber keinerlei Klagen der Protagonisten auf Unterlassung, Gegendar-stellung pipapo.

Man kann das zwar auf den Burda´schen Grundsatz schieben, Geschriebenes nicht zu kommentieren, das glaube ich aber nicht.

Dazu hat der Autor, ehedem Titanic-Redakteur und heuer u.a. Mitinitiator des Blogs „Riesenmaschine“, offensichtlich zu sorgfältig recherchiert, zumal die immer wieder eingestreuten und gemessen am nachher Gesagten oftmals (für die Betreffenden) unfreiwillig komischen Originaläußerungen für Authentizität sorgen.

Erklärt wird, wie aus hoffnungslosen Möchtegernrevolutionären ohne jedes Konzept (but wid da will to powa) Außenminister, Europaparlaments-abgeordnete, Chefredakteure, UN-Gesandte, Nachtclubbesitzer, Minister und was weiß ich nicht noch alles werden konnte, ferner wird erläutert, was es mit dem damaligen Kampf zwischen „Fundis“ und „Realos“ bei den Grünen auf sich hatte. 

Schmidt macht klar, dass man ja durchaus seine Meinung über die Jahre ändern kann, er aber eine Umkehrung des Ursachenzusammenhangs sieht - man vertritt in diesen Kreisen nicht eine Meinung, weil man sie für richtig hält, sondern nur deshalb, weil sie dem eigenen Fortkommen und dem damit verbundenen Versorgungsgedanken zuträglich ist. 

Und damit unterschieden sich Fischer & Co. eben nicht von allen anderen Gestalten auf der politischen Bühne, die die Ex-Spontis kurz zuvor noch für zu bekämpfendes Übel gehalten haben wollen.

Das Buch ist rasant, sehr informativ und stellenweise urkomisch geschrieben, vor allem, wenn sich Christian Y. Schmidt, wie er sich heute nennt, Daniel Cohn-Bendit vornimmt, den er gnadenlos demaskiert und als faselnden Hofnarren entlarvt.

Böse wie eingangs erwähnt, unzweifelhaft auch stellenweise sehr hämisch, aber eben auch herzerfrischend. Ich meine, das muss man unbedingt gelesen haben, äh also zumindest, wenn man nicht die „Grünen Blätter“ abonniert hat.