Aatish Taseer – Terra Islamica

„Auf der Suche nach der Welt meines Vaters“ lautet der Untertitel des Buches und das löst unter Umständen falsche Assoziationen aus.

Ich hatte mir dieses Buch gekauft, da ich davon ausging, dass sich der Autor, 1980 geborener Sohn einer indischen Mutter (bei der er auch aufgewachsen ist) und eines pakistanischen (sehr reichen und einflussreichen) Vaters, darauf beschränkt, dem Islam mit einer aufgeklärten, bürgerlich-intellektuellen Sichtweise zu begegnen und Erklärungen für die dynamische Entwicklung in der Religion seines Vaters zu liefern, was ich als einen sehr spannenden Ansatz aus einer gänzlich anderen Perspektive als meiner ansah.

Das Buch ist zweifelsohne hochinteressant, weil es verschiedene Handlungsstränge miteinander verknüpft.

Da ist zunächst die Geschichte Indiens und Pakistan mit der jeweils mehr als problematischen Vergangenheit, transparent gemacht anhand der Viten seiner Eltern und Großeltern, dann seine eigene Geschichte vor dem Hintergrund der Trennung seiner Eltern und der (kompletten) Abwesenheit des Vaters und eben seine Reise, die ihn unter anderem über die Türkei, Saudi-Arabien, den Iran bis nach Pakistan führt, wo er dann auch versucht, einen Kontakt oder besser eine Beziehung zu seinem ihm unbekannt gebliebenen Vater und seiner „Zweitfamilie“ herzustellen.

Das ist alles sehr informativ und auch sehr gut geschrieben, aber nicht das, was ich erwartet habe (was sicher an mir liegt), aber aus meiner Sicht auch an dem vorbeigeht, was ich vorher in den Rezensionen gelesen hatte.

Der Vater und die unglückliche (Nicht)Beziehung zu Aatish Taseer bestimmen das Buch ganz wesentlich, richtig ist aber auch, dass Taseer sehr schön herausarbeitet, wie der Islam für die Gläubigen in den allermeisten Fällen – nur - das Vehikel darstellt, um die jeweils eigenen Vorstellungen von der Welt, von Macht, von Beziehungen, vom Leben selbst also, zu befördern.

Ein ganz und gar diesseitiges Instrument, das an das erinnert, was vom Abendland vor 1.000 Jahren in die umgekehrte Richtung eingesetzt wurde.

Da Taseer aber eben drei Geschichten erzählt, muss das Ganze jeweils doch an der Oberfläche bleiben. Gleichwohl sehr interessant wie ich finde.