Am 22.5.2012 hatte ich auf die unfassbare Formulierung von Mely Kyiak hingewiesen, die TS als eine "lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur" bezeichnet und mit diesem Stürmer-Jargon Sarrazins Sprachfehler und eine teilweise Gesichtslähmung aufgegriffen hatte.

Ich hatte ebenso darauf hingewiesen, dass eine Entschuldigung bis heute fehlt.

Das Ganze hat eine schaurige Fortsetzung in Gestalt einer Art Untoten-Gala genommen.

In Berlin-Kreuzberg residiert das Ballhaus Naunynstraße, das nun einen bunten "Mely Kyiak-Solidaritäts-Abend" veranstaltete.

Gegen Kyiak laufe eine "perfide Hetzkampagne", so die Veranstalter, und man sehe den Abend als "Bekenntnis zu Meinungs- und Pressefreiheit". Der Treppenwitz fiel offensichtlich niemandem auf.

Unterstützt wurden die wackeren Grundrechtsverteidiger vom Türkischen Bund Berlin-Brandenburg, der sich an alle "rassismuskritischen Menschen" aufrief, am Abend teilzunehmen.

Die Bestuhlung im Saale sah statt eines Sitzkissen eine Art Traueranzeige mit der Zahl 182 vor, die angebliche Zahl von Rechtsradikalen ermorderter Menschen in Deutschland seit 1990.

Zur Erinnerung - Kyiak hatte ihre gräßliche Formulierung im Zusammenhang mit einem Verriss des von ihr offensichtlich nicht gelesenen eurokritischen Buchs verbrochen.

Bis Mitternacht verlasen neun Akteure insgesamt 36 Kyiak-Kolumnen. Unter den Vortragenden auch Cem Özdemir und Arno Widmann, Frankfurter Rundschau.

Als vorletzte Kolumne wurde die Sarrazin-Kolumne verlesen, anschließend donnernder Applaus der über 200 Zuhörer. Dienstbare Geister schmissen daraufhin tonnenweise Kopien dieser Kolumne von der Empore ins Publikum und waren sicher der Meinung, die von den Nazis enthauptete Sophie Scholl klatsche aus dem Jenseits stürmisch Beifall.

Es gibt ein Stadium, da fällt mir zu Dummheit, Engstirnigkeit, Borniertheit, Spießertum sowie Scham-, Herz- und Respektlosigkeit nichts mehr ein, mir fehlen da wirklich die Worte.

Zwei Dinge kann ich mir aber nicht verkneifen:

Warum bei Zeus´ fettem Arsch musste Cem Özdemir diesem gespenstischen Scheiß einen halboffiziellen Anstrich geben und ihn damit quasi-salonfähig machen?

Warum feiern Leute eine diskriminierende, im Nazijargon verbal blind um sich schlagende Neurotikerin für ihre Wortwahl, wo sie sich an anderer Stelle schon vorauseilend vor der Verbalkeule Diskriminierung wegducken und dafür Verhältnisse hinnehmen, die zum Himmel schreien und Prinzipien wie Gleichberechtigung mit Füßen treten, die doch als sakrosankt gelten sollten?