Stand 22.12.2014: Pegida, also die Bewegung „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, demonstriert seit Herbst 2014 in Dresden gegen eine verfehlte Asyl- und Einwanderungspolitik sowie eine schleichende Islamisierung Deutschlands. Ihr Positionspapier findet sich hier.

Seit 19.12.2014 ist Pegida ein eingetragener Verein. Pegida erhielt nach und nach starken Zulauf, so fanden sich nach anfangs 150 am 8.12.2014 10.000 Demonstranten ein, am 15.12. waren es schon 15.000. Gleichzeitig sank die Zahl der Gegendemonstranten an den beiden Tagen massiv. Auf der mittlerweile eingerichteten Facebook-Seite finden sich knapp 80.000 Unterstützer, angeblich sympathisierte zumindest bis Mitte Dezember auch in etwa die Hälfte der Bundesbürger mit den Ideen von Pegida, das jedenfalls mit Blick auf den radikalen Islam.

Der Widerstand aus Politik und Medien war gemessen an der Bedeutung des Vereins extrem, zumindest seit klar war, dass sich da nicht 100 Hansels irgendwo in Dresden eingefunden hatten. AfD und CDU protestierten anfangs gemeinsam gegen die Blockade der Pegida-Demonstrationen durch die Antifa. Da ging man wohl bei der CDU auch noch von einem lokalen Problemchen aus.

Zunächst ging es gegen den „Kopf“ der Bewegung, den mehrfach vorbestraften Lutz Bachmann, dann auch gegen die Demonstrationsteilnehmer selbst, die Justizminister Maas als „Schande für Deutschland“ bezeichnete. Cem Özdemir bezeichnete sie als „Mischpoke“, womit er den Jargon der Nazis, vor allem des Herrn Goebbels wählte, die NRW-Ministerpräsidentin Kraft sprach von „Ratten“ und „Rattenfängern“, ihr Innenminister Jäger von „Neonazis in Nadelstreifen“ und die Frau Fahimi verortete bei Pegida "geistige Brandstifter".

Thomas Oppermann hetzte gegen "Rassisten und Nationalisten", "Drahtzieher" und "Mitläufer".

Sogar die Kanzlerin, die ja ansonsten wartet, woher der Wind weht, äußerte sich und sprach allerdings wie immer im Ungefähren wabernd recht allgemein von "kein Platz für Hetze und Verleumdung", was immer damit gemeint sein sollte, für eine genau platzierte Unterstellung reichte es aber. 

Insgesamt wurde gezielt der Eindruck erweckt, die Demonstrationsteilnehmer, so sie ohnehin nicht rechtsextrem seien, würden von den Organisatoren für inakzeptable Zwecke und Ziele bewusst missbraucht und seien auch selbst nicht ansatzweise in der Lage, sich ein eigenes und zutreffendes Bild von den wirklichen Verhältnissen zu verschaffen, es handle sich um eine Gruppe, der latente Fremdenfeindlichkeit, erblicher Kretinismus oder beides auf einmal gemeinsam sei.

Die Brutalität dieser Reaktionen war unverständlich, weil die "Abendspaziergänge" vollkommen friedlich verliefen, sieht man mal von den üblichen Krawallos auf der Gegenseite ab, dazu fand aber die Obrigkeit kein kritisches Wort.

Die Reaktionen wirken auch deshalb so merkwürdig und vor allem völlig unverhältnismäßig, da es keinen Aufschrei gab, als ausgerechnet in Deutschland wieder Banden durch die Straßen gezogen waren und den (Gas-)Tod der Juden forderten. 

Die nachdenklicheren Stimmen wie die von Heiner Geißler blieben und bleiben aktuell jedenfalls ungehört.

Die Medien fielen weit überwiegend ebenfalls über Pegida her, RTL ging sogar soweit, sich nicht auf den Bericht über Vorgänge zu beschränken, man machte der Einfachheit halber die Nachrichten vielmehr gleich selbst

Erklärung: Der arme und später als Bauernopfer auch gefeuerte RTL-Redakteur (ex NDR) habe im Angesicht des Mikrofons und der Kamera gar nicht gewusst was er tun sollte, als - oh Wunder - ausgerechnet er vom NDR (interner Slogan Nicken-Ducken-Radeln) aus der Masse von 15.000 Demonstranten herausgepickt wurde und daraufhin rechte Parolen schwang.

Aber mal ehrlich: Was ist wahrscheinlicher - dass er als ehemaliger NDR-Mitarbeiter seinen Kollegen eine echte Story lieferte, die den eigenen, aber auch den "offiziellen" Eindruck von der Veranstaltung bestätigen würde, oder dass er als "erfahrener Kollege" (RTL-O-Ton) in Folge kompletter Überrumpelung völlig vergass, seine ehemaligen Kollegen zu bitten, ihn NICHT zu interviewen oder einfach rauszuschneiden und DESHALB rechte Parolen schwang?

Ich gehöre jedenfalls zu denen, die die Reaktionen des "offiziellen" Deutschlands abstoßend finden (<- Lesen! Hier gibt beispielsweise Frau Stephan in einem ganz hervorragenden NDR-Ablass-Artikel den fraglichen Herrschaften Saures) und ich bin auch der Meinung, dass solche Bürger-Verunglimpfungen einen unnötigen Solidarisierungseffekt auslösen, weshalb allenfalls an den intellektuellen Fähigkeiten der Polit-Avantgarde gezweifelt werden darf. Oder es bleibt der unangenehme Eindruck, man versuche einen Kontrollverlust unter der Decke zu halten.

Laut dem sächsischen Verfassungsschutz verfolgt Pegida keine rechtsextremen Ziele, weshalb auch keine Beobachtung stattfindet. Nach Mitteilung der Organisationsleitung versuche man auch, rechtsradikale Teilnehmer und Transparente zu entfernen.

Wie immer man zu Pegida steht, das Rauschen im Blätterwald und die teils unverschämten Reaktionen aus Kreisen der Politik zeigen, dass hier ein neuralgischer Punkt getroffen wurde. Wohin das Ganze führt muss sich zeigen. Erstaunlich ist allerdings, dass die politische Avantgarde dieses Landes NICHT DEN GERINGSTEN ANLASS sieht, den bisherigen Kurs etwa in Sachen Einwanderungsgesetzgebung oder Parallelgesellschaften zu ändern oder zu überdenken. Möglicherweise hat man Sorge, das könnte bedeuten, dass man bisher zwar nicht alles, aber so manches falsch gemacht hat und dieses Eingeständnis führt selbstredend zu weit, das kann man nicht verlangen, klaro.

Ich fahnde im Übrigen nach DEM Beweis, der mir belegt, dass Pegida rassistisch und nationalistisch ist. Leider ist jede Verlautbarung dazu an dieser Stelle pflaumenweich, es ächzt, stöhnt und raunt, es drückt sich die jeweilige persönliche (übrigens erstaunblich schlicht gestrickte) Meinung der Autoren durch wie Apfelsaft aus der Trotte, mehr aber auch nicht, das Ganze hat etwas Gefühliges, Moralisierendes.

Vielleicht sollte man doch mal nach Dresden fahren.

Was aus Pegida wird, weiß ich nicht, möglicherweise läuft sich die Bewegung tot, weil sie selbst keine Lösung bieten kann und die, die es könnten etwa durch Installation eines gescheiten Einwanderungsrechts oder der Erkenntnis, dass Herr Buschkowsky und Frau Heisig doch keine ahnungslosen Idioten waren oder sind, lieber auf dem Jauchefass herumtrommeln. Die haben jetzt vorauseilend so viel Porzellan zerschlagen, das man nicht weiß, wie das alles wieder zu kitten ist.

Heute Abend ist übrigens wieder ein "Abendspaziergang".

Abschließend: Wer Näheres wissen will, möge sich diesen instruktiven Beitrag auf Youtube anschauen.

Nachtrag 21.5.2015: Ich denke, jetzt hat sich Bachmanns Bewegung im wahrsten  Sinne des Wortes totgelaufen. Man spricht davon, dass ein beinharter Kern bleibt. Ich habe zuletzt dann auch immer weniger Sympathie verspürt, für mein Gefühl ist man zu weit nach rechts abgedriftet, aber das ist Geschmackssache.
Das ändert nichts daran, dass die von AM inspirierte "Spitzenpolitik" im Umgang mit dieser ehedem wirklich bürgergetragenen Beweggung die ganze häßliche Arroganz der Macht an den Tag legte, aber bislang hat mir auch niemand widersprochen, wenn ich sage, dass wir seit mindestens 10 - 15 Jahren von mehr und mehr unterdurch-schnittlich werdendem Mittelmaß regiert werden.