Die Frauen-WM ist rum – endlich

Das Finale habe ich mir gestern angeschaut und es lässt sich gar nicht bestreiten, dass es superspannend und in einigen Szenen auch fußballerisch nicht schlecht war. Gewonnen hat das nervenstärkere Kollektiv.

Im Übrigen stellte das Turnier stellenweise größte Anforderungen an das Wohlwollen der Zuschauer, denn was da gerade in der Vorrunde zusammengekickt wurde, bekommt man unter dem Jahr nicht einmal in der Männer-Kreisliga A (zweite Tabellenhälfte) geboten. Von den SchiedsrichterInnen mal ganz zu schweigen.

Ich will auch nicht weiter erwähnen, dass die deutsche Frauen-Nationalelf vor einiger Zeit in Bestbesetzung 0:3 gegen die männliche B-Jugend des VfB Stuttgart verloren hat, just als man unmittelbar vor einem Qualifikationsspiel stand.

Egal, es gibt derart viele Sportarten, in denen ich mir die tollen Leistungen unserer Damen gerne anschaue, es muss und darf aber jedem noch selbst überlassen bleiben, ob er dem schönen Geschlecht auch beim Kicken zusehen will.

Die Freiheit nehme jedenfalls ich mir.

Nicht aber, wenn es nach den Lenkern (und LenkerInnen) der Geschicke dieses Landes geht und da liegt auch der Hase im Pfeffer.

Je länger das Turnier ging, um so mehr gingen mir Politiker, die Medien und speziell die TV-Kommentatoren auf die Nerven, die jede halbwegs gelungene Aktion mit dem Prädikat „überragend“ oder „Weltklasse“ versahen, obwohl der durchschnittlich begabte Fußballkonsument sofort erkennen konnte, dass es das keineswegs war.

Mir kam das alles vor wie ein geheimes Agreement, schaun mer mal, wie wir die Sache pushen und immer weiter pushen können.

Da wurden dann beispielsweise Altinternationale vor die Kamera gezerrt und befragt, die aussahen, als hätten sie 40 Jahre in der Kokerei der Zeche Zollverein hinter sich, die Bild-Zeitung schaffte es, noch größere Buchstaben und Superlative zu verwenden, in Radio und TV ging es immer und immer wieder um die tollen und sympathischen Schwedinnen, Kanadierinnen, blablabla und ganz grundsätzlich darum, wie geil doch das Event Frauenfussball sei, für die ganze Familie und so.

Ganz anders als beim Männerfussball, wo es bekanntlich von „biersaufenden und grölenden Männern“ (Originalton SWR 3 – Sport-Tusse gestern) nur so wimmelt. Über Stereotypen und ähnliches Gedöns will ich mich hier jetzt nicht weiter auslassen, es ist aber lustig, dass die ausgerechnet von denen aus der Mottenkiste gezogen werden, die solche Dinger immer dem anderen Geschlecht unterstellen.

Erfahren habe ich im Radio – wenn schon denn schon – aber auch, dass die FIFA den StadionsprecherINNEn JEDES Wort vorgeschrieben und gleichzeitig auch überprüft hat, dass sich die auch daran halten.

Ich gehe daher sicher davon aus, dass die Redaktionsspitzen bei Printmedien und Funk und Fernsehen zumindest stillschweigend übereinkamen, diese Veranstaltung zu pushen bis der (Mannschafts)Arzt kommt und wehe, es wagt jemand, diese Kumpanei etwa durch unangenehme (aber berechtigte) Fragen an das Denkmal Neid zu stören.

Ich will nicht wissen, wie die Emotionen hoch gegangen wären, hätte es die Buben im Viertelfinale zumal mit einer solchen Leistungen erwischt.

Der Bundes-Jogi hätte sich einiges anhören müssen, aber hier wollte man die Li-La-Laune-Bär-Stimmung eben nicht mit so etwas belasten, denn – Achtung, Kern de Püdell -  es ging doch kaum kaschiert gerade auch darum, in Sachen Emanzipation das ganz große Rad zu drehen, so als hätten das die Damen nötig.

Man kann die Leute aber nicht verarschen.

Nachdem die deutschen Damen sang- und klanglos im Viertelfinale rausgekegelt wurden, klappten allüberall die Public-Viewing-Schirme zusammen wie eine Luftmatratze, auf der ich aus drei Meter Höhe gelandet bin, obwohl ja noch einiges anstand und die medialen Marktschreier noch nicht mal zum Luftholen unterbrachen.

Ich bin zwar professionelles Landei, fahre aber ab und zu in die große Stadt und hüben wie drüben habe ich nicht ansatzweise diese Stimmung bei den Leuten verspürt wie 2006 beim Sommermärchen oder letztes Jahr in Südafrika. Fähnchen? Fehlanzeige.

Nö, wir hatten hier 2011 zwei Weltmeisterschaften – eine in den Medien und eine in der Realität.

Und diese Diskrepanz, das Künstliche an der Sache hat mich abgestoßen und da muss ich nicht mal groß erwähnen, dass sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit Claudia Roth ins Bild gedrängt hat, damit sich die Message der gesamten Veranstaltung auch dem Dämlichsten ´n Stück weit erschließt.

Summa summarum – ich fand´s peinlich, weil man den Fußball u. a. für etwas missbraucht hat, das auf oder neben dem Fußballplatz nichts verloren hat, und deshalb bin ich froh, dass es rum ist.

18.7.2011

PS: Zu dieser merkwürdigen Veranstaltung passt auch, dass Theo Zwanziger jetzt "eine Entschuldigung" der Kritiker von Frau Neid fordert.

Ist auch bequemer, dann muss man sich nicht mit dem auseinandersetzen, was da gesagt wurde und es bestätigt meine Einschätzung der alsbaldigen Seligsprechung Silvia Neids.

Es dürfte also besser sein, geplante öffentliche Äußerungen künftig in dreifacher Abschrift der Glaubenskongregation des DFB zur Vorabprüfung zu übermitteln. Es wird immer stickiger. Furchtbar.

Obwohl eigentlich off topic - hier ein lesenswerter Artikel zum aktuellen Neid-mare...

19.7.2011