Vincent Bugliosi u. Curt Gentry – Helter Skelter

Vincent Bugliosi war der Staatsanwalt, der Charles Manson und einige der durchgeknallten Furien seiner „Family“ hinter Gitter brachte.

Für die unter 40-jährigen – Charles Manson, der „Jesus“ für geistig und moralisch extrem Derangierte, war verantwortlich für die Ermordung von Sharon Tate, vier ihrer Freunde und eines zufällig im Hof des Tate´schen Grundstücks anwesenden jungen Mannes Ende der 60er in Los Angeles.

Tate, hochschwangere Ehefrau von Roman Polanski und ihre Freunde wurden im Polanski´schen Anwesen buchstäblich abgeschlachtet. Ebenso wie kurz darauf das Ehepaar LaBianca, das mehr zufällig zum Opfer wurde.

Welche Morde noch auf das Konto der „Family“ gingen, lässt sich nur erahnen, es spricht aber vieles dafür, dass ein Lehrer und ein Farmarbeiter ihren Kontakt mit der „Family“ mit dem Leben bezahlten,

Fakt ist, dass auch einer der Verteidiger – Ronald Hughes – im Laufe des Verfahrens unter mysteriösen Umständen ermordet wurde.

Das 1994 geschriebene  und mehrfach preisgekrönte Buch ist brilliant. Es führt den Leser Schritt für Schritt durch die Vorgeschichte, die Ermittlungen und dann den Prozess nebst der Turbulenzen, die er auslöste.

Man erfährt viel über die facettenreiche Persönlichkeit Mansons, den ich eher nur von den Fotos kannte, die ihn ungewaschen-zottelig und wild-debil fletschend zeigten. Der Mann war wesentlich cleverer und gefährlicher als die Fotos das erahnen ließen, auch wenn er erkennbar einen massiven Sprung in der Schüssel hatte.

Unter „Helter Skelter“ verstand Manson übrigens den Endkampf zwischen weißer und schwarzer US-Bevölkerung, in dem die Schwarzen siegen und nach einer kurzen Zeit der Herrschaft die in die Wüste geflüchtete „Family“ des Charles Manson in Folge eigener Unfähigkeit bitten würden, die Herrschaft zu übernehmen.

Für Manson waren Schwarze Weißen grundsätzlich unterlegen, auch wenn sie in besagtem Endkampf siegen würden. Und deshalb würde Manson letztlich auf den Thron gelangen.

Im Übrigen "fühlte" Manson, die Beatles würden ihm via Songtexten Aufforderungen oder Botschaften schicken. Soweit das krude Weltbild des Herrn Manson.

Um „Helter Skelter“ auszulösen, bedurfte es nun einiger Morde an Weißen, die man Schwarzen in die Sneakers schieben konnte und so geschah was geschah.

Ich wusste übrigens nicht, dass gerade die Beweislage gegen Manson selbst lange Zeit mehr als dünn war und die konkrete Möglichkeit bestand, dass er den Gerichtssaal als freier Mann verlassen würde.

Bugliosi/Gentry schaffen es, gerade die Ermittlungen, das Knüpfen dichter Beweis- und Indiziennetze, die Gefechte mit Verteidigung und Gericht sowie den Angeklagten so anschaulich und dramatisch zu schildern, dass zumindest ich das Buch nicht mehr weggelegt habe.

By the way erfährt man auch Anschauliches aus der merkwürdigen Welt des us-amerikanischen Prozessrechts.

Trotz des schaurigen Anlasses wie gesagt ein klasse Buch, für das Bugliosi den Schriftsteller Gentry hinzuzog, was dem Buch sicher förderlich war.