Amazon teilt mir per Mail mit, dass es wegen der großen Nachfrage sicher noch zwei Wochen dauern wird, bis man mir das Buch zustellen kann.

 

Respekt Herr Plasberg!
Die gestrige "hart aber fair"-Sendung hat keine meiner vorherigen Befürchtungen bestätigt. 

Plasberg erwies sich als seriöser, weitgehend neutraler und in vielen Punkten angenehm zurückhaltender Gastgeber.

Eingeladen waren Rudolf Dressler, Prof. Arnulf Baring, Michel Friedman und Asli Sevindim, eine türkisch-stämmige WDR-Moderatorin.

Plasberg verpasste Sarrazin relativ rasch eine volle Breitseite in die Pulverkammer, als er ein Zitat der Wissenschaftlerin Elsbeth Stern präsentierte, auf die sich Sarrazin in seinem Buch immer wieder bezieht. Diesem Zitat war allerdings zu entnehmen, dass sich Frau Stern klar von den Sarranzin´schen Schlussfolgerungen distanzierte. Das saß und man merkte es.  Plasberg setzte aber entgegen sonstiger Gewohnheiten nicht nach.

Was gab es sonst noch?

Frau Sevindim hatte außer aufgeregtem Gekeife und Hinweisen auf ihre zweifelsohne mustergültige Integration und die ihrer Familie und Freunde nicht viel zu bieten. 
Herr Friedman weiß und wusste, wie man mit Polemikhäppchen alles und nichts sagt, insoweit business as usual eben.
Rudolf Dressler konzedierte klar und eindeutig, dass die Politik bei der Integration versagt habe, Herr Prof. Baring sekundierte wiederum Sarrazin, sofern das nötig war.

Es zeigte sich, dass Baring einerseits und Friedman andererseits offensichtlich zwei unterschiedliche Bücher gelesen haben mussten, man einigte sich - insoweit ein Erfolg für den Autor - dass man das Buch "unterschiedlich interpretiert" (Friedman).

Interessant die Zuschauerreaktionen - eine Mehrheit steht und stand hinter Sarrazin.
Wie laut Plasberg übrigens auch die SPD-Basis.

Von 2.000 in der SPD-Zentrale an diesem Tag eingegangenen Mails forderten 90% der Absender, Sarrazin nicht auszuschließen.

Mich beschleicht auch ohne Lektüre des Buches, dass Sarrazin etwas bewegt hat, was sich bislang nur in Konturen abzeichnet.

Ich habe den Eindruck, viele Bürger haben es satt, sich vorgeben zu lassen was sie über was zu denken haben.
Ich wage natürlich nicht zu hoffen, dass das Totenglöckchen für die political correctness gebimmelt hat, wenn es aber nur einen Schritt in diese Richtung geben sollte, ist schon viel gewonnen.

Ich denke auch, dass die Leute angewidert sind von den schrillen Tönen, die da von Politikern jeder Herkunft und Partei zu hören sind, weil die Leute spüren, dass es da möglicherweise weniger um Thilo Sarrazin als  vielmehr um das Kaschieren eigenen Versagens geht.

Man ahnt, dass Sarrazin da einem mächtig großen Köter auf den Schwanz getreten ist. Natürlich lässt sich niemand gerne sagen, er habe in einer gesellschaftspolitisch extrem wichtigen Frage mit Sprengstoffcharakter über Jahrzehnte versagt, was der altersmilde und über dem politischen Tagesgeschäft stehende Rudolf Dressler auch und gerade für seine Partei aus- drücklich bestätigte.

Entgegen meiner Befürchtung ging die Diskussion auch nicht in einem allgemeinen Gebrüll unter und man ließ sich im Wesentlichen auch ausreden.

Frank Plasberg empfahl dann noch ausdrücklich die nachfolgende Dokumentation "Hart und herzlich", die den harten Kampf der extrem engagierten türkischstämmigen Lehrerin Betül Durmaz an der Malteser-Förderschule in Gelsenkirchen zeigte, die ich mir anschließend ansah  und die nur jedem ans Herz gelegt werden kann, sie dürfte in der ARD-Mediathek noch abrufbar sein.

P.S.: Die FAZ hat heute morgen eine "
Frühkritik" der gestrigen "hart aber fair"-Sendung ins Netz gestellt, die aus meiner Sicht vor völlig unberechtigter und der Problematik absolut unangemessener Arroganz sowie geheuchelter öliger Anteilnahme ("tragisch") nur so trieft.

Beispiel Anruf bei der Statistikbehörde: Es habe dort Sarrazin offensichtlich niemand gefragt, wozu er die von ihm erfragten Daten benötige. Man ist als Leser verblüfft und fragt unwillkürlich: "Na und? Muss man denn davon ausgehen, dass die Antwort des öffentlich bestallten Statistikers zu den Grundlagen seiner Erhebungen anders ausgefallen wäre, hätte Sarrazin sein Buchprojekt erwähnt? Und falls ja, warum in Gottes Namen?"

Der Verweis auf Frau Ali macht ebenfalls keinen wirklichen Sinn, zum Einen ist sie Sarrazin selbstverständlich bekannt, zum Anderen insinuiert die Behauptung, Sarrazin kenne Frau Ali und andere fortschrittlichen Muslime nicht, er schere alle Muslime über einen Kamm und das habe ich auch ohne Lektüre des Buchs so bisher nicht belegt bekommen, Sarrazin bestreitet das auch ausdrücklich.

Unter anderem wird Sarrazin schließ- lich vorgeworfen, er bediene Vorurteile von "Kleinbürgern", also dem immer wieder als Synonym für den Begriff "Spießer" diskreditierten Bevölkerungsteil, zu dem sich Feuilleton-Redakteure AUF GAR KEINEN FALL zählen (ohne die Schubladen in der eigenen Birne zu bemerken).

Dieser Bevölkerungsteil hat im Übrigen erkennbar besonders unter den Folgen misslungener Integration zu leiden. Er kann und will nicht abwarten, bis "Reza Aslan und Irshad Manji" vielleicht  irgendwann Erfolg haben.

Die Bemerkung offenbart im Übrigen unbeabsichtigt, dass die beiden offensichtlich einen Anlass für ihre Bemühungen sehen, was der Verfasser leider völlig außer Acht lässt.

Und ich unterstelle hier auch mal, dass der betreffende Redakteur "Hart und herzlich" nicht mehr angeschaut hat, weil er entweder in die Falle oder seinen Bericht tippen musste.
Aber wir wissen ja - Toleranz wächst mit dem Abstand zum Problem.


Hier nun ein sehr aufschlussreiches Interview mit Monika Maron und Neclá Kelek.


"Sarrazin statt Muezzin" - mit diesem Slogan gehen heuer die braunen Klosettfliegen von der österreichischen FPÖ auf Rattenfang und weil´s so schön ist, installierten sie auf ihrer offiziellen Homepage auch noch ein Spiel für geistig stark benachteiligte Berufsarier, mit dem man  à la "Moorhuhn" Moscheen, Muezzine, Minarette und was da noch so an Islamischem digital verwurstet werden konnte, abknallen kann.

Das Spiel heißt wohlweislich "Moschee baba", denn meiner Vermutung nach kann sich diesen Titel auch der PG merken, der bei der Verteilung von Hirn nur "hier" gehaucht hat.

Gegen Beifall von der falschen Seite kann man sich eben nicht wehren, man erträgt ihn "mit Demut", wie kürzlich auch Herr Bürgermeister Buschkowsky meinte.