Ich konzediere, dass nachfolgendes Statement  von Broder zum Arschloch-Streit zwischen Sarrazin und Friedmann die Diskussion zweifelsohne nicht befördern wird, archivieren wollte ich es dennoch.

"Thilo Sarrazin hat gesagt, Michel Friedman wäre ein Arschloch. Weil ein Mann von Welt ein Kompliment, das ihm gemacht wurde, nicht für sich behalten kann, rennt Friedman zur BILD-Zeitung und erzählt ihr, was Sarrazin über ihn gesagt hat. Die macht daraus eine Titelgeschichte. Jetzt wissen fünf Millionen BILD-Leser, dass der Sarrazin den Friedman Arschloch genannt hat. Das ist nicht nett und, wie unsere Kanzlerin sagen würde, überhaupt nicht hilfreich. Und außerdem stimmt es nicht. Friedman ist ein selbstverliebtes Riesenarschloch. So, das musste mal gesagt werden."

 

Je länger ich über die Äußerung von Angela Merkel, Sarrazins Buch sei "nicht hilfreich", nachdenke, um so mehr erbittert sie mich.

Mehr als Auszüge konnte sie zu diesem sehr frühen Zeitpunkt keinesfalls gelesen haben. Gemäss dem geläufig-euphemistischen Duktus in dieser Schlangengrube bedeutet das ja nichts anderes als ein verbales Autodafé.

Die Äußerung ist auch keinesfalls ein Einzelfall, sie steht in einer Reihe, die m.E. auf das Merkel´sche Denken rückschließen lässt.

Ich fand ihre politisch korrekten Ausfälle im Zusammenhang mit Benedikt XVI. ja schon Panne, aber es erweist sich für mich auch und gerade aktuell wieder, dass die Kanzlerin offensichtlich der Form einen inakzeptablen Vorzug gegenüber Inhalt gibt, was einen immer wieder nur verblüffen kann, aber die eine oder andere politische und gesellschaftliche Entwicklung in diesem Land, seinem Parlament und seiner Regierung erklären würde.