Kautschuk? Kautschuk! Üblicherweise macht man sich ja keine Gedanken, was man sich so auf die Felgen oder unter Umständen sein bestes Stück zieht oder ziehen lässt.

Darüber sollte man nachdenken, denn aktuell wird dem japanisch-amerikanischen Konzern Bridgestone/ Firestone wegen angeblicher Sklaverei auf dessen Plantagen in Liberia der Prozess gemacht.

Unlängst sendete der Deutschlandfunk den Bericht einer schweizerischen Organisation, die sich vor Ort selbst ein Bild machen wollte und dort nach eigenem Bekunden von der Marketingabteilung des Konzerns nur an der Nase herumgeführt wurde, sprich, sich nicht selbst ein Bild davon machen konnte, ob die Vorwürfe nun stimmen oder nicht. Bestimmte Bereiche waren off limits und mit Arbeitern konnte man auch nicht sprechen.

Wir erinnern uns – wir schreiben das Jahr 2005 und „Amistad“ ist für unsereins nur ein Film über eine vorgeblich längst untergegangene Welt.

 Im März 2005



Die SPD und Die Linke oder wie dem Kurtl  das Verhältnis zur Strahlenforschung abhanden kam.


„Die sogenannte Linke hat mit realistischer Politik so viel zu tun wie eine Kuh mit Strahlenforschung.“
(Kurt Beck am 18. Juli 2007 gegenüber dpa)

 

„Im Westen wäre es ein kapitaler Fehler, wenn wir mit diesen undifferenzierten, teilweise chaotischen Leuten Politik machen würden.“
(Beck am 13. September 2007 in ntv)


„Mit der sogenannten Linkspartei wird es keine Zusammenarbeit geben.“
(Beck am 27. Januar 2008 im ZDF)

„Es wird keinerlei Absprachen oder sonstige Vereinbarungen irgendwelcher Art, auch nicht über Tolerierung, mit der Linken geben. Es wird keine aktive Zusammenarbeit geben.“
(Der Kurtl am 21.2.2008 in München)


Anmerkung Mai 2008: Nachdem das Ganze so endete wie es enden mußte - als typische Beck-Aktion "Welsche Sau hammer jetz noch nedd dorschs Dorfff getribbe?" -, wanzt er sich heuer an die Grünen und den "Gott-sei-bei-uns" für jeden aufrechten Sozi - Guido Westerwelle - heran.

Kaum waren vor nicht allzu langer Zeit seine Worte über die Leistungsträger draußen im Loonde wie immer ohne jede sichtbare Folge verhallt und  der Bürger zur Tagesordnung übergegangen, da lud der Kurtl den buckligen Lafontaine nebst seiner SED-Vettel via Frau XY wenn auch sehr zögerlich zum Tanze, um nach dem eigentlich zu erwartenden Gegenwind jetzt WIEDER umzukippen.

Wer kann diese Existenz eigentlich noch ernst nehmen...?

Anmerkung September 2008: ... niemand mehr, es sei denn, er wohnte in pfälzischen Gefilden und trüge rote Socken.

Der Abgang war auch ein echter Beck - wäre nicht der Saumagen Top of the Pobbes in der Pfalz, die Leberwurst wäre heißer Anwärter. Alle sind schuld, Quislinge und Cäsarenmörder aller Orten, nur der Kurt, der konnte wieder mal für nichts was.



Srebrenica

Von Hannes Stein

Gestern ging ich an meinem Lieblingsramschbuchladen vorbei und sah auf dem Grabbeltisch drei handliche Büchlein nebeneinander liegen.
Alle waren gleich glanzrot eingebunden: Das "Manifest der kommunistischen Partei" von Marx und Engels, die "Worte des Großen Vorsitzenden Mao" und die totgeborene "Verfassung Europas".
Mehr fällt mir zu Europa im Moment nicht ein.

Na gut, das war jetzt ungerecht. Die Wahrheit ist, daß mein Enthusiasmus für Europa schon vor zehn Jahren schlagartig erkaltete - und mein Problem dabei waren nie irgendwelche bürokratischen Eliten in Brüssel; mein Problem bleibt die europäische Öffentlichkeit. 

Im Juli 1995 eroberten bosnische Serben unter General Mladic die moslemische Enklave Srebrenica, aus der schon Zehntausende Einwohner vertrieben worden waren; sie fingen 8000 Männer ein, ermordeten sie und verscharrten ihre Leichen in Massengräbern.

Holländische UN-Soldaten wiesen den Mördern den Weg zur Schlachtstätte und tranken hinterher brüderlich mit ihnen Sekt.  

Vor kurzem sind Videoaufnahmen des Massakers aufgetaucht - durch sie erfuhren die Serben, daß sie nicht das Opfervolk sind, als das der österreichische Schriftsteller Peter Handke sie gern darstellt. Sie sahen mit eigenen Augen, daß ihre Leute Folterer und Vergewaltiger und gemeine Mörder waren.

Als das Verbrechen verübt war, wartete ich.

Ich wartete auf Massendemonstrationen: Immerhin waren in Tel Aviv 400 000 Menschen auf die Straße gegangen, nachdem die israelische Armee christlichen Falangisten in Sabra und Schatila erlaubt hatten, Amok zu laufen.

Aber es rührte sich nichts - nicht in Berlin noch in Paris, London oder Madrid. Rien. Nothing. Nada. Ach, und all den edlen Seelen, die mich heute so eilfertig der Islamophobie zeihen, war dieses Massaker an Moslems von Herzen schnuppe.

Wenige Monate später starteten die Franzosen eine Serie von Atomtestversuchen im Mururoa-Atoll.

Und plötzlich war der Teufel los. In Deutschland wurden französische Produkte boykottiert, überhaupt schien es ein paar Wochen lang so, als habe Greenpeace die Regierungsgeschäfte übernommen. Auf der Reeperbahn im Hamburg sah ich ein Bordell, an dessen Eingang auf einem Plakat mit Riesenlettern stand, hier würden keine französischen Rotweine ausgeschenkt.

Ich lachte laut und bitter und dachte: Offenbar lebe ich auf einem anderen Stern.

Mit diesem Europa, das wegen radioaktiv verstrahlten Fischen im Südpazifik einen Aufstand macht, während ihm die Leute von Srebrenica egal sind, habe ich nichts zu schaffen.
Ich und Europa - wir kommen seither prima ohne einander aus.

Gewiß, es gab den Kosovokrieg, und der serbische Ex-Diktator Milosevic sitzt heute in Den Haag und muß sich vor Gericht verantworten.
Aber das ist, wenn die Erinnerung mich nicht trügt, vor allem den Amerikanern zu verdanken.

Ich sehe keine europäische Bürgergesellschaft: nur eine westeuropäische Mittelschicht, die um jeden Preis ihren faulen Frieden haben möchte.

Das ist die eine Seite, die politische.

Es gibt auch noch eine andere, nur ist es schwierig, darüber zu schreiben, ohne kitschig oder sentimental zu werden: Ich bin Europäer.

Als ich in Köln wohnte und mit dem Zug nach Amsterdam fuhr, wußte ich: Hier bin ich zu Hause. Dieses Ensemble aus Grachten und schmalen Häusern, aus Kühen auf grünen Wiesen und Kathedralen und Käsesorten und Museen, dieses Sprachengewirr aus Flämisch und Mancunian und Jiddisch und Catalan und 15 deutschen Dialekten - c'est moi.

Und wie es in dem schönen alten traurigen Jazzlied heißt: "No, no, you can't take that away from me." Doch das ist meine Privatsache.

Artikel erschienen in der „WELT“ am Di, 28. Juni 2005



Unsere tägliche Manipulation gib´ uns heute...

15.4.2008; subtile Desinformation à la RTL (nicht zum ersten Mal):
Auf Pro7 höre ich beim Tomatenmassaker in der Küche mit halbem Ohr, dass in China 2007 470 Menschen hingerichtet wurden, im Iran 317, in Saudi-Arabien 143, in Pakistan 135 und in den USA 42.
Eine dreiviertel Stunde später hört sich die gleiche Meldung bei RTL so an:

"In China, dem Iran, Saudi-Arabien, Pakistan und den USA wurden 2007 1.107 Menschen hingerichtet. Allein diese fünf Staaten sind für mehr als 88% der Hinrichtungen weltweit verantwortlich"
.

Chapeau, wie man die USA in einem Atemzug mit diversen Diktaturen verstöpselt und dabei auch noch den Eindruck erweckt, als lägen alle Länder bei dieser Liste des (vermeid- und unentschuldbaren) Grauens gleichauf.
In diesem Leben wird das mit RTL einerseits und den USA sowie Israel andererseits wohl nix mehr.



Eva Herman oder much ado about nothing

Henryk M. Broder leitet seinen Beitrag im Spiegel vom 10.10.2007 zur unsäglichen Kerner-Sendung am Vortage mit folgenden Worten ein:

„Es gibt eine Regel bei Diskussionen über aktuelle Themen, die sich jeder Teilnehmer merken sollte: Wer zuerst Hitler, Nazis, Drittes Reich sagt, hat die Arschkarte gezogen. So einer ist entweder NS-Sympathisant oder - noch schlimmer - er missachtet das 11. Gebot: Du sollst nicht vergleichen!“

Das ist traurige Wahrheit. Man hat sich mittlerweile angewöhnt, gar nicht mehr genau hinzuhören oder hinzusehen, was wann wo und wie geäussert wurde, der kollektive Reflex funktioniert wie geschmiert und vor allem gerade dann, man über das „Sakrileg“ aus eigener Anschauung selbst gar nichts weiss.

Mir sind die hysterischen Reaktionen auf die Hohmann-Äusserungen und die Rede Benedikts XVI. noch in bester – unguter – Erinnerung.

Eva Herman ist alles andere als clever, das zeigen die Äusserungen, die sie getätigt hat, auch wenn man sich vergegenwärtigen muss, dass diese Äusserungen, die zu Ihrer Kündigung durch den NDR und der inszenierte Hinrichtung bei Kerner geführt haben, anlässlich einer Rede gefallen sind, die sie offensichtlich ohne Konzept und ohne notwendigen intellektuellen background gehalten hatte.

Als, was hat sie eigentlich gesagt?

(…)„Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ’ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben“ (…)

Zu diesen Thesen kann man stehen wie man will, der Frau vorzuwerfen, sie habe neben einem Knall auch (rechts-)extremistische Tendenzen, zeugt aber davon, dass man mainstreammässig nicht genau hinhören kann oder – schlimmer – will.

Die Ver-Pro7-erung unseres Gemeinwesens schreitet voran. We love to entertain you.

 
PS: Hier die Schlussfolgerung von Martin Hohmann aus seiner damaligen Rede zum 3. Oktober:

„(…) Daher sind weder "die Deutschen", noch "die Juden" ein Tätervolk. Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts. (...)"

 
12.10.2007