Anne Will war nun gestern Abend am Drücker.

Eines vorweg - den stärksten Eindruck hinterließ die Grüne Katrin Göring-Eckardt.

Wer jemals geglaubt hat, die Grünen per definitionem einer Göring-Eckardt stellten die bessere liberale und bürgerliche Partei oder seien mental in diesen Kreisen angekommen, sieht sich nach gestern getäuscht.

Abgesehen davon, dass sie der Muslima Neclá Kelek den Islam und die wahre Situation geknechteter Muslime erklären wollte, tat sich da ein Abgrund an Misstrauen und Verachtung gegenüber der eigenen Bevölkerung auf.

Das Problem Integration lässt sich laut der Grünen nur lösen, wenn auf Grund der Zustimmung zu Sarrazins Buch offenkundig gewordener latenter Rassismus und virulente Rechtsradikalität der Inländer nachhaltig bekämpft wird, erst an dritter Stelle wird man dann mal schauen müssen, ob und wie man sich mit den ausländischen Integrations-verweigerern befasst.

Ich muss gestehen, ich war sprachlos, mit wem ich da in einen Topf geworfen wurde, Udo Voigt und ich auf du und du, das war zumindest mir neu.

Ich weiß ja um das "wir-schämen-uns-mal-ganz-doll-für -Deutschland-und-tun-so-als-seien-wir-Finnen", weil ich es lange Jahre selbst erlebt und praktiziert habe, dass das aber heute noch in dieser Reinkultur von Politikern derart gepflegt wird, war mir neu, auch wenn mir Özdemirs oberpeinliche Videobotschaft an die BBC eine Lehre hätte sein sollen.

Der Medienwissenschaftler Bolz fand dann auch deutliche Worte zu diesem Scheiß, Wolfgang Bosbach hatte einen (positiven) "Lasset-die-Kindlein zu-mir-kommen"-Abend erwischt und war in dieser Gemütsverfassung auch bereit, weitreichende Versäumnisse der Politik einzuräumen bzw. Aktion anzukündigen, Klaus Wowereit irrlichterte gedanklich und verbal noch einmal durch "meinen Kiez", den er kurz zuvor physisch betreten und in dem er gelungene Integration festgestellt haben will und blieb auch sonst sehr oft sehr wolkig und unverbindlich. Aber was machen muss man.

Ein bekanntes Abwehr-Strickmuster wurde auch noch einmal deutlich - Sarrazin bashe mit seinem Buch alle Muslime (Göring-Eckardt) und diese eindeutige Falschbehauptung reicht gewissen Kreisen bereits, um ein "Weiter so wie bisher" zu propagieren.

Dass man nicht wirklich daran interessiert ist, etwas an der unzweifelhaft bestehenden Integrationsverweigerung zu ändern, wurde an der insoweit hinhaltenden und unklaren Position von Frau Göring-Eckardt deutlich.

Und noch etwas wurde deutlich - eingangs erwähnte Verachtung für das Sarrazin-Buch und die hiernach aufbrandende Zustimmung in der Bevölkerung ist nur dann etwas, was dringend einer gesellschaftstherapeutischen Behandlung bedarf, wenn das Ziel irgendwie Scheiße ist.

Geht es beispielsweise um Stuttgart 21, also um Protest gegen ein Bauvorhaben, das nach den rechtsstaatlichen Regularien in weiten Teilen abgesegnet ist, dann ist das etwas ganz Anderes, da zeigt sich dann die ganze Pracht der innerdeutschen Schwarmintelligenz.

Auch ich stehe Stuttgart 21 angesichts der Kosten kritisch gegenüber, aber mein Plazet zum deutlich werdenden abweichenden Volkswillen vom Maßnahmenziel abhängig zu machen, ist für mich Totalpanne.

Frau Göring-Eckardt ist im Wolkenkuckucksheim Baujahr 1973 wohnen  geblieben und kann seit gestern nur noch als gedanklicher und dogmatischer Wolkenkuckucks-heim-Messie bezeichnet werden.

Schließlich wurde aber auch ganz generell deutlich, dass den Politprofis der schichtenübergreifende Beifall aus der Bevölkerung irgendwie gruselig ist.

Meiner Einschätzung nach sieht sich am ehesten das bürgerliche Lager dazu im Stande zu reagieren, die SPD steckt in der Frage fest, soll man rausschmeißen oder nicht (in der Tat schwierig) und die Grünen in der Multi-Kulti-Ideologiefalle.

 

 

 

Auch die KPD (B) hat sich endlich zu Wort gemeldet. Auf ihrer Homepage speit sie Gift und Galle gegen das Sarrazin´sche Werk und gibt den Anwalt aller Hartz IV-Bezieher und Muslime, denen das gleiche Schicksal prophezeit wird wie den Juden im Dritten Reich, wenn man Leuten wie Sarrazin freie Hand ließe.

Ich hab´s gezählt - das Wort "chauvinistisch" (direkt aus der Perlenschatulle der KPdSU) taucht in dem einseitigen (sic!) Artikel 6x auf, das Wort "rassistisch" (oder "Rassist") 9x und das Wort "faschistisch" (oder "Faschist/en") 20x.

Das (B) nach KPD bedeutet übrigens "Bolschewiki" und outet die Verfasser damit ganz klar als Garanten für Nächstenliebe, Pluralismus, Toleranz und Respekt vor der Meinung des Andersdenkenden.

Ein wirklich wichtiger Beitrag, danke ihr Genossen! Und dass ihr mir nicht die Signale überhört...