Amazon vermeldet heute per Mail, dass ich die Schwarte jetzt morgen bekomme. Rechtzeitig zum Urlaub, den ich im Ausland verbringen werde, so oder so, also nicht sicherheitshalber, um etwa Anfeindungen oder einer Erwähnung auf der Homepage der KPD (B) ("chauvinistisches rassistisches Faschistenschwein") aus dem Weg zu gehen, wenn ich im bayrischen Biergarten oder an rauschenden Ostseegestaden mit einem roten Buch in der Hand angetroffen werde.

 

Ich überlege, Herrn Bundespräsident Wulff einen belastbaren Brieföffner aus Solingen, ein leistungsfähiges Feuerzeug oder ein ebenso leistungs- und leidensfähiges Spam-Programm zu schicken.

Grund ist die Mobilmachung durch die BILD, die ihre Leser auffordert, folgenden vorformulierten, aber noch mit Kreuzchen und eventuell Kommentaren versehenen Brief an die Redaktion zu schicken, die den Papier- oder Mailwust dann an Herrn Wulff weiterleiten will. Ich hab nicht mitgemacht.

An den Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland
Christian Wulff
07.09.2010 - 21:14 UHR


Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
In diesen Tagen haben Sie – im Namen des deutschen Volkes – über die Entlassung von Herrn Thilo Sarrazin als Vorstand der Bundesbank zu entscheiden. In dieser wichtigen Angelegenheit, die so viele Menschen in Deutschland bewegt, möchte ich, dass Sie bei Ihrer Entscheidung meine persönliche Meinung kennen und beauftrage die BILD-Zeitung, Ihnen meine Einschätzung weiterzuleiten.

Zutreffendes bitte ankreuzen!

Meiner Meinung nach ist Herr Sarrazin
ein kluger Kopf, der sich ehrlich um Deutschland sorgt
ein Hetzer und Brandstifter, Rassist und Islam-Feind
ein aufrechter Deutscher, den die Politiker aus Angst um ihre Wiederwahl mundtot machen wollen
ein eitler Selbstdarsteller
oder:
Ich bitte Sie deshalb, Herrn Sarrazin
nicht zu entlassen, sondern in Ihren Beraterstab aufzunehmen
sofort als Bundesbankvorstand zu kündigen
das Bundesverdienstkreuz am Bande zu verleihen
im Amt zu belassen
oder:
03. Ihre Kontaktdaten:
Name:*
[Bitte Vor- und Nachnamen angeben]
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PLZ/Wohnort:*

Telefonnummer:*
(unter der wir Sie am besten erreichen können)
[Bitte mit Vorwahl]
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Unangenehmes aus der soziologischen Hexenküche. Bezeichnenderweise musste die WELT die Kommentarfunktion deaktivieren.

 

 

Und noch der traditionelle Blick auf die Homepage des Zentralrates der Muslime, auf der - klaro - Sarrazin nach wie vor eine große Rolle spielt:

Dort wird u.a. Sabine  Schiffer als "Medienexpertin" vorgestellt und die nutzt die Einladung gerne dazu, das ganz große Rad zu drehen.

Von den fanatisierten Irren des Dove World Outreach Center über die Palin´sche Tea Party, Afghanistan bis Sarrazin und zum al-Sherbini-Mord spannt sie den pathologischen Bogen, um zu belegen, dass wir an der Schwelle zum Dritten Reich stehen, offenbart einen mächtigen Knall  und belegt dabei ungewollt, wie sie selbst Meinungsfreiheit definiert.

Kommentiert wird das übrigens von den Inhabern der Site nicht, was bedeutet, dass sie sich diese wertvollen und der Sache ungemein dienlichen Ansichten zueigen machen.

Nicht überraschend: Das Verhältnis zwischen Ursache und Wirkung wird dort offensichtlich schon seit jeher eher einseitig und originell definiert, entspricht aber dem, was ich mir seit dem 30.8. aus bestimmten Ecken in repräsentativem Umfang immer wieder anhören musste.

Je allgemeiner - und verallgemeinender - man bleibt im Mainstream "Muslim-Bashing", um so schneller gelangt man ans Ziel und unterbindet die Diskussion, diese Linie hat  der Große Vorsitzende bereits vorgegeben, der sich u.a. der seltsam orientierungslosen "Süddeutschen Zeitung" bedienen durfte und der - ich erinnere - bei der Pressekonferenz nach der Vorstellung der Sarrazin´schen Schwarte einen amtierenden Bundesbanker "Nazi in Nadelstreifen" nannte.

Warum in drei Scheitans Namen sagt man nicht, dass es prinzipiell Probleme bei einem Teil der eigenen Klientel gibt und pumpt stattdessen einen Popanz mit häßlichem Antlitz auf, der mehr zerstört als er - positiv - bewegt?

Müssten nicht die Verbände selbst ein Interesse haben, der Argumentation der Mehrheitsgesellschaft den Boden zu entziehen, denn natürlich gehe ich davon aus, dass man abseits der offiziösen Rassismus-Statements um die Probleme weiß und sie intern diskutiert.

Ich bleibe dabei, dass diese Verbände Politik in erster Linie in eigener Sache machen, die Homepage "Islam" (= "Frieden" nach dortiger - und falscher - Übersetzung) des Zentralverbandes bzw. die dort veröffentlichten giftspeienden Beiträge belegen das nolens volens.

Diese Verbände existieren im Wesentlichen über ein gerade jetzt immer wieder gepushtes  muslimisches Gemeinschaftsgefühl und werden von denen, die dieses Gefühl entwickeln natürlich auch getragen. Schlägt man ihnen das Holzschwert "Diskriminierung durch die Mehrheitsgesellschaft" aus der Hand, in dem man die muslimische Gemeinschaft diversifiziert, die Bildung einer wachsenden ungebildeten, daher chancenlosen und in der Folge für krumme Segnungen eines angeblich von allerhöchster Stelle sanktionierten Islamver-ständnisses empfängliche Basis nachdrücklich betreibt, dann verschwimmen zwangsläufig die Grenzen zwischen den Ethnien , die Probleme werden geringer und diese Verbände werden samt und sonders überflüssig oder erschöpfen sich in Angeboten für interkulturelle Nähkurse.

Das mag Herrschaften für Herrn Mazyek wie der Blick in den vielzitierten Abgrund vorkommen, sitzt er doch heuer noch mit Herrn Schäuble auf du und du am (Islam)Konferenztisch.

Und als hätte es noch einer Bestätigung bedurft, meldet sich neben dem Generalsekretär des Zentralrates Mazyek auch noch der Vorsitzende - Ayyub Axel Köhler - zu Wort, a) spricht im Zusammenhang mit Sarrazin von "Volksverhetzung", die gem. § 130 StGB strafbar ist und b) rügt er Frau Merkel wegen ihres Auftrittes anlässlich der Preisverleihung an Herrn Westergaard mit den Worten, sie "gießt Öl ins Feuer" und gebe "wie Sarrazin der Volksverhetzung neue Nahrung".

Abgesehen von der daraus deutlich werdenden unerträglichen Anmaßung, verliert der fromme Mann kein Wort zu den inakzeptablen Übergriffen gegen Westergaard inklusives eines Mordversuchs durch einen fanatisierten Muslim, dem verfassungsrechtlich garantierten Recht Westergaards, seine Meinung auch öffentlich kundzutun und der Pressefreiheit.

Die Lösung des Problems liege "in der Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft", womit er zum Ausdruck bringt, dass der Islam ganz grundsätzlich keine Anerkennung erfahren soll und die Probleme überhaupt nicht - auch nicht teilweise - aus dem Islam selbst kommen, sondern von außen an ihn herangetragen werden, also von allen Anderen ausgelöst werden. Geht´s noch?

Abschließend: Mir geht auf die Nerven, dass man sich diesseits bemüht, jede Verallgemeinerung zu vermeiden, bei Leuten wie oben zitierter Schifferin, an die sich der Zentralverband ja ausdrücklich anstöpselt, ist Verallgemeinerung aber ungestraft Mittel Nummer 1. Fällt nur mir das auf? Und wer betreibt denn nun Spaltung der Gesellschaft?