"Fickfrosch" - wer erinnert sich nicht an die liebevoll-aufmunternde Anregung seines Hauptfeldwebels, diese oder jene Handlung vorzunehmen oder zu unterlassen?

Eben wurde ich sprichwörtlich an die goldene Bundeswehrzeit erinnert, als zwei Frösche bei mir im Teich die unmittelbare Nähe zueinander suchten (und fanden). Wunder Natur!
20.3.2011




Heiner Geißlers Schlichterspruch zu Stuttgart 21 (plus) halte ich für gelungen.

Er hat – was stellenweise in den Hintergrund geraten ist – noch einmal betont, dass es ein demokratisch legitimiertes Baurecht für die Bahn gibt und damit einem gefühligen und moralisierenden Demokratieverständnis eine klare Absage erteilt. Gleichzeitig hat er der Bahn und der Politik die Leviten gelesen und - aus der Froschperspektive beurteilt – gute Vorschläge für eine Ergänzung des Projekts unterbreitet.

Ob das dann noch bezahlbar bleibt, wird man abwarten müssen, die Sache ist aber wahrlich auf dem richtigen Gleis.

Das Verfahren war jedoch auch in anderer Hinsicht ein Glücksfall.

Obwohl ich anfangs skeptisch war, bin ich mittlerweile ein Fan von Live-Übertragungen derartiger Hearings.

Bisher war es ja so, dass alles was man las durch einen journalistischen Filter gejagt wurde und es mehr als einen Vorgang gab, bei dem dieser Filter zu einer ganz und gar verzerrten Darstellung des Geschehenen führte. Das ist auch nicht verwunderlich.

Journalisten sollen ja gerüchteweise auch Menschen sein und wenn man das mal unterstellt, wird binsenweisheitstechnisch auch sonnenklar, dass die Berichterstattung geradezu zwangsläufig von der eigenen Sicht der Dinge beeinflusst wird.

Die Universität Hamburg hat vor einiger Zeit die parteipolitische Neigung und Zugehörigkeit von Journalisten untersucht.

Den Grünen eher zugehörig fühlten sich 34% der Journalisten, der SPD 28%, der CDU 8,9% und die CSU waberte in Prozentbereichen herum, die man sonst nur von den Wahlergebnissen bibeltreuer Christen kennt. Für neutral erachteten sich knapp 20%.

Also her mit Hearings und Live-Übertragungen bei Flughäfenneu- und -ausbauten, Erneuerung des nationalen Überlandleitungsnetzes, Elbphilharmonie, Wasserkraftwerken und und und.

Damit hat dann wirklich jeder die Möglichkeit, sein Bild von der Sache selbst ideologisch einzutrüben und muss das nicht parteigeneigten Profi-schreiberlingen überlassen.

Natürlich ist das mit einem nicht unbeträchtlichen Mehraufwand verbunden, den ich aber betreiben muss, wenn ich ernst genommen werden will und der dann auch bürgerkriegsähnliche Zustände wie in Stuttgart zu verhindern geeignet ist.

Und wir retten by the way auch die repräsentative Demokratie, denn ehrlich gesagt will ich keine Volksabstimmung über die Einführung der Todesstrafe für Kinderschänder.

3.12.2010

 

Intellektuell kommt aus dem Lateinischen und bezieht sich auf das Wort „intellegere“ = verstehen.

Intellekt bedeutet laut Wikipedia demnach „die Fähigkeit, unter Einsatz des Denkens Erkenntnisse und Einsichten zu erlangen“.

Mit Intelligenz kann das zu tun haben, muss es aber nicht.

Zwei Beispiele dafür: Der stinknormale Schalker Fan wie ich wird angesichts eines 0:5-Rückstandes seines Teams zwei Minuten vor Ende des Spiels mittels gedanklicher Höchstleistung zur Erkenntnis gelangen, dass Schalke 04 dieses Spiel voraussichtlich nicht  mehr gewinnen wird. Das ist die intellektuelle Leistung N° 1.  

Die intellektuelle Wuchtbrumme N° 2 lieferte dieser Tage die Grünen-Abgeordnete Mürvet Öztürk.

Das Wort „Integration“ sei seit der Wahrnehmung des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung durch Herr Sarrazin ein „politischer Kampfbegriff“ und ferner ebenso „rassistisch“ und „diskriminierend“ wie das Wort „Migrationshintergrund“. Herr Sarrazin meine in diesem Zusammenhang nur Muslime, womit Frau Öztürk zunächst einmal erfrischend deutlich machte, dass sie dessen Buch gar nicht gelesen hat.

Wie auch immer – das Wort „Integration“ muss nach Frau Öztürk ersetzt werden durch die Worte „Vielfalt“, „gesellschaftliche Teilhabe“, „Pluralität“ oder „Demokratie“.  

Wieso fällt mir dabei immer nur der Begriff „Neusprech“ ein?

Ein Problem dadurch zu „lösen“, dass ich das Ganze zum Tabubereich erkläre und umetikettiere, mag zwar intellektuell wirken, ist aber das Gegenteil von intelligent. Das glatte Gegenteil.

Und selbst wenn man sich auf das schmierige Öztürk´sche Parkett begäbe, eröffnete sich sofort ein Problem: „Vielfalt“, „gesellschaftliche Teilhabe“, „Pluralität“ oder „Demokratie“ sind mitnichten Synonyme für „Integration“, sondern besagen etwas ganz anderes. Wenn ich also schon etwas ersetzen will, dann um Gottes Willen doch durch etwas, das zumindest etwas Ähnliches aussagt.

Eine Gesamtbetrachtung zeigt also deutlich, wie sehr die Begriffe „intellektuell“ und „intelligent“ auseinanderstreben können.

Und wie extrem spießig angebliche Intellektuelle (als solche wird sich Frau Öztürk zweifelsohne sehen) manchmal daherkommen offenbart die Geschichte auch.

Mir ist es lieber, in einer Gesellschaft zu leben, die Thesen wie die von Frau Lötzsch und Herrn Sarrazin offensiv diskutiert anstatt sie zu sprachlichen und geschmacklichen Minenfeldern zu erklären und die Autoren auf welchem Weg auch immer mundtot machen will.

19.1.2011