Dr. Hans Weiss - Korrupte Medizin

Das Buch des österreichischen Medizin-journalisten ist bereits 2008 erschienen, dürfte aber von seiner Dramatik nichts verloren haben.

Man merkt dem Buch an, mit welchem persönlichen, zeitlichen und finanziellen Aufwand Weiss recherchiert hat, das macht das Buch spannend und authentisch, flott geschrieben ist es sowieso.

Beschrieben wird die unanständige Verzahnung von Medizinern und Pharmaindustrie, deren Interessen unstreitig eigentlich völlig gegenläufig sind.

Im Wallraff-Stil beschafft sich Weiss beispielsweise Zusagen von medizinischen Koryphäen, sehr oft sog. "Consultants" von Pharmakonzernen, für Studien, die man eindeutig als unethisch anzusehen hat, da etwa ein Teil der schwer depressionskranken Patienten oder solchen mit Bluthochdruck Placebos, also Pillen ohne jeden Wirkstoff, verabreicht werden, obwohl das natürlich gegen jeden Grundsatz, zu heilen und zu helfen, verstieße.

Pecunia non olet ist das Fazit dabei, wobei ebenso klar gesagt werden muss, dass es auch Spitzenmediziner gab, die so etwas ausdrücklich abgelehnt haben.

Sämtliche Gesprächspartner und Pharmafirmen werden namentlich genannt, der e-mail-Verkehr veröffentlicht, wow.

Die Politik oder Ethikkommissionen bei den Länderärztekammern sind entweder ignorant, uninteressiert oder stecken selbst im Treibsand.

Sehr gut ist auch die Darstellung am Ende des Buches zu den einzelnen Konzernen samt der Verfahren, die gegen sie eingeleitet wurden. Ein Beispiel: Bayer, ein deutsches Flaggschiff, finanzierte in den 90ern große Medikamentenversuche, bei denen durch die Verabreichung von Placebos sowohl durch Bayer als auch durch die Ärzte Schlaganfälle  und Herzinfarkte in Kauf genommen wurden.

Für den, der sich interessiert sehr interessante Lektüre.