Gott sei Dank gibt es Festplattenrecorder.

Aus irgendeinem unbestimmten Bedürfnis heraus habe ich seinerzeit die Beckmann´sche versuchte Hexenverbrennung aufgezeichnet und mir gestern mit der nötigen Distanz noch einmal angetan.

Mein Gott, möchte man rufen.

Der Scheiterhaufen war gerichtet, das Inquisitionsgericht prominent besetzt - zuvörderst Mutter Erdes Maschinengewehr, Renate Künast, dann Olaf Scholz, Ranga Yogeshwar für den Fall, dass es intellektuell anspruchsvoller werden könnte, und natürlich die unvermeidliche Aygül Özkan.

Als steinerner Gast Naika Foroutan, die plötzlich eingeblendet wurde und sekundieren musste, als Sarrazin die Runde mal wieder an die Wand gedrängt hatte.

Nicht zu vergessen Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, der in einem Einspieler mit seinem quer über die kahle Stirn drapierten toten blonden Cocker-Spaniel mit Blick auf Sarrazin das Vierte Reich beschwören durfte und dabei nolens volens offenbarte, dass er das Buch gar nicht gelesen haben konnte und insgesamt intellektuell stark herausgefordert wirkt.

Auf den ebenfalls anwesenden Streetworker, der für die Street-Folklore zuständig war, später eingewechselt wurde und dessen Namen ich vergessen habe, will ich nicht weiter eingehen.

Wie schon beschrieben geiferte Beckmann von Anfang an herum und tat alles, nur eben das nicht, was man von einem Moderator (das Wort kommt aus dem lateinischen "moderare" und bedeutet "mäßigen, lenken, steuern") erwarten muss. Der Mann war Partei und eine bemerkenswert überforderte dazu.

Nachdem alle ihre Statements abgegeben hatten und man sich schon fragte, warum Sarrazin eigentlich eingeladen worden war, sieht man von der geplanten medialen Hinrichtung mal ab, ging man in medias res.

Also zumindest Sarrazin tat das, denn er war erstaunlicherweise der Einzige, der NICHT verallgemeinerte und beispielsweise auf Frau Künasts Vorhalt, warum er Muslime und Christen spalte, nur erwähnte, das Wort Christ komme in seinem Buch nicht ein einziges Mal vor und er spreche ja bewusst nicht von DEN Migranten, einfach weil es DEN Migranten gar nicht gebe.

Frau Künast erlitt dann gleich noch mal kapitalen Schiffbruch, als sie ihm vorwarf, in seiner Zeit als Senator in Berlin hätte Sarrazin doch an der Bildungsschraube drehen können. Sarrazin wies ungerührt darauf hin, dass er FINANZ- und nicht Bildungssenator gewesen sei und in dieser Funktion u. a. dafür gesorgt habe, dass Berlin neben Hamburg am meisten für Bildung ausgebe, ohne dass sich irgendetwas nennenswert ändere, weshalb das Problem andere Gründe haben müsse. 

Auffällig war, wie man sich von dem Aspekt wegschwätzte, dass die Sprachfertigkeit in bestimmten Migrantenkreisen seit Jahren unterdurchschnittlich ist.

Hier kam dann Frau Foroutan ins Spiel, die ebenfalls mit Zahlen jonglierte, von Sarrazin aber anschließend mit dem Hinweis auf einen damals aktuellen Bericht aus 2010 gestoppt wurde, der von den 16 Kultusministern in Auftrag gegeben war und genau das bestätigte, was er immer gesagt hatte.

Darauf hatte niemand eine Antwort, also Auftritt Ranga Yogeshwar, von dem ich auch mehr erwartet hatte  und der schließlich nichts anderes zu sagen wußte, als dass er Sarrazin vorwerfe, nicht zu sagen, wie man bestimmte Probleme abstelle.

Förderung sei doch das Zauberwort, Kinder seien (und hier erwartete ich unwillkürlich Harfenmusik) der Samen, den es zu gießen gelte, um ihn zum Blühen zu bringen.

Abgesehen davon, dass Yogeshwars Statement falsch war - TS erklärt sich natürlich zur Lösung des Problems -, leistete er sich einen für einen Diplomphysiker bemerkenswerten Klops.

Bevor ich über Lösungen nachsinne, muss ich das Problem als solches erkennen und analysieren. Klar ist, dass ich dafür natürlich keine Scheuklappen aufhaben darf und Gedanken zu Ende denken muss ohne vorher festzulegen, wohin sie mich AUF GAR KEINEN FALL führen dürfen.

Das ist auch genau das, was ich der - oh Gott - Elite dieses Landes, dieser Mediokratur vorwerfe - man kann ja zu der Einsicht gelangen, dass TS falsch lag oder liegt.

Die Diskussion aber so zu führen wie das geschehen ist, offenbart eine kriecherische Mittelmäßigkeit, die sich gewaschen hat.

Mittelmäßigkeit auch deshalb, weil ich den Akteuren schon unterstelle, dass sie das Problem durchdringen, dann aber zu feige sind sich hinzustellen und zuzugeben, dass sie a) Jahrzehnte verschlafen haben und b) die Aufarbeitung des Problems anstrengend, unangenehm und streitstiftend sein dürfte, man aber die Größe haben muss, sich dem zu stellen.

Und weil niemand fragte, "wie haben Sie das eigentlich gemeint, Herr Sarrazin?", sondern sich gleich zur Beerdigung umzog, weiß ich, dass ich mit meiner Meinung recht habe. Hier ging es nicht ums Thema, hier gings um die Verhinderung einer Enttarnung.

Zurück zur Sendung: Als Yogeshwar verbal den Samen zu begießen begann, war für mich dann Schluss, denn Frau Künast bestand nur noch aus rauchenden Trümmern, Herr Scholz hatte unwidersprochen von TS gesagt bekommen, er halte den Mund, weil er genau wisse, dass sein Zitat aus oben erwähntem Kultusministerbericht richtig sei und Frau Özkan  hatte ohnehin nur ihre eigene mustergültige Integration und den Umstand zu bieten, dass ihr Vater Schneider sei.

Die Hinrichtung fiel aus, weil die Inquisitoren das Feuerzeug nicht anbekamen. Herrlich.