Am 6. Mai wählen unsere französischen Freunde ihren Präsidenten.

Beten wir, dass es wieder der Bonaparte für Arme wird, denn was Francois Hollande gestern als Wahlprogramm vom Stapel gelassen hat, widerspricht allen Stabilitätsmaßnahmen von Madame Merkel und feuert auch die angeblich begrabene Feindschaft zwischen beiden Ländern an.

Sarkozy wird mit Daladier 1938 verglichen, Merkel mit dem Bismarck von 1871. Dicker und unverschämter geht´s nimmer, steht aber in der idiotischen Tradition der französischen Sozialisten, auf die Äußerungen des Herrn Attali bin ich ja schon eingegangen.

Der Vorsitzende der deutsch-französischen Parlamentariergruppe, der CDU-Bundestagsabge- ordnete Andreas Schockenhoff, hat dem Deutschlandfunk heute ein Interview gegeben, in dem er das Programm in ungewohnt deutlichen Worten kritisiert.

Das Programm verrät, dass es wieder soziale Wohltaten, einen Ausbau des öffentlichen Dienstes, also den Griff in die Mottenkiste und damit weitere teure Ausgaben eines Staates geben wird, der auf diesem Kurs direkt in den Verlust des Triple-A gestolpert ist. Die Schäfchen bloß nicht mit dem Pesthauch der Realität behelligen, Geld kommt aus der Presse und Demografie ist nur was für Loser, mäh.

Das bestätigt auch der Hinweis darauf, dass Hollande die Ausgabe von Eurobonds unterstützen wird, von denen Frau Merkel zu recht sagt, sie könnten allenfalls am Ende, nie aber am Anfang der Konsolidierung stehen (weil die sonst natürlich ausbliebe, was sie aber nicht laut sagt).

Gekippt bzw. einer Überprüfung unterzogen werden sollen die Verträge mit Deutschland, inklusive des Élysée-Vertrages. Das kann ja heiter werden.

Selten hat sich ein "befreundeter" Politiker vorab derart deutlich von Deutschland abgesetzt. Es wird klar, dass die Phalanx Deutschland/Frankreich im Falle eines Wahlsieges Hollandes aufgebrochen ist und für einen weiteren transeuropäischen Konsolidierungskurs ausfällt.

Ich kann noch nicht beurteilen, ob ich mich darüber freuen soll, denn das würde wohl die Reise nach Jerusalem im Zusammenhang mit der Euro-Zeche beschleunigen, gar beenden, ganz abgesehen davon, dass ich mir gar nicht vorzustellen mag, was das ganz allgemein für das französische Rating und damit die Kreditwürdigkeit des Landes bedeuten wird. Und das alles nur für ein muckeliges linkes maison de coucou aux nuages. Mon Dieu.

27.1.2012

Nachtrag 7.2.2012: Es geht schon los, man wird nervös. Merkel steht kurz davor, ihren Nicolas doch noch zu ehelichen und wanzt sich bereits in französischen Fernsehsendungen an ihn ran, damit er ja die Wahl gewinnt und die SPD hat ihre heiße Liebe zu Sauce Hollandaise entdeckt.

Jürgen Trittin findet die Einmischung der Kanzlerin in den französischen Wahlkampf irgendwie Scheiße, kommt aber natürlich angesichts der Avancen von Frau Krafft via französischer Sozialisten sicher ins Grübeln, ganz abgesehen davon, dass er nicht erklären kann, weshalb man einerseits immer "Europa" tröten kann, um bei nächster Gelegenheit transnationale Allianzen zu geißeln.

Wie auch immer, Super-GAU wäre natürlich ein Wahlsieg Hollandes und zwar auch wegen der vom Boulevard so geschätzten Wortklemptnereien.

"Merkozy" hatte ja noch was, aber was machen wir mit dem "Horkel"? Das klingt genau so, wie das dann nachher auch laufen wird - nämlich gar nicht.

Nachtrag 13.2.2012: Wer gut schmiert, der gut fährt. O-Ton Hollande im Wahlkampf zur angeblichen "Unterwerfung "Frankreichs gegenüber Deutschland:

"...Jede Nation hat eine Seele. Ich war Bürgermeister von Tulle, einer kleinen Stadt, gerade mal 17.000 Einwohner, aber einer großen Stadt dank ihrer Geschichte. Tulle war eine Stadt der Résistance. Sie hat ein Martyrium erlitten: 99 Gehängte, 200 Deportierte am 9. Juni 1944, von der Nazi-Barbarei dahingerafft. Ich habe ihre Namen in meinem Kopf. Sie sind meine Helden. Ich werde sie niemals vergessen. Sie haben unsere Ehre gerettet, weil sie zuallererst an die Werte Frankreichs glaubten. Es ist ihr Kampf, der mich heute erhellt...".

Ich finde, cher Monsieur Hollande, hell oder erhellend ist an Ihren Ausführungen nichts. Sie verdunkeln eher das Gedenken an die Toten der Nazi-Barbarei, wenn Sie sie für Ihren Wahlkampf mißbrauchen und Ressentiments bedienen.

Nachtrag 15.2.2012: Selbst Peer Steinbrück distanziert sich jetzt von Hollande und meint, es handele sich gerade auch bei der Forderung nach einem Aufschnüren des Fiskalpakts um ein Wahlkampfmanöver (pfeift da jemand im Walde?).

Nachtrag 4.5.2012: Die "Welt" machte gestern auf mit der Überschrift "Hollande steuert einen Anti-Deutschland-Kurs".

Nicht wirklich überraschend seit dem Tag, an dem dieser Mann, der es nach aktuellen Umfragen am Sonntag in den Elysée-Palast schaffen wird, im Wahlkampf zum ersten Mal die Klappe aufmachte (s.o.).

Und um mal einen Sozialisten - Laurent Fabius - zu zitieren: " Hollande Präsident? Sie belieben zu scherzen".

 





Zum Piepen! Anton Börner, Präsident des deutschen Außenhandelsverbandes und Wahlrömer, über den ganz und gar politisch inkorrekten und damit offensichtlich richtigen Umgang mit unseren charmanten italienischen Freunden und Kupferstechern.

PS: Bei einem prognostizierten Haushaltsdefizit von 39.000.000.000,00 Euro für 2012 beläuft sich der Finanzierungsbedarf für Italien (nur) in 2012 auf gesamt 381.000.000.000,00 Euro.

30.1.2012




"Europa ist in der Gefahr, sich selbst zu verraten. Die jetzige Situation zeigt, dass wir vor unseren eigenen Werten versagen und vielleicht auch zu wenig unsere langfristigen Interessen sehen ... Die Euro-Gruppe und das ganze europäische Projekt stehen wegen gravierender politischer Versäumnisse in der Vergangenheit vor einer nie dagewesenen Zerreißprobe, und die deutsche Politik hat zum Beispiel wegen der zeitweise Aufweichung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes eine Mitverantwortung für die Entwicklung"

Horst Köhler am 9.6.2011 in der "Zeit".

 

 

Nur noch ausgemachte Rindviecher werden noch glauben, dass Griechenland auf Dauer dem Euroraum angehören wird.

Die notwendigen Sparmaßnahmen, die nicht gewollt  sind und offensichtlich nur sehr marginal umgesetzt werden, verbittern dort den Mann auf der Straße. Der hat offensichtlich vergessen, dass er jahrelang keine oder kaum Steuern bezahlt hat und trotzdem meinte Anspruch auf ein funktionierendes Gemeinwesen zu haben.

Bemüht werden nun die Verheerungen des Zweiten Weltkrieges, um eine zweite deutsche Besetzung herbeizufaseln. Wenn halt immer nur dramatisch von Eleftheria i thanatos die Rede ist und man über das große Ganze den Hausputz vergißt, dann bleibt halt manchmal nur der wirtschaftliche (und temporäre) thanatos.

Das weiß der Mann hier aus eigener Erfahrung und dürfte auch dort nachvollziehbar sein. Alles in allem aber wieder ein wundervolles Beispiel dafür, welchen Frieden und Wohlstand der Euro im Europa der Vaterländer doch gestiftet hat. Auf die Geifereien aus gewissen französischen Kreisen habe ich ja schon hingewiesen.

In der Situation der Griechen wahrscheinlich noch menschlich verständlich, zeigt es aber doch, dass Einsicht in eigene Fehler und zwingende Notwendig-keiten ein karges Gut in Hellas ist und das lässt nicht hoffen, dass man die Ärmel hochkrempelt, es sind ja wie immer alle Anderen schuld.

Einsicht auch nicht auf Seiten der Banker, die wie man liest, den Verlust im Falle einer Staatspleite versichert haben über die CDS, also warum sollen sie sich bewegen?

Es geht aber ja auch woanders weiter wie seit langem prognostiziert. Fitch hat jetzt fünf Länder herabgestuft und zwar  Italien, Spanien, Belgien, Zypern und Slowenien. Bella Italia fiel gleich zwei Stufen runter von A+ auf A-, die Slowenen von AA- auf A. Für Belgien ging es eine Stufe auf A herunter, für Zypern auf BBB-, der Blick in den Ramsch-Abgrund ist konkret geworden.

Die Zahlungsunfähigkeit Portugals rückt nun auch näher. Die Anleihen liegen unter BBB-, also auf Ramschniveau. Die Zinsen für portugiesische Staatsanleihen klettern auf Rekordniveau, dito die Prämien für CDS. Gemessen am BIP ist die Verschuldung von ursprünglich 50% auf deutlich über 100% gestiegen und das nur in der Zeit seit dem Beítritt. Das volkswirtschaftliche Wachstum seither liegt bei 9% und beträgt damit nicht einmal 30% des Wachstums des direkten Nachbarn Spanien, der ja selbst wankt.

Es ist bitter, wie das Land oder besser seine Bevölkerung die Herauslösung aus der Randlage und einer mehr als schwierigen Geschichte nun bezahlen muss.

30.1.2012

Ach übrigens: „...Es ist merkwürdig zu sehen, wie die Germanen sich in diesem Chaos der griechischen Angelegenheiten an das Werk machen, einen ordentlichen Staat zu schaffen. Nun entsteht die Frage: Ob es ihrer phlegmatischen Ordnung, ihren langsamen Befehlen und immer verspäteten Maßregeln gelingen wird, ... Griechenland einem Systeme zu unterwerfen, dieses Griechenland, dessen einziges System bis jetzt allein der Revolutionsgeist war?", sagte der russische Admiral Rikord.

1832.

Als Otto One versuchte, Griechenland wieder auf die Beine zu helfen. Den haben sie dann auch verjagt.




Jetzt heißt das Baby also Fiskalpakt. Dadurch werden dann die Old Schwurhands, die die weiland unumstößlich vereinbarte Stabilitätsunion zu Tode vergewaltigt und uns erzählt haben, die Rettung des Euro koste gar nichts, denn Garantien und Bürgschaften seien ja gar kein richtiges Geld und keine richtigen Schulden, zu ehrlichen und charakterfesten Paneuropäern, denen nichts außer dem Gedeihen der Gemeinschaft am pochenden Herzen liegt.

Wir Deutsche haben schließlich auch was davon, nämlich eine Verdoppelung des ESM auf 1.000.000.000.000,00 Euro, also bitte nicht meckern, ist doch klasse, umsonst ist der Tod.  Und klaro glauben wir ihnen, dass das genauso verbindlich sein wird wie die no-bail-out-Klausel in den verwesten Euro-Verträgen.

1.2.2012

 

 

A-H-A - the cat is out of the bag oder so. Neelie Kroes meinte gerade, ja äh es könnte, müsste, dürfte dann halt doch ohne Griechenland gehen in Europa. Und das nach der Wiedergeburt eines großen Wortes Anfang des letzten Jahrhunderts - die Lichter gehen aus in Europa..., was wurde da nicht alles beschworen?

Wir brauchen die Bazooka, sind die Griechen pleite, scheitert der Euro und der ist wie wir alle wissen mittlerweile zum Synonym für Europa mutiert. Ja ja.

Jetzt also doch und jeder der da Augen hat zu sehen und Ohren zu hören wusste es.

Letzte Zuckungen nun der vielzitierte Marshallos-Plan. Nur - den hat Hellas schon lange hinter sich, denn ich will gar nicht wissen, wie viele Milliönchen die Griechen für Strukturmaßnahmen aus allen möglichen EU-Töpfen in den letzten Jahrzehnten erhalten haben und was hat es gebracht? Eben.

7.2.2012