Heute soll mein neuer "Sarrazin" zugestellt werden, pünktlich zum bundesweiten Erscheinungsdatum.

"Europa braucht den Euro nicht" heißt die Schwarte und ich bin gespannt. Da es sich aber um "einen Sarrazin" von "dem Sarrazin" handelt, konnte das Ganze keinesfalls geräuschlos ablaufen. Auch nicht zu einem Zeitpunkt, zu dem das Buch noch gar nicht öffentlich gemacht war, der Name Sarrazin reicht.

Also habe ich die Gänsefüßchen von der Seite Thilostan entfernt und führe sie nun so weiter, denn das, was hierzulande abläuft, lässt die Pawlow´schen Köter als reine Freigeister erscheinen, wie die FTD zutreffend feststellte. "Sarrazin" ist zu einem eigenen Gebilde, zu einer eigenen Körperschaft geworden und hat zumindest hier demnach keine Gänsefüßchen mehr nötig.

Den Auftakt machte die BILD-Zeitung, die irgendwas mit Holocaust, Euro und Sarrazin zusammenschrieb, das mich dann aber doch nicht interessierte.

Dann vorgestern am Sonntagabend Jauch. Im Nachhinein tut es mir leid, dass ich das Stündchen nicht noch drangehängt habe. Gezeigt wurden vor der Sendung offensichtlich auch die bekannten linken Freigeister, die Transparente mit Formulierungen wie beispielsweise "Halt´s Maul - oder wir schlagen zurück" hochhielten und gar nicht merkten, wie sehr das den SA-Posten vor jüdischen Geschäften in anderer Zeit ähnelte.

Jauch gab laut Focus-Bericht unmittelbar nach der Sendung den Beckmann, in dem er zwar als Moderator angekündigt wurde, dann aber als Partei agierte, gemeinsam mit Peer Steinbrück.

Aufreger für Jauch eine Formulierung, die ich mir anschauen muss und in der es heißen soll, dass die Deutschen wegen Kriegsschuld und Holocaust u.a. ihr Geld in europäische Hände geben wollen, also die bekannte Broder´sche Arschkarte, die Sarrazin gezogen haben soll. Hier hakte Jauch mehrfach nach, ohne den Ballon, den man vorher der Einschaltquote wegen aufgeblasen hatte, zum Platzen zu bringen, denn selbst Steinbrück war der Meinung "dass der Euro historisch selbstverständlich eine Antwort auf 1945 sei" (Focus). Der geplante Krieg fiel also aus wegen Bodennebel.

Jauch zitierte zuvor u. a. Renate Künast, die von "nationalistischen Unsinn" gesprochen hatte, der nicht zum "Bildungsauftrag" der ARD passe, Nachtigall, ick hör´ dir trapsen.

Exkurs: Ihr Kollege Trittin übrigens sprach ebenso geistreich von "antieuropäische Rechtspopulismen", "D-Mark-Chauvinismus" und davon, "Sarrazin rutscht immer weiter nach rechts ins Abseits. Es ist erbärmlich, daß er den Holocaust heranzieht, um seinen Thesen zu Eurobonds größtmögliche Aufmerksamkeit zu sichern“.

Von dort also wie üblich gähn und business as usual, langweilig, spießig, volxerziehend-oberlehrerhaft, grün eben. 

Auch SPD-Mann Reinhold Robbe meinte gar sagen zu müssen: " Das ist so schwachsinnig, dass man darüber gar nicht diskutieren sollte. Mit Sarrazin sollte sich niemand mehr in eine Talkshow setzen.".

Als ich das hörte, fielen mir die zahlreichen Talkshows ein, in denen Sarrazin für sein "Deutschland schafft sich ab" geschlachtet werden sollte und alle Beteiligten ohne Messer zur Schlachtung gekommen waren, von Grips wollen wir gar nicht mal reden. Ich hab´ es ja ausführlich dargestellt, zum Piepen. Reinhold Robbe hatte ich dabei übrigens nirgends gesehen, aber jetzt wissen wir ja warum. So oder so scheint sich die Chose zu wiederholen, dicke Hose, viel heiße Luft, Beleidigungen, Argumente Fehlanzeige.

Wolfgang Schäuble sagte zum Buch übrigens, " Entweder redet und schreibt Sarrazin aus Überzeugung einen himmelschreienden Blödsinn oder er macht es mit einem verachtenswerten Kalkül “, wobei ich nicht weiß, ob er das Buch bereits gelesen hatte.

Fakt ist, eine Begründung für die Behauptung "himmel-schreiender Blödsinn" fehlt auch in diesem Statement, das ohnehin auf der Regierungslinie liegt, irgendwelche Kurzzusammenfassungen zu lesen und dann "nicht hilfreich" zu trompeten. Also vernachlässigbar, so respektheischend (aber auch extremst europhil, vorsichtig ausgedrückt)  der Mann auch erscheinen mag.

Oder ging es ihm nur um die Beruhigung der Finanzmärkte? Wenn ja, wird dann der Gedanke eines gemeinsamen Europas zum Gedanken an die Beruhigung der Finanzmärkte? Ist das dann das, was uns mit der verbindenden und friedensstiftenden Funktion des Euro versprochen wurde?

Aber zurück zum TV-Primus: Mehr Aufregung als diese müde Kausalkette hatte Jauch demnach nicht zu bieten, er meinte abschließend wohl, er gratuliere jedem, der sich durch das Buch gekämpft habe, gemeint war offensichtlich die Summe der Fakten und Annahmen, die Sarrazin zusammengetragen hat.

Olaf Gersemann erinnerte in seinem Artikel in Anspielung an den Jauch´schen Aufreger (allmählich glaube ich, dass dieser Mann zwar schlagfertig, aber alles andere als ein Intellektueller ist) daran, dass auch Helmut Schmidt 2011 gemahnt habe, man dürfe "nicht vergessen: Es war der Argwohn gegenüber einer zukünftigen Entwicklung Deutschlands, der 1950 den Beginn der europäischen Integration begründet hat". Tja, und nu? Transparente gegen Helmut Schmidt?

Gersemann fordert völlig zu recht zu Zurückhaltung auf und erinnert daran, dass die Aufgabe nationaler Zuständigkeiten nun einmal zwangsläufig Folge der Einbettung in ein europäisches Gesamtgebilde gewesen sei und das seit den ersten Bestrebungen nach einem Zusammenwachsen der europäischen Staaten. Über das Ob würde man gar nicht streiten, es ginge nur um das Wie und da hätten die deutschen Steuerzahler Anspruch darauf, Sarrazins Thesen kennen-zulernen. Mehr gibt´s dazu nicht zu sagen, der Mann hat natürlich recht, aber Meinungsfreiheit ist in Deutschland mittlerweile eine lückenlos belagerte Festung, deren Verteidigung gewissen Kreisen obskur erscheint.

Gersemann verweist auch auf die reichlich geistesarme Einlassung des FDP-Generals Döhring, Sarrazins Einlassung sei "unzulässig", das habe "im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts zu suchen", womit vorstehende Auffassung hinreichend deutlich belegt wäre.

Gersemann schließt mit der zutreffenden Feststellung:

"Unzulässig" ist hier gar nichts – außer, die Debatte als "unzulässig" zu bezeichnen.

Der absolute Knaller aber eine komische Existenz namens Mely Kyiak, eine mir bis daro nicht bekannte Kolumnistin der FR, die auch in der "Berliner Zeitung" einen mittlerweile gelöschten Artikel (ich hätte ihn gerne hier verlinkt!) unter dem Titel "Liebe Wissensgesellschaft" veröffentlichte, der vor Arroganz und Larmoyanz, warum nur können bei Gott nicht alle so klug, gebildet und kultiviert sein wie Frau Kyiak, nur so triefte und in dem Sarrazin tatsächlich als "lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“ bezeichnet wurde, was insofern beachtlich ist, als gleichzeitig behauptet wurde, Sarrazin spreche (nur) "das niedrigste im Menschen" an, weshalb Jauch mit der Einladung Fernsehgebühren verplempere.

Ich meine, niedriger als das, was diese Frau geschrieben hat, geht es nicht mehr.

Reaktion zunächst: Die unglaubliche Entgleisung zur körperlichen Behinderung von Thilo Sarrazin verschwand heimlich aus dem bis dort nach wie vor im Netz veröffentlichten Artikel, kurz darauf der ganze Artikel, was viel sagt über die Größe und Qualität der Eier, die in gewissen Berliner und Frankfurter Redakteurshosen  schaukeln.

Kaum erwähnenswert, dass es bisher eine Entschuldigung nicht gegeben hat. Nein, im Gegenteil, keine Spur von schlechtem Gewissen, man kartet nach, wie dieser Artikel einer adeligen Herrschaft namens Robert von Heusinger in der "Berliner Zeitung" von heute zeigt: "Sarrazin-Buch - Keinen Eurocent für dieses Buch!".

Man kennt das ja von den Genossen, Ukas´ vom Politbüro sind Pflicht, nicht vergessen.

Tut mir leid, Genosse von Heusinger, das Buch wurde eben zugestellt und ziemlich mau ist, dass Ihre angeblich kritische Überprüfung des Buchs erkennbar dessen Vorwort kaum überschritten hat, aber das wird schon, feste dranbleiben.

Und auch wenn es weh tut - ich les´ das Buch lieber selbst, aber trotzdem danke für den Tipp.

Nachtrag: Obiges habe ich auch auf Facebook gepostet und mein Bruder scheint ebenso angepisst zu sein wie ich.

Er schrieb Folgendes:

"Absolut auffällig war, dass die meisten der an Schwachsinn, Einfalt und Dummfug nicht zu überbietenden Statements vorzugsweise linker Politiker schon fielen, als die Veröffentlichung des Buches erst angekündigt wurde, es also noch keiner gelesen haben konnte.

Auch Schäuble sprach zu einem Zeitpunkt von "Blödsinn", als ihm das Buch und seine Thesen noch nicht bekannt sein konnte. Schäuble erzählte also Blödsinn.

Frau Kyiaks "Kommentar" (der Begriff "Brechdurchfall einer Viertelsgebildeten" wäre passender) wurde ja schon gestrichen - sicher nicht nur wegen seiner absolut menschenverachtenden Entgleisung, sondern angesichts seiner völligen und nur sehr schwer erträglichen Geistes - und Inhaltsleere, die einem seltsam bekannt vorkommen, schaut man sich manchen Artikel im "Stürmer" an.

Bei Sarrazin ist es mittlerweile so: Er sagt etwas und sofort bricht allgemeines Wolfsgeheul los. Und alle Wölfe heulen erst mal mit, ohne zu wissen, warum eigentlich. Jeder stimmt ein. Man tut es, weil es alle tun. Man MUSS einfach mitmachen, es reisst einen mit. Es vermittelt ein so wohliges Gemeinschaftsgefühl. Dass dieser Herdentrieb einen gleichzeitig und sofort zum Oberdorftrottel abstempelt, wird ausgeblendet. Wenn alle heulen, merkt's ja keiner. Oooooooooooooooouuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuoooooooooh"

Das konnte nicht unkommentiert bleiben, also erwiderte ich:

"Drastisch und treffend wie immer. Das absolut Trübsinnige dabei ist ja, dass wir Schafe das Schicksal dieses Landes Leuten überlassen, die uns einmal sagen, Loitz, wir wissen auch nicht wie´s geht (sieht man ja, haha), wir setzen aber mal (à la no risk no fun?) auf das Pferd mit dem Namen "Weiter so", um dann andererseits ohne jede Ahnung vom Inhalt eines solchen Buchs sofort zu krakeelen, das was da - offensichtlich kritisch - geschrieben werde, könne ja gar nicht stimmen, sei "Unsinn" und dergleichen Verbaldiarrhöe mehr.

Um eine Krise zu lösen, sollte man meines Erachtens ihren Ursprung kennen, und damit scheint sich TS´ Buch zumindest auch zu befassen, aber egal, was aus dieser Ecke kommt, ist von vornherein falsch.

Sich selbst so zu limitieren lässt mich schaudern, denn das bedeutet, dass das personifizierte Mittelmaß (maximal!) mit dem Schicksal unseres Landes jongliert, ohne alternative Wege auch nur zur Kenntnis zu nehmen und das aus Gründen, die auch noch mit einem Grundrecht kollidieren.

Und gespenstisch dumme, bornierte Medienfuzzis wie dieses FR-Fräulein pusten mit Formulierungen aus dunkelster NS-Vergangenheit Öl ins Feuer. Furchtbar, wirklich furchtbar, wäre es nicht so erschreckend, man müsste und könnte sich totlachen, eine reine Realsatire.

Warum also?

Gäbe es "Deutschland schafft sich ab" nicht, würde ich meinen, hier ruft der Dieb "Haltet den Dieb", um davon abzulenken, dass just die Parteien uns die Suppe eingebrockt haben, die nun um so vehementer auf den deutschen Steuerochsen einprügeln, für "Europa" (dort ein Synonym für den Euro, was für ein selten dämlicher Quatsch, reine Volksverdummung) noch ein bisschen kräftiger zu ziehen, wobei die ach so soziale Gabriel-SPD einen besonders großen Ochsenziemer geflochten hat, gleichzeitig aber keine Möglichkeit sieht, den deutschen Mittelstand von der kalten Progression zu befreien.

Und bekanntlich schreit man dann besonders laut, wenn man von eigenem Fehlverhalten ablenken will, wobei hier auch noch erschwerend hinzu kommt, dass diese Leute a) ihr eigenes Volk erkennbar für reichlich dämlich halten (was es ebenso erkennbar nicht ist, denn dort hat man in dieser Sache durchaus ein feines Gespür für Ursache und Wirkung) und b) schlichtweg ignorieren, dass etwa die Hälfte der hiesigen Bevölkerung dem Euro mit guten Gründen sehr kritisch gegenüber steht.

Da es "Deutschland schafft sich ab" aber nun einmal gibt und die Reaktionen hie wie da praktisch identisch sind, bleibt zumindest bei mir der Eindruck, hier hat sich eine innerparteilich aufgestiegene Kaste in jeder Hinsicht wohlig eingerichtet, gibt vor, was zu denken und zu sagen ist und möchte bittschön nicht mit Unbotmäßigem behelligt werden.

Ich möchte nicht unken, aber für mich sind das klare Hinweise auf extreme Verkrustungen im Staatsgebilde und damit bereits Ausdruck von Degeneration und Dekadenz, "Deutschland schafft sich ab" oder besser die Reaktionen darauf waren also kein Ausrutscher.

Ich habe mich seit jeder gewundert, dass man politikseits nichts bis wenig erklärt, also hält man das offensichtlich nicht für erforderlich.

Als weiterer Hinweis mag die Rabentraulichkeit mit der Großindustrie dienen, weshalb ich die beim Begriff "Kaste" mit einbeziehe, wobei wohlgemerkt Rot-Grün den Drehtüreffekt in Folge bester Kumpanei überhaupt erst gesellschaftsfähig gemacht hat, man kennt ja Josef Fischers Chuzpe und erst recht die von Gerhard Schröder.

Opposition im klassischen Sinne fällt aus, dazu profitieren zu viele Leute vom System, weshalb bislang auch keine ernstzunehmende neue Partei am Horizont auftaucht, von den Free-Download-Freibeutern rede ich nicht.

TV-Intendanten schreibe ich komplett ab, die haben Hirn und Rückgrat in der jeweiligen Parteizentrale abgegeben.

Oppositionsfunktion könnte also maximal die Presse haben, macht aber zu wenig daraus, wohl weil auch dort zu viele von der Nähe zur Macht profitieren. Allerdings halte ich da dem kleinen Rest der der sozialen Marktwirtschaft und der klassisch konservativen Maxime, ein jeder nach seiner Facon, verschriebenen Herausgebern und Chefredakteuren einiges zu Gute, sie dringen leider nur zu selten durch. Kein Wunder bei dem Kartell, Deutschland = Bananenrepublik?

Übrigens, was beruhigend ist: Bestenfalls Pillendreherkäfer-Status haben dabei Leute wie dieses FR-Fräulein Kyiak. Pillendreherkäfer? Pillendreherkäfer rollen den Kot großer Tiere wie dem Breitmaulnashorn in ihr Erdloch, wo sie ihn weiterverwerten."