Greg Smith – Die Unersättlichen

Enttäuschend. Jedenfalls wenn man sich an den blumigen Ankündigungen orientiert, hier würde gierigen Bankstern der Marsch geblasen. Etwa 90% des Buches handelt nicht von Goldman Sachs und seinen "Unersättlichen", sondern von Greg Smith, seiner Herkunft, seiner Ausbildung und seinem nicht unbeachtlichen Aufstieg.

Man kann nicht behaupten, dass das langweilig wäre oder schlecht geschrieben, beileibe nicht, es ist nur so, dass zwar viel geschildert, aber praktisch nichts analysiert wird. Goldman Sachs wird wohl zu Recht als ursprünglich absolut seriöses Bankhaus beschrieben, dessen Führungskräfte wie Weinberg, Levy und Whitehead inklusive unterer Chargen sich entsprechend der Firmenphilosophie, u.a. niedergelegt in den 14 Geschäftssprinzipien ("Business Principles"), dem Wohl des Kunden verschrieben hatten und so für den jungen Greg auch als Leuchtturm fungierten. Nachvollziehbar.

Nun ist aber im Zuge der Subprimekrise irgend etwas passiert, von dem man nichts Näheres erfährt. Es ist in etwa so wie im Film "Invasion der Körperfresser".

Wie eine Infektion breitete sich eine neue, den Kunden als auszupressendes Sparschwein begreifende Philosophie aus, genetisch oder gesellschaftlich entsprechend konditioniertes Personal steigt in Führungspositionen auf, lebt den Boni-Wahn aus und motiviert die bereits genannten unteren Chargen zu gleichem oder ähnlichem Verhalten. Bumm.

Das ganze Bankhaus wird zum Hedgefonds ohne Rücksicht und Skrupel und man fragt sich, wie das so plötzlich kommen konnte, etwa wenn GS Top-Kunden nicht mehr wegen der Größe ihres Portfolios, sondern wegen der Summe der mit ihnen generierten Gebühren als solche bezeichnet.

Die Frage beantwortet Smith nicht, er beschreibt die Entwicklung ohne sie als Insider zu analysieren und auf Gier als Motiv bin ich vorher schon selbst gekommen. Nach Lektüre eines ambitionierten Artikels im Wirtschaftsteil der FAS weiß man auch nicht weniger.

Die wenigen wirklich guten und auch für den Laien verständlichen Erklärungen wie etwa die zum Charakter von Derivaten - Kunde kauft Dose Thunfisch, findet darin Hundefutter und liest anschließend im Kleingedruckten "Enthält vielleicht keinen Thunfisch. Enthält vielleicht Hundefutter" - retten das Buch nicht.

Wie gesagt - interessanter und gut lesbarer Schmöker, mehr nicht, wer Aufklärung und Analyse erwartet wird m. E. enttäuscht.