Rodney Stark - Gottes Krieger

Stark, der viele Jahre als Religionssoziologe an der Uni Washington lehrte und dessen Studie über den Aufstieg des Christentums für den Pulitzer-Preis nominiert war, befasst sich in diesem leicht verständlich geschriebenen  Buch mit der Revision des Blicks auf die Kreuzzüge. Da er nicht ausschließlich Negatives auf Seiten der Kreuzfahrer zu Tage bringt, hagelte es auch umgehend im wesentlichen persönlich gefärbte Kritik.

Da mich so etwas nur noch mehr anspornt, habe ich mir das Buch beschafft und es nicht bereut. Geschadet hat bei der Lektüre sicher nicht, dass ich mich schon geraume Zeit mit Mohammed, seiner Zeit und der Geschichte des Islam befasst habe. Ich habe mich selbst schon immer gefragt, wie es sein kann, dass innerhalb geschichtlich gesehen kürzester Zeit ein ungebildeter Mob aus dem Hedschas, dessen einzige kulturelle Errungenschaft darin bestand, Karawanen und Nachbarstämme zu überfallen, eine echte Hochkultur geschaffen hat. Erklärt wurde das bisher auch nicht wirklich, man stellte fest und das war es.

Stark, der kein Geheimnis daraus macht, dass er kein Historiker ist, erklärt das mit der Kaperung der jeweiligen Kultur der Länder, die man eroberte. Auffällig ist, dass sich hinter vielen Gelehrten mit islamischen Namen Personen steckten, die keineswegs im Islam aufgewachsen sind. Es finden sich unter den herausragendsten islamischen Denkern und Gelehrten extrem viele Griechen, aber auch - konvertierte - nestorianische Christen, so dass es nachvollziehbar wird, warum etwa Harun al-Raschid mit Karl dem Großen korrespondierte.

Das Buch enthält sehr viele Zitatstellen, das Literaturverzeichnis füllt Seiten. Auch wenn das Ganze schon wegen des limitierten Umfangs - 344 Seiten - angesichts des Themas zwangsläufig an der Oberfläche bleibt, bietet es einen guten Überblick über die damaligen Geschehnisse. Stark schildert auch die Vorgeschichte der Kreuzzüge, deren Motivation und die persönlichen Folgen für alle Beteiligten, wodurch sich das allgemeingültige Bild vom mordlustigen und beutegierigen Mob, der über die "edlen Wilden" in Palästina hergefallen ist, doch relativ stark abschwächt. Er macht aus den Beteiligten keine Heiligen, sondern versteht ihre Vorgehensweise im Kontext der damaligen Zeit, allerdings kritisiert er mit guten Argumenten wie ich finde die einseitige Sichtweise auf die damaligen Geschehnisse, ohne die herrschende Meinung zu unterschlagen oder den Geruch eines Verschwörungstheoretikers zu verbreiten.

Ich mag das Buch, das gegen Ende hin allerdings etwas kurzatmig wirkt, als habe Stark zum Ende kommen wollen.

Fazit: Für Geschichtsinteressierte, die einen raschen und unkonventionellen Blick auf die Kreuzzüge werfen wollen, sicher ein lohnendes must have.