Januar 2014 - Stefan Kaufmann, CDU-Bundestags-abgeordneter

Herr Abgeordneter Kaufmann hat dem Deutschlandfunk in seinem Interview unter der Überschrift "Homophobie" am 31.01.2014 Einblick in sein ganz privates Weltbild gegeben und das hat bewiesen, aus welchem intellektuellen Weichholz man geschnitzt sein darf, um gleichwohl die Geschicke des deutschen Volkes von Berlin aus zu lenken.

Kaufmann ist selbst schwul und wurde u.a. auch zu der nicht nur in Baden-Württemberg laufenden Debatte um den neuen Bildungsplan befragt. 

Die auch ohne dogmatischen Ballast drollige Frage lautete – Achtung Steilvorlagenalarm à la Friedbert Meurer ! -, ob es „kontraproduktiv“ sei, wenn an der Schule schwule oder lesbische Paare ebenso gezeigt werden „wie ganz normale Ehepaare“auch. "Ganz normale Ehepaare"!

Antwort Kaufmann, der übrigens aus Baden-Württemberg kommt:

Es ist eben nicht kontraproduktiv. Es ist wichtig, weil wir haben viele Kinder natürlich mit Migrationshintergrund, wo das Thema sexuelle Identität zuhause gar keine Rolle spielt, und wenn wir über Toleranzerziehung sprechen, dann ist es wichtig, gerade auch im Bereich der sexuellen Identität aufzuklären. Deshalb ist es meines Erachtens sehr wichtig,dass wir auch solche Beispiele zeigen, und dann ist es gerade notwendig, dann auch zu sagen, dass es eine angeborene Erscheinung ist und dass es nichts ist, was man heilen kann. Das ist ja auch eine Sorge, sage ich mal, derer, die jetzt gegen diese Behandlung in der Schule sind, die uns den Eindruck vermitteln, als könne man schwul werden durch sprechen darüber, durch Aufklärung, und das ist der Punkt, den ich in der Diskussion sehr wichtig finde, dass klar ist, Homosexualität ist angeboren und kann nicht therapiert werden, aber man kann es auch nicht werden, dadurch, dass man darüber spricht“.

Oha. 

Herr Kaufmann, ich kann Sie echt beruhigen. Ich habe die Petition auch unterzeichnet, ich habe und hatte aber nie die Sorge, man könne schwul werden, wenn man über das Schwulsein spricht. Ich kenne auch absolut niemanden, dem diese Sorgen den Nachtschlaf raubte. 

Ich sehe auch keinen aktuellen Anlass zur Aufklärung darüber, dass Homosexualität angeboren und nicht therapiert werden kann. Ich gehe sogar noch einen waghalsigen Schritt weiter – ich sage, dass sie gar nicht therapiert werden MUSS. So, jetzt sind Sie dran.

Analysiert man aber Ihre Plattitüde aus der Biedermeierzeit, dann muss man zunächst feststellen, dass Sie unter beängstigender Ahnungslosigkeit leiden. Das Thema Sexualkundeunterricht sieht der Bildungsplan 2004 schon längst vor, aber eben nicht fächerübergreifend und mit dem Schwerpunktthema Homosexualität & Friends, wie das jetzt beabsichtigt ist.

Sie pflegen im Übrigen einen notorischen Hang zur Verallgemeinerung. Sie diskreditieren nämlich die Petitionsunterzeichner dem Zeitgeist entsprechend als homophobe und vor allem dämliche Homunculi, die nur die Sorge umtreibt, ab morgen rosa Leibchen zu tragen, wenn sie das Wort „schwul“ nur in den Mund nehmen, von anderen Dingen mal ganz abgesehen. Deshalb muss dringend therapiert werden.

Darüber hinaus – und das ist ja nun oh la la zeitgeisttechnisch gesehen – unterstellen Sie „vielen“ Eltern von „Kindern mit Migrationshintergrund“, sie seien ganz allgemein nicht in der Lage,  ihren Kindern die notwendige sexuelle Aufklärung zuteil werden zu lassen.

Man kann ja derzeit der einmillionsten Wiederkäuerei eines Themas, das den Durchschnittsdeutschen völlig kalt lässt, weil er überhaupt keine Probleme etwa mit schwulen Kickern, Gesundheitspolitikern, Grünen, Außenministern und Regierenden Bürgermeistern hat, überhaupt nicht mehr entgehen.

Ärgerlich wird es, wenn jetzt auch noch der letzte Tiefflieger auf die Startbahn gezerrt wird.