Der Kalenderspruch zum Tage: Kunst kommt von können, wenn sie von wollen käme, würde sie Wunst heißen.                                                                   

                                  

   

Während der Kunstbeflissene in der Pinakothek der Moderne atem- und vor allem sprachlos vor dem genialen Oeuvre zeitgenössischer Künstler steht,...

                   (Jason II, Beuys)

 

...wird er in der Neuen Pinakothek mit dem..

                                           

                      

...geist- und talentlosen Gekrickel holländischer Feierabendpicassos behelligt.


                                         


Viel Frosch um nichts? Martin Kippenbergers "Zuerst die Füsse"

                                

„…Das es Kippenberger um Blasphemie gegangen sein dürfte, ist eher nicht der Fall. Kippenbergers hintergründiger und oft auch abgründiger Humor, kann in diesem Fall auch als Metapher für Verwandlung von Leid in gelingendes Leben verstanden werden.
Jedenfalls ist es eine Anstachelung über angeblich so einfache Themen wie ein Frosch am Kreuz nachzudenken.“

Christiane Hoffmann, Kunsthistorikerin in ihrer orthografisch anfechtbaren Stellungnahme

 Letizia Ragaglia, die Kuratorin des Museums Bozen, wo das Werk derzeit aushängt und für mächtig Wirbel sorgt, erklärte dagegen:

„In den 90er Jahren hat sich Kippenberger in Tirol aufgehalten, wo er mit lokalen Kunsthandwerkern an der Realisierung einer Reihe von Skulpturen gearbeitet hat. Zum Land Tirol, das Kippenberger besuchte und gut kannte, gehören auch die ‚Kneipen’, Lokale in denen Bier in Übermaß konsumiert wird und wo man sich am Feierabend unter dem Kreuz, das normalerweise in diesen Lokalen hängt, versammelt um über sexuelle Themen zu witzeln und zu scherzen. ‚Nageln’ ist im Jargon eine Bezeichnung für den sexuellen Akt und ‚Fred Frog rings the bell’ ist ein Aufruf für die letzte Runde Bier des Abends. Mit Humor und Sinn für das Tragikkomische, das seit der griechischen Tragödie an zur Kunst gehört, stellt sich Kippenberger gerade in seiner Tiroler Zeit den Leiden, die sich in vielen seiner Werke äußern, wie z.B. in einer Videoarbeit, in der er sich selbst kreuzigt.“

Ist das tiefgründig und muss ich jetzt wirklich nach Bozen fahren?


                                              


Nun bis 8.11.2009 verlängert, werden im Frieder-Burda-Museum Werke der Künstlervereinigung „Der blaue Reiter“ ausgestellt. Neben den Gemälden hängen dort auch Fotografien der Künstler in ihrem privaten Umfeld aus. Besonders zugesagt haben mir die Werke von Franz Marc und August Macke.


                



                                         


http://www.youtube.com/watch?v=3fYvfEMUJl8

Das hier ist von John Cage, der besonders pfiffige kaiserliche Kleider zu schneidern vermochte.

Ich habe bislang vergeblich versucht herauszufinden, ob das Husten bei 4´02“ und 4´42“ eine mutige Durchbrechung des „Tacet“  und damit eine dramatische Weiterentwicklung früherer Aufführungen (etwa der aus 1952) durch den Meister darstellte (meiner Vorstellung nach etwa ein dramatisches "cough!"). Ich arbeite aber dran.

Ach ja,  in der Halberstädter Burchardikirche wird ein Werk namens "ORGAN2/ASLSP" (= "as slow as possible") von Cage aufgeführt. In der "Halberstädter Variante" dauert das Werk 639 Jahre, weshalb es - meine Vermutung - schon zu Protesten von Jahresabonnementsinhabern gekommen sein dürfte.

Für den, der den Kaffee noch nicht auf hat: Hier ist ein Originaltonwechsel aus 2006!


                                            


Die Pinakothek der Moderne bzw. die dort ausgestellten Pretiosen (s.o. Jason II) habe ich schon erwähnt.

Ich hatte das Vergnügen, diese Stätte des Wollens im Jahre 2005 zum ersten (und mutmaßlich letzten) Mal aufsuchen zu dürfen.

Joseph Beuys hat nicht, wie man denken könnte, nur mit Fett und Filz jongliert oder Badewannen an Wände gehängt, sondern auch Packpapier beschriftet.

Voila:




Wenn sich Seele und Auge an den Glanz der gleißenden künstlerischen Aussage adaptiert haben, wird für den Boshaften, Böswilligen und Gleisnerischen (also für mich) klar, dass sich der Meister in seinem künstlerischen Taumel bis an die Grenzen sprachlicher Ausdrucksfähigkeit bewegt haben muss, vielleicht sogar ein wenig darüber hinaus. 

Der auf Packpapier gekrakelte Satz  sollte m. E. ursprünglich wie folgt heißen: Wieviel hat Herr Conzen und Johannes Rau für Polen schon gegeben.

Es ist nicht überliefert, auf wen die offensichtliche Korrektur zurückgeht, Fakt ist aber bei genauer Betrachtung für mich eindeutig, dass Beuys zwischen „und“ und den Namen des ehemaligen Bundespräsidenten ein „hat“ gequetscht hat, um die geniale Gesamtaussage des Kunstwerks nicht mit sprachlichen Unzulänglichkeiten zu beschmutzen.

P.S. Im Fundus befindet sich übrigens auch...





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... das "Erdtelefon", vermittels dessen Joseph Eulenspiegel zweifelsohne einen kurzen Schauer Hirn auf seine Mitbürger vom Herrn zu erbitten gedachte (wenn man die Kiste als Pantheist betrachtet). 

 


                                  



Mai 2010 – Dieser Tage wird das Museum MAXXI in Rom eröffnet. Entworfen wurde der Bau von der Architektin Zaha Hadid und gewidmet wurde es der zeitgenössischen italienischen Kunst. Die gibt es also offensichtlich.

Den ersten Skandal gab es schon vor der Eröffnung, weil der Chefeinkäufer des Museums, Vittorio Sgarbi, Werke des italienischen Klassikers Gino de Dominicis beschafft hat, der nicht als zeitgenössischer  Kunstschaffender zu gelten hat, und die Museumsleitung – Signore Pio Baldi - insoweit bereit war auszustellen. Man wird sich dann also an Dingen wie dem

 

 

„Skull with long nose“

delektieren können, was für den besorgten Kunstfreund die bange Frage aufwirft, wenn de Dominicis klassische Kunst produziert, was mag dann da an Zeitgenössischem drohen? 

Lassen wir aber Herrn Baldi selbst zu Wort kommen:  "Dieses Museum bietet Räumlichkeiten wie kein anderes seiner Art. ... Und wenn wir ein Gemälde nicht an die Wand hängen konnten, weil die Wand rund ist, dann befestigten wir es an der Decke oder stellten es mitten in einem Raum auf."

Runde Wände für viereckige Bilder?

Was hie Gegenstand eines fetten Gewährleistungs-sprozesses wäre, ist dort Ausdruck des Genies.

L´art pour l´art ist tot, es lebe l´art pour l´art! Hier wird Kunst nicht für die Kunst gemacht, der - profan ausgedrückt  - Aufbewahrungsbehälter für die Kunst ist selbst Kunst und zwar eine, die den Inhalt, dem zu dienen eigentlich genug Bedeutung zuteilen sollte, eindeutig erdrückt und damit nachrangig macht. Verkehrte Welt.

Die Bauzeit betrug übrigens 10 Jahre bei projektierten Kosten von 50.000.000,00 Euro. Die tatsächlichen Kosten betragen heuer 150.000.000,00, also das Dreifache des Geplanten. Ich habe gewartet, ob und ggf. was in Zeiten anämischer öffentlicher Kassen – ein Zustand, der den Zeitgenossen seit ebenfalls mindestens zehn Jahren begleitet -  an Protest aufläuft. Ich warte immer noch.

Das Selbstverständnis Kulturschaffender ist mir immer wieder ein Mysterium, wobei das MAXXI verglichen mit der Hamburger Elbphilharmonie noch als arme Verwandtschaft durchgehen kann. Da sind wir mittlerweile bei einer halben Milliarde angekommen und eine Ende ist nicht in Sicht.

Irgendwie perlen aber Fragen, warum das Ganze a) unbedingt so bombastisch und b) nie innerhalb des Kostenrahmens gebaut wird, am fettigen Gefieder des für mich unverständlicherweise ganz und gar sakrosankten und Selbstzweifeln abholden Kulturbetrieb ab, ganz abgesehen davon, dass die, die diese Monster letztlich bezahlen, im Zweifel über reichlich Blut und Stuhlgang mit modernsten Interpretationen klassischer Werke ferngehalten werden, man ist da lieber unter sich. 

Im Übrigen hängt das in meinen Augen fatale Schweigen an sich berufener (Schön)Geister nebst dem Fehlen einer gesellschaftlichen Kosten-/ Nutzen-Analyse auch damit zusammen, dass dort offensichtlich niemand die Rolle des angeblich amusischen Cro Magnons übernehmen und  avantgardemäßig korrekt gesellschaftliches Seppuku begehen will.



                                            


Ende Juni 2010: Der Präsident der Bundesarchitekten-kammer Sighart Schmid leidet offensichtlich unter einem kränkenden Schub progredienter Bedeutungslosigkeit und vertritt daher die Auffassung, der 1938 errichtete deutsche Pavillon auf dem Biennale-Gelände müsse abgerissen und durch einen neuen ersetzt werden. 

Abgesehen davon, dass es sich um NS-Architektur handele, sei es extrem schwierig, diesen Klotz angemessen zu bespielen. Das wiederum rief den Maler Georg Baselitz auf den Plan, dessen Bilder ich zwar stellenweise auch nicht verstehe, der aber im Pavillon schon ausgestellt hat und deshalb geeigneter Gesprächspartner eines "Welt"- Feuilletonisten war.

Baselitz wies zunächst völlig zu recht den Hinweis auf die „NS-Architektur“ zurück, man schreibe Geschichte nicht neu, in dem man Gebäude abreiße, nur weil einem die Story dahinter nicht passe.

An dieser Stelle musste auch ich unwillkürlich an Tempelhof denken, also wenn schon, denn schon.

Auch die angeblich fehlende Bespielbarkeit (man bedenke, seit 1938 sind 72 Jahre vergangen und jetzt wird Schmid hellhörig und klarsichtig) sei - so Baselitz - überhaupt kein Thema, denn so gesehen müsse man auch das Guggenheim in New York sofort pulverisieren. Es sei auch überhaupt nicht schwer, im Pavillon auszustellen, ihm und Anselm Kiefer sei das 1980 prima gelungen.

Merke – nicht jeder, der meint, auf den „Wir-bewältigen-mal-eben-die-deutsche-Vergangenheit-und-leisten-einen-extrem-wichtigen-und-betroffen-machenden-Beitrag-hierzu“-Zug aufspringen zu müssen, hat auch eine Fahrkarte gelöst, die den Zutritt zur ersten (intellektuellen) Klasse ermöglicht.


                                        



Klicken, staunen, kaufen (so ähnlich wie eins, zwei, drei, meins…) lautet der Slogan, mit dem die Site plastination-products.com demnächst ab November 2010 für ihre Produkte wirbt.

Vorerst wendet sich der Anbieter nur an „qualifizierte Nutzer“, worunter man dort Forschung, Lehre und Klinik, also auch Ärzte versteht.

Billig ist der Spaß auch nicht, für eine Leiche will man knapp 70.000,00 Euro, Leichenteile sind günstiger zu haben, Frühbucherrabatt ist aber drin!

Gemeint sind natürlich die plastinierten Produkte aus dem Hause von Hagens, dem selbsternannten Tabubrecher und Aufklärer, der uns so schöne Leichen wie das kopulierende Paar präsentierte.

Ich hatte seit jeher aus einem offensichtlich völlig verstaubten (oder plastinierten) Pietätsgefühl heraus größte Probleme mit dieser erstarrten Peepshow für Leute, die sich früher auf Hinrichtungen die Füße platt gestanden haben und so richtig wollte mir die angeblich künstlerische oder aufklärerische Motivation des Herrn von Hagens noch nie runter.

Jetzt scheint  mir die Richtung klar zu sein – Online-Leichen (Versand kostet extra, also einplanen!) lassen für mich nur den Schluss zu, dass es hier von Anfang an nicht um Kunst oder Volksaufklärung ging, sondern rein um Bimbes.

Ich bin mir auch sicher, dass der potentielle Käuferkreis mittelfristig auf interessierte (und finanzkräftige) Laien erweitert werden wird, das ist dem System aus meiner Sicht immanent. Aber wir werden dann ja sehen, welche argumentativen Kopfstände veranstaltet werden, um auch diese kreative Markteroberung mit einem hübschen Mäntelchen zu versehen.

Dr. Angelina Whalley, selbst Ärztin und Ehefrau Gunther von Hagens´, lässt sich auf der Homepage koerperwelten.com zum tingelnden Schreckenskabinett ihres Göttergatten so ein:

Krankheiten des Blut-Kreislaufsystems sind heute die häufigste Todesursache. Ich wünsche mir, dass die Ausstellung den Besucher anregt, herz- bewusster und herzgesünder zu leben. Denn auf unser Herz, dieses lebenswichtige Organ, achten wir oft erst, wenn es erkrankt oder unter großer Belastung leidet.

Ja ja. Ein Leichenpräparator als Gesundheitspapst – da muss man erst mal drauf kommen.  

 


                                       

 

Peter Fischli und David Weiss sind – wie könnte es beim Erstgenannten anders sein – Schweizer und firmieren unter Fischli & Weiss als Künstlerduo. In dieser Funktion haben Sie die (Kunst)Welt um Werke wie der...

  …“Modenschau (Die Wurstserie)“

von 1979 bereichert.

Zu sehen sind Metzgereiprodukte im Kunstdarm, denen wärmende Mäntelchen aus Wurst- und Speckscheiben umgehängt sowie  Flaschenverschlüsse aufgesetzt wurden.

Die Hamburger Deichtorhallen stellten das Oeuvre der beiden Schweizer im Sommer 2008 aus und deren Kuratorin, Frau Bice Curiger, erläuterte das Werk und den Anspruch der beiden Kunstschaffenden wie folgt:

"Seit ihren Anfängen 1979 gilt ihr Augenmerk dem alltäglichen, dem unscheinbar Banalen. Es ist ein verschmitzter Forschergeist, der sie treibt und der uns als stets überraschte Betrachter mitzieht in ihre entwaffnende Aufarbeitung der uns umgebenden Welt.

Ein Haufen Holz, mit dem man da befrachtet wird, flammt einem unwillkürlich durchs fiebrige Hirn, also wohlauf, gehen wir an die entwaffnende Aufarbeitung.

Der Zugang zum Werk erschließt sich zweifellos nicht über den Titel, mit dem Künstler reine Camouflage betreiben, denn hätten sie die Modebranche "wunderbar albern, wunderbar tiefsinnig" ("Welt") persiflieren wollen, hätten sie sich aus einer Blisterpackung Wiener Würstchen bedient, Mode für Mollige stand hier ersichtlich nicht im Fokus.

Was sagt uns also die Wurstkarawane, die entfernt an die Heiligen Drei Könige (mit Dienerschaft) erinnert, wenn auch die eher verkniffenen Mienen einen christlich gefärbten Bezug auszuschließen scheinen. Oder hält man vice versa der katholischen Dogmatik unbarmherzig einen Spiegel vor?

Zunächst - die Protagonisten scheinen einen Body-Mass-- Index aufzuweisen, der in der weiteren Betrachtung nahelegt, dass hier unter anderem auch die zunehmende Verfettung der westlichen Gesellschaft satirisch und zielsicher aufs Korn genommen werden sollte.

Handelt es sich gar um einen Protest gegen die burger-basierte Okkupation von jenseits des Atlantiks, eine Mahnung, sich wieder mehr des eigenen kulturellen Erbes aus dem Schweinedarm  zu erinnern, statt sich us-amerikanischem Hack-Einerlei zuzuwenden? Mettwurst stay east? Geht es hier um europäische Tiefgründigkeit versus amerikanische Oberflächlichkeit, ein Clash of Civifleischations? 

Oder antizipierte man bereits 1979 die in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts eskalierende Integrationsdebatte und protestierte durch die Verwendung von Materialien, die man zweifelsohne als haram zu bezeichnen hat, gegen die Ausgrenzung muslimischer Mitbürger?

Handelt es sich um eine Gruppe übergewichtiger und paramilitärisch gekleideter Mitteleuropäer (Freikorps!) auf dem Weg, das Anders- oder Fremdartige zu liquidieren?

Die virtuos als Bartersatz drapierte halbe Erdnussschale lässt hier jedenfalls weitreichende Rückschlüsse zu (68? Nationalsozialismus? Reichsgründung? Bismarck? Sozialistengesetz?).

Wie dem auch sei, ich danke den beiden Salami-Vergils Fischli & Weiss jedenfalls ausdrücklich dafür, dass sie bei mir den Blick auf gesellschaftliche Schieflagen und das was da noch so alles dräuen mag neu justiert haben.

Ob ich 2011 die Zeit haben werde, die Originalexponate im Münchner Haus der Kunst von Frau Ingvild Goetz (mit oe) zu genießen, kann ich nicht mit der gebotenen Sicherheit sagen.

Vielleicht begnüge ich mich auch mit den Auslagen der Trittbrettfahrer von der Fleischerei Meier.

Mai 2011



                                             


Sie hat die Ränder und Seitenwände des Gummitrogs sorgfältig gereinigt. Es ist entsetzlich, ließ ein am Boden zerstörter Kurt Wettengl verlauten.

Wettengl ist Honorarprofessor für Kunstgeschichte/ Kunstwissenschaft der TU Dortmund, Institut für Kunst und Materielle Kultur, Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft Fachbereich 16 (uff!) und Direktor des Dortmunder Museums Ostwall.

Grund für den professoralen Klagegesang ist die exzellente Erfüllung arbeitsvertraglicher Verpflichtungen durch eine angestellte Housekeeping-Perle.

Wettengl hatte sich das KunstwerkWenn´s anfängt durch die Decke zu tropfen des 1997 viel zu früh verstorbenen, froschkreuzigenden Künstlers Martin Kippenberger für sein Museum gesichert.

Kippenberger hatte der Welt nicht nur unvergleichliche Kunstwerke, sondern auch die ewigwährende Weisheit Auch Dummheit kann ja zur Kunst werden" geschenkt.

Wer es nicht kennt – das deckendurchfeuchtende Werk erinnert an ein Leiterbau-Projekt in der Walldorf-Schule unter dem Motto „du, schön, dass wir mal drüber gesprochen haben“.



Vervollständigt wird das Ganze durch eine unterhalb der Konstruktion abgestellte Gummiwanne oder um es mit „spiegel-online“ zu sagen Wenn's anfängt durch die Decke zu tropfen" ist eine Installation, deren künstlerische Brillanz sich vielleicht nicht jedem Museumsbesucher sofort erschließt. Sie besteht aus einem mannshohen Turm aus Holzlatten, unter dem ein großer Gummitrog steht. Den Boden dieses Maurertrogs bedeckte eine weißlich-kalkige Schicht, die Kenner gerne Patina nennen“.

Diese Patina kränkte die Berufsehre besagten Putzteufels und dank Ata wardie weißlich-kalkige Schicht, die Kenner gerne Patina nennen schnell Geschichte.

Kunstgeschichte.

Schaden 800.000,00 Euro, pro Kilo Kunst also deutlich teurer als die 4.000,00 Euro per Kilo Butter, die man weiland anlässlich der Beuys´schen Fettbeseitigung berappen musste.

Die Welt hat sich aber weitergedreht und ich bin immer noch viel zu dumm, als dass sich mir die „künstlerische Brillanz“ à la Kippenberger sofort erschlösse.

Da lob´ ich mir einen wie Ai Weiwei, der nach der sturmbedingten Umstrukturierung seiner Skulptur "Template" auf der documenta 2007 lakonisch meinte: "Das ist besser als vorher".

Klarer kann man es nicht sagen.

15.11.2011


                                      


"Ab einem bestimmten Moment ist es nicht mehr wichtig, was die Qualität oder wahre Intention eines Buches ist, sondern welchen Effekt es in der deutschen Gesellschaft hat. Das Buch weckte und förderte anti-migrantische und hauptsächlich anti-türkische Tendenzen in diesem Land. Ich schlage vor, das Buch als aktives Werkzeug zu benutzen, welches den Menschen ermöglicht, ihre eigene Position zu bekunden."

I´ll be back, sagte das gesunde Volksempfinden.

Und - Martin Zet ist ein Künstler ist ein Künstler  ist ein Künstler ist ein Wunstler.

Mister Zet aus Tschechien hat ein Projekt angestoßen, bei dem 60.000 Exemplare des Sarrazin-Burners "Deutschland schafft sich ab" gesammelt, vernichtet und das Recyclinggut anschließend einem nicht näher definierten "guten Zweck" zugeführt werden sollte.

Tja, wird der Mann gedacht haben, mit Büchervernichtung haben die Deutschen ja Erfahrung, was früher abgefackelt wurde lässt sich heuer mittels sehr viel leistungsfähigerer Einrichtungen kleinschnippeln.

Zet versucht das jetzt mit offensichtlich hell lodernden Beinkleidern so zu erklären, das sei ja auch nix anderes als das Löschen von Büchern vom Kindle. Aha.

Auf die Frage, wieso er dazu aber ein derart aufgeladenes Buch wählt, wusste er natürlich nichts Gescheites zu sagen, weshalb das Eine was mit Schaffung freien Speicherplatzes und das Andere was mit der Vernichtung der Aussage des Buches zu tun hat, exekutiert von einem Heini, der Karl Kraus´ Spruch bestätigt, dass auch Zwerge lange Schatten werfen, wenn die Sonne der Kultur tief steht.

Ein wirklich wichtiger Beitrag, damit aus dem ohnehin schon stickigen Meinungsfreiheit-Klima in diesem Land möglichst eine richtige Suppe wird, denn welchen "Effekt" ein polemisches Werk auf die Bevölkerung hat, die sowieso zu dämlich für eine eigene und zutreffende Einschätzung ist, bestimmt natürlich das Gedanken- und Moralpolitbüro. 

Für diese Aktion, die auf der Berlinbiennale unter dem Titel "Deutschland schafft es ab" (wie geistreich) laufen soll, braucht man natürlich Sammelstellen.

Einige von diesen Sammelstellen haben mittlerweile ihre Teilnahme abgesagt, nachdem der Gegenwind anhub, was zum Einen belegt, welche intellektuelle Kapazität da vorab waltete und zum Anderen erkennen lässt, mit welcher Art von Helden wir es hier zu tun haben. Wie üblich sofortiges Umfallen, wenn man merkt, dass der Mainstream woanders wabert. Jämmerlich!

Kunst kommt wie eingangs erwähnt von können, käme sie von wollen würde sie Wunst heißen und deshalb ist Mister Zet ein wahrer und wirklicher Wunstler.

20.1.2012