Erich Kästner - Notabene 45

Ich bin großer Kästner-Fan und was läge näher, als sich mit seinem Tagebuch auseinander zu setzen. Das Buch gibt seine Eintragungen unmittelbar vor und nach Kriegsende wieder. Kästner legt sich dabei selbst insoweit eine Kandare an, als er schreibt, es sei verlockend, aber fehlsam, eigene Einträge in Kenntnis der nachherigen Geschehnisse nachträglich abzuändern. Offensichtlich hat er erst später beschlossen, seine damaligen Aufzeichnungen zu veröffentlichen, was den Wunsch weckte, das Eine oder Andere zu redigieren. Dieser Verlockung hat er widerstanden und das macht das Buch zu einem wunderbaren Zeitdokument. Natürlich schildert Kästner seine eigenen Erlebnisse in Bayern und Südtirol, wo er die Zeit Mitte 1945 nach der Flucht aus Berlin verbracht hatte, durch seinen eigenen Stil mit Sarkasmus, Humor, aber auch Bitterkeit spiegeln sich darin die "großen" Ereignisse und Veränderungen jener Tage. Und wie immer befasst sich Kästner mit den Unzulänglichkeiten, aber auch positiven Seiten "kleiner" Leute. Sein Stil ist dadurch geprägt, dass er einen profunden Blick in die Seele und das Wesen des Menschen getan hat, erschauert ist, aber den Blick nicht abgewandt hat. Ein wunderbares Buch, dessen Lektüre ich zu keinem Zeitpunkt bereut habe.