Johannes Clair - Vier Tage im November

Clair gehörte einer deutschen Fallschirmjägereinheit an, die Ende 2010 bei der Aktion "Halmazag" (= Blitz) eingesetzt wurde, einer gemeinsamen Aktion von Afghanen und ISAF gegen die Taliban im Norden Afghanistans. Der Titel deutet auf diese Aktion hin, tatsächlich befasst sich das Buch aber nur im letzten Kapitel tatsächlich mit den Vorgängen bei dieser Aktion, bei der es gelang, die Taliban zu vertreiben. Mich hat nach der Lektüre von Zeitungsberichten, dem Konsum diverser Fernsehberichte und der üblichen Polit-Bulletins interessiert, was ein Krieg mit einem in behüteten Verhältnissen aufgewachsenen jungen Nachkriegsdeutschen heute macht, was er fühlt und wie er sich arrangiert. Clair macht das wirklich gut. Das Buch hat über 400 Seiten und hat zunächst ein Zentrum, um das sich alles dreht - Clair und seine Kameraden. Es gelingt ihm aber, um diese Gruppe herum auch in stellenweise durchaus guter Prosa vom Land, von seinen Bewohnern und von den Lebensumständen so zu erzählen, dass man das vor seinem geistigen Auge tatsächlich nachvollziehen kann. Das Buch ist wie zu erwarten leicht zu lesen, lässt politische Vorgänge und Entwicklungen völlig außen vor und beschränkt sich dankenswerter Weise auf das, was es soll. Von daher durchaus ein Gewinn und der Zugang zur Denkweise der Leute, die wir zwar dort hin schicken, hinter denen wir aber nicht stehen, weil wir den Unmut über vermeintlich falsche politischen Entscheidungen den Hindukusch betreffend fälschlicherweise auf unsere dort stationierten Landsleute projizieren. Die Bitterkeit manches Soldaten kann ich nachvollziehen, jetzt um so mehr, wenn ich sehe, was da geleistet wird, was diese jungen Menschen riskieren.