Alexander Görsdorf - Taube Nuss: Nichtgehörtes aus dem Leben eines Schwerhörigen

250 1/2 Seiten über´s Hören oder besser das Nichthören. Grund für die Anschaffung waren zwei blinde Damen, denen ich neulich zufällig in Freiburg über die Straße half. Was mag das für den oder die Betroffenen bedeuten, fragte ich mich. Klar kann jeder die Augen schließen und mal testweise durch die Wohnung stolpern, aber wie ist das, wenn man einkaufen geht. Wie findet man zurück, muss man ein Navigations-system im Kopf haben? Das führte zur Frage, was Taub- oder massive Schwerhörigkeit mit einem macht, wie man sein Leben einrichtet und da kam Görsdorfs Buch gerade recht. Das Buch ist flott geschrieben, stellenweise komisch, stellenweise bitter und sarkastisch, gibt aber einen recht guten Eindruck davon, wie sehr man mitten in Gesellschaft auf einer akustischen Insel leben kann. Görsdorf ging seine rasch voranschreitende Schwerhörigkeit offensiv an und ließ sich auch einen künstlichen Nervenstimulator für das Innenohr einsetzen. Auch diese Phase wird beschrieben. Insgesamt ein interessantes Buch, auch wenn ich gestehen muss, dass es 100 Seiten weniger auch getan hätten.