J´accuse!

Im Intro ihres Songs „Sorry“ teilt Madonna in mehreren Sprachen mit, sie sei gedrückter Stimmung. Allerdings ist das für ihre enthusiastischen deutschen Fans kaum zu verstehen, denn das Ganze kommt als „Ick biehn trrrufick“ rüber.

Herrgott, da geben die Millionen aus, um den Song zu produzieren und anschließend in die Charts zu pushen. Gibt’s da niemanden, der Frau Ritchie (und künftige Ciccone) wie folgt aufklären könnte: „Eesh been trourick“?

Januar 2009



In der Nacht zum 22.11. verstarb Maurice Béjart im Alter von 80 Jahren in einem Lausanner Krankenhaus“.

Maurice who? Der musische Neandertaler denkt, wieder eine gräßliche  Hupfdohlentucke weniger, und wendet sich wieder dem Vorbericht zu Hannover 96 gegen Schalke 04 zu.

Bis, ja bis, er zufällig in Arte auf den Bolero stösst, 1977 inszeniert von Bejart und getanzt unter der Führung der Bolschoi-Diva Maja Plissetskaja.

                                      

Fantastisch und atemberaubend trifft die Sache nicht richtig, es ist diese unglaubliche Symbiose zwischen Musik, Bewegung und Ausdruck, die einen fesselt.

25.11.2007  




Es ist EURO 2008 und irgendwie fehlen mir die Engländer.

                                                            Echt!

Kein „For you Fritz, ze EURO 2008 is over“, kein “Wurstalbtraum”, keine Bilder eines pickelhaubentragenden Ballack, kein gegröhltes „Ten German Bombers“, nichts.



Nichts?

Fast nichts, außer einer zumindest auf den ersten Blick (in Fußballangelegenheiten) ungewohnten Selbstironie.

So titelte die Daily Mail nach den idiotischen Äußerungen von Michel Platini, England werde bei der EURO "nicht vermisst", jüngst:

„Drei lange Wochen muss Großbritannien nun zuschauen, und den Österreichern und Schweizern entgeht die kulturelle Erfahrung, unsere Fans dabei zu beobachten, wie sie in den Straßen urinieren und Plastikstühle werfen - ganz klar ein Verlust für beide Seiten.“

Mangels eigener Mannschaft beim Cup gingen die Fans dazu über, andere Mannschaften „zu adoptieren“, meist aus Vereinssicht (Manchester = Ronaldo = Portugal).

Ein englischer Fan „adoptierte“ die Polen im Spiel gegen unsere Jungs mit folgender Begründung: "Polen war ein perfekter Ersatz, rote Trikots, kopflose Flügelspieler, kurze Momente der Hoffnung - hätte ihr bester Spieler in einem wichtigen Moment die Rote Karte gesehen, das Bild wäre komplett gewesen."

Also ich freue mich, wenn die englischen Bruchpiloten das nächste Mal wieder dabei sind, Wurstalbtraum hin oder her. Echt.




De Profundis - Ein kurzes Plädoyer fürs Dschungelcamp. Auch. Echt.

Ich muss auch kotzen, wenn ich nur daran denke, Känguruhklöten oder Panzerechsenaugen zu vertilgen, aber mir geht es nicht um das wohlige Gruseln und eine inflationäre Sucht am Perversen.

Klar ist die Sendung, die - haha - bekanntlich ja niemand sieht oder in die man natürlich nur eben mal rein zufällig reinzappt (bis 6,8 Millionen zufällig zappende Zuschauer) krawallig und intellektuell sub zero (muss ja immer dazu gesagt werden) und es besteht sicher kein Zweifel daran, dass primär besagte Ekelachterbahn die Fernsehgemeinde vor der Glotze versammelt, aber darum geht es mir nur sekundär.

Die Kandidaten wählen sich nicht gegenseitig aus dem Lager, sondern es obliegt dem Zuschauer, ob er mindestens 50 Eurocent investiert, um einen der ursprünglich zehn Pleitiers zu eliminieren. Interessant fand ich dabei, wen es jeweils erwischte.

Aktuell war der Erste ein gewisser Michael Mezziani, der mir bis dato überhaupt nichts sagte, der aber rein von der optischen Performance mutmasslich ein Kandidat fürs Finale gewesen wäre.

Schließlich übrig blieben indes ein ostdeutscher Friseur namens Nico Schwanz, von dem ich ebenfalls noch nie etwas gehört hatte (eine Siegfriedsgestalt zumindest für solche Leute, die mit Gojko Mitic groß geworden sind), des Weiteren ein(e) im (Um)Baufortschritt befindliche(r) Transsexuelle(r) namens Lorielle London sowie die 77-jährige Ingrid van Bergen, die weiland ihren Lebensgefährten Klaus Knaths über seinen eigenen Haufen geschossen und dafür langjährig im Knast gesessen hatte.

Das Rennen gemacht hat Frau van Bergen ganz knapp vor Frau London, der Friseur wurde Dritter. Zufall war das nicht, denn vergangenes Jahr gewann ein schwuler Kastenteufel namens Ross Antony (der mir vorher auch nichts gesagt hat).

Was sagen diese Ergebnisse eigentlich über uns alle aus?

Ich meine, die Befindlichkeit dieser Gesellschaft ist weit entfernt von dem, was einem lange Zeit als „typisch deutsch“ eingeredet wurde.

Eine Sendung, die mitmoderiert wird von einem skurrilen Zwerg, der vor 65 Jahren mit einem rosa Stern versehen vermutlich in ganz anderen Lagern verschwunden wäre, sowie die Kür einer greisen Ex- Gefängnisinsassin knapp vor einer Transsexuellen – und eben nicht einer der „Lichtgestalten“ - zeigt für mich, dass diese Gesellschaft – so voyeuristisch sie auch sein mag – weitaus toleranter, bunter und lockerer ist als man das gemeinhin glaubt - zumindest wenn man sich dem Thema nicht mit verkrampfter Rosette und/oder hochnäsiger Attitüde nähert, oder?

25.1.2009