Gideon Böss - Die Nachhaltigen

Ich mag Böss unheimlich und das schon sehr lange, seine Kolumnen in der Welt und die Beiträge auf der Site der Achse des Guten habe ich verschlungen.

Ich gehöre einer Generation an, die groß geworden ist in dem Bewusstsein, dass Widersetzlichkeit links angesiedelt ist. Heute ist Widersetzlichkeit rechts angesiedelt, der Marsch durch die Institutionen ist absolviert und hat direkt an die Schalthebel (und Fresströge) der Macht geführt. Allerdings tut man so, als kämpfe man immer noch gegen den herrschenden Imperialismus, eine allgegenwärtige und systemimmanente Unterdrückung der Frau, galoppierende und gewollte Umweltzerstörung, einen nicht auszurottenden und wuchernden Rassismus,  kurz als kämpfe man gegen einen rechten Mainstream. Das ist natürlich völliger Käse, was heute in Berlin unter einer christdemokratischen KanzlerIn möglich ist, hätte vor 30 Jahren Bonn in die Luft gejagt.

Böss nimmt sich in seiner gewohnt bös(s)en Art die aktuelle Berliner Szene vor, schildert die Wirren um die Gründung einer neuen Partei namens "Die Nachhaltigen", die letztlich nur Steigbügelhalterin für den durchgeknallten Parteigründer ist, die Wirren im Liebesleben eines abgebrochenen BWL-Studenten namens Bastian, der ein Theaterstück schreibt, in dem es um Hitler geht, weil er seiner Flamme als Künstler imponieren will und die Wirren um eben jenes Theaterstück, das dadurch in die Mühlen öffentlicher Hysterie gerät, weil Bastian für die Rolle des Hitler einen schwarzen Schauspieler ablehnt mit dem Hinweis darauf, Hitler sei nun einmal weiß gewesen.

Hätte Böss das Buch vor 30 Jahren geschrieben, ich hätte es nicht gemocht, weil es erkennbar zu fiktiv und unrealistisch erschienen wäre. Heute hat es Mühe, als Satire der Realität voranzugehen. Es ist stellenweise brüllend komisch, Böss verwurstet auch bekanntere Personen wie Nena und Michel Friedman, die so ihr Fett wegbekommen, dass man Böss´ Wertschätzung mehr als erahnt.

Die Kommentare zum Buch kommen von Vince Ebert und Jan Fleischhauer und dann weiß man, auf welchem Gleis man steht. Kaufen, wobei einem klar sein muss, dass da, wo Akif P. einen Hochofen entzündet bei Gideon B. ein Kaminfeuer prasselt.