Ich bin nach eigener (und so von niemandem geteilter) Einschätzung eine Person ohne Fehl und Tadel, sieht man mal von einem überdurchschnittlichen Appetit vorwiegend auf die exzellenten Produkte der badischen Küche mit allen nachteiligen  Folgen für den Fetthaushalt meines Körpers ab.

Das Rauchen habe ich Ende September 2014 – hoffentlich – endgültig aufgegeben und sammle das so eingesparte Geld für die Anschaffung eines gut erhaltenen Ford F-150 oder eines Dodge Ram, man wird sehen, acht Zylinder und nicht unter 350 PS sind aber hüben wie drüben obligatorisch; ich achte darauf, dass meine Ökobilanz nach dem Aus für die Sargnägel nicht unversehens ins Positive rutscht.

Wenn es Anhaltspunkte für dunkle Flecken auf dem Gewebe meines Charakters geben sollte, dann liefert die nie endende Leidenschaft für trockene Landjäger (s.o. Fetthaushalt) derlei Hinweise. Ich bin - das sei der Vollständigkeit halber erwähnt - übrigens nicht der Meinung von Walter Moers, der laut eigener Mitteilung nichts isst, "wo Schweine durchgefurzt haben". Kann man so sehen, muss man nicht.

Landjäger sind laut Wikipedia „eintägig geräucherte und luftgetrocknete Rohwürste, die meist paarweise zusammenhängen und früher als Proviant bei der Feldarbeit und in den Weinbergen dienten, heute bei Wanderern als „Snack“ und „Rucksackwurst“ beliebt sind. Sie enthalten Rindfleisch und/oder Schweinefleisch, Speck, Schwarte, Nitritpökelsalz, Rotwein, Zucker und Gewürze.

Eckig gepresst in Naturdarm sind sie eine Spezialität aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. Manchmal werden sie auch Peitschenstecken, Bauraseufzer (Bauernseufzer) oder Unteruhlbacher (nach Stuttgart-Uhlbach) genannt. Im Elsass heißen sie Gendarmen.

In Frankreich hat die Bezeichnung „gendarme″ in ähnlicher Weise eine Mehrfachbedeutung: Eine als Reiseproviant taugliche Dauerwurst wird als gendarme bezeichnet“.

                                                

Die zu Lebzeiten streng monogamen Landjäger führen m. E. völlig zu Unrecht ein absolutes Schattendasein in jedweder Kulinarikdebatte. Sie sind gewissermaßen die Thilo Sarrazins in der Welt des Geräucherten und Geselchten. 

Das geht sogar soweit, dass sie ihre wenig beachtete Existenz hinter dem Rücken beleibter Fleischereifachverkäuferinnen fristen müssen, weil sie regelmäßig rückwärtig an einer Art hölzernen Handtuchhalter aufgehängt sind. Halter, die an jene erinnern, über die in meiner Jugendzeit grau gemusterte Klosetthandtücher drapiert waren. 

Die arrogant-eitle Selbstzufriedenheit fetter Lyoner und zugereister Salamis in den laufstegartigen, hell beleuchteten Auslagen meterlanger Kühltheken ist ihnen fremd. Nie kommen sie in die engere Wahl, wenn es in leuchtende Kinderaugen heißt "Magsch au ä Rädle Wurschd?", weil sie von ihrer Konstitution her leider überhaupt nicht für "ä Rädle Wurschd" taugen.

Wenn man dann aber auf des Landjägers Fährte pirscht, dann will man natürlich nicht in den nächsten Metzgerladen stolpern oder - Gott bewahre - in den Auslagen der einschlägigen Massenwaren-Grossisten kramen, man benötigt vielmehr eine Landkarte des Landjägers, einen „Guide Landjäger“ und voila, hier ist er.

Ich werde mich die kommenden Jahre durch die Metzgereien futtern und die Erfahrungen hier posten (Skala ***** - *). Leidensgenossen sind herzlich eingeladen, mir eigene Erfahrungen oder Tipps unter landjaeger@outlook.de zukommen zu lassen.



Biberach (Baden)

Metzgerei Geiger, Hauptstr. 23, 77735 Biberach ****

Man merkt gleich, man ist auf dem Land. Die satt rot-braun gefärbten Landjäger machen sich zweifelsohne auch in der klobigen, rissigen Hand des Agronomen gut (nicht nur in den feingliedrigen und eleganten Pianistenwürsten, die der Autor sein eigen nennt), sie entsprechen in Sachen Volumen, Farbe, Haptik und Fleischigkeit in etwa denen der Metzgerei Wemlinger aus Oberkirch, prima also. Leider teilen sie auch deren Nachteile, was den Geschmack angeht. Mehr wäre da in der Tat mehr gewesen, sie schmecken etwas fad auch im Ausgang. Gleichwohl überdurchschnittliche Ware, die zu empfehlen ist. Clou: Die dralle Verkäuferin, eine echte Wuchtbrumme mit roten Bäckchen und damit eine Zierde der Innung, steckte mir zum "Pärle Landjäger" noch ein Wienerle in die Tüte, ich nehme an, weil ich so abgemagert und verhungert wirkte. Nette Geste, spricht für Biberacher Service, Hut ab.



Donaueschingen

Max Holwegler, Käferstr. 3, 78166 Donaueschingen ****

Gute, fleischige, überdurchschnittliche Ware mit augenschmeichelnder Farbe, aber ohne Anspruch auf Spitzenplätze. Ein bisschen weniger Genügsamkeit und etwas mehr Ehrgeiz da oben auf dem Berg bitteschön. Da ginge was.


Durbach

Metzgerei Heinrich Spinner, Tal 2, 77770 Durbach *****

Die Referenzklasse, der Benz unter den Landjägern, der Klassenprimus! Das ist absolut das Beste, in das ich bislang meine gepflegten Zweitzähne schlagen durfte. Kräftige, fleischige Gesellen, die aber die nötige Härte mitbringen und absolut würzig schmecken. Der Clou ist der Preis - 1,30 bucks für´s Pärle, das ist auch unschlagbar. Wen es nach Durbach verschlägt, schräg gegenüber vom "Ritter" einen der wenigen Parkplätze suchen und Schatz bergen!



Friesenheim:

Dorfmetzgerei Walter, Oberschopfheimer Landstraße 3, 77948 Friesenheim-Oberschopfheim **

Eher enttäuschend. Die klassisch geformten Landjäger schimmern bräunlich, was immer den leicht störenden Eindruck hinterlässt, sie hätten von ihrem Lebenskreis her bereits meine Bundeswehrzeit aufhellen können. Geschmacklich sind sie im Ausgang auch eher fad bis maximal durchschnittlich. Das geht besser.



Hohberg

Metzgerei im Rössle, Freiburger Straße 26, 77749 Hohberg-Hofweier ****

Erstklassig! Große, tiefrote, fleischige Kaventsmänner, die ausgewogen würzig sind, die Bissfestigkeit ist ebenfalls erstklassig. Kann man nur empfehlen. An sich ein Kandidat für 4-Sterne-plus, Punktabzüge gibt es, weil das Pärle aus meiner Sicht inakzeptable 1,90 Euronen kostet. Inakzeptabel, weil man in Durbach diese Qualität für etwa 1/3tel weniger bekommt. Too much.



Kehl

Spezialitäten-Metzgerei Frank Hess, Hauptstr. 165, 77694 Kehl ****

Für die big red ones von Meister Hess gilt das zu Herrn Ferbers Willstätter Produkten Gesagte. Gute, deutlich überdurchschnittliche Ware, etwas flach, aber schön trocken und kräftig gewürzt. Gerne wieder. Und wie bei Herrn Ferbers Würscht - ein herzliches Dankeschön an Don Alfonso Baas für die Vermittlung!



Oberkirch

Metzgerei Maier, Appenweierer Straße 26, 77704 Oberkirch ****+

Von Optik und Haptik her einer der trockenen Landjäger schlechthin. Ohne hymnisch zu werden muss man hier gewissermaßen vom Urmeter, ja vom Adam aller trockenen Landjäger sprechen. Ausgewogen im Geschmack, fehlt ein Touch Würze, was aber an der Tagesform des Fleischwolf-Rodins gelegen haben mag. Nahe an der Perfektion, Chapeau!


Metzgerei Wemlinger, Untere Grendelstr. 2, 77704 Oberkirch ****

Donnerwetter, die Oberkircher Metzger haben den Bogen raus. Auch die Wemlinger-Produkte sind von überdurchschnittlicher Qualität. Identisch mit den Maier´ schen Flaggschiffen, was die Farbe angeht, bringen die Wemlinger-Brummer deutlich mehr Kampfgewicht auf die Waage. Das passt auch in Puncto Haptik und Bissfestigkeit, hier gibt es keinerlei Punktabzug. Den gibt es aber beim Geschmack, weil   die roten Gesellen nicht so würzig daher-kommen wie die von Herrn Maier, weshalb es auch nicht ganz zum Gleichstand mit dem Wurstprimus reicht.

Ergänzung: Habe noch mal nachgekauft und würde mangels Würze nun 3-4 Sterne vergeben. Das Niveau war nicht ganz gehalten.



Offenburg:

Metzgerei Burg, Hauptstr. 27, 77652 Offenburg **+

Trockene Landjäger zu bekommen ist hier kein Problem. Die Dinger sind aber quadratisch geformt und vermitteln daher optisch den Eindruck eines Massenproduktes, die tiefrote Farbe stimmt aber. Allerdings sind sie sehr würzig und übertreffen speziell in der unausgewogenen Schärfe die Produkte von Herrn Fuchsschwanz. Wer es mag, mir war es etwas too much und mit 1,70 Euro/Paar (Stand Februar 2015) sind sie auch etwas teurer als die Konkurrenz. 


Metzgerei Fuchsschwanz, Kreuzkirchstr. 4, 77652 Offenburg ***+

Trockene Landjäger sind hier eher die Ausnahme. Wenn man sich aber beherrschen kann und die Kleinode 2-3 Tage nachtrocknen lässt, dann erhält man ein würziges, ausgewogenes und wohlschmeckendes, tiefrotes Produkt in der bekannten Landjägerform. Empfehlenswert, zumal der Preis mit 1,50 Euro/Paar (Stand Februar 2015) in Ordnung ist. 


Metzgerei Link, Straßburger Str. 27a, 77652 Offenburg **

Link ist wie der nachstehende Metzger Vogt Filialist, erreicht dessen Qualität aber nicht. Die Landjäger sind eher bräunlich denn rot und sehr flach, was bei einem Preis von 1,60 Euro missfällt. Der Geschmack ist auch eher flach und mehlig. Das geht deutlich besser.


Metzgerei Vogt, Steinstraße 13, 77652 Offenburg ****

Vogt ist Filialist mit dem Stammhaus in Bühl. In Offenburg unterhält er zwei Filialen, eingekauft habe ich in der Steinstraße. Taubenschlag trifft es, denn Vogt bietet einen gut frequentierten Mittagssnack mit einem Flaggschiff, dem legendären badischen "Flaischwurschdwäck", an. Die Landjäger sind von kräftiger Statur, weisen die klassisch rote Farbe auf und balancieren traumwandlerisch sicher auf dem schmalen Grat zwischen Trockenheit und Fleischigkeit. Die Würze ist ebenfalls ausgewogen, so dass Vogt hier als eine der landjagdlichen Galionsfiguren der Fleischerinnung zu gelten hat. Da gehe ich gerne noch mal hin.



Schwanau

Frenk´s Lindenhof, Reinhard Frenk, Ottenheimer Str. 21, 77963 Schwanau ***+

Gute Ware von der Stange. Würzig, gute Farbe, aber alle Geschmackswerte im guten Durchschnitt. Da ist Luft nach oben.



Willstätt

Schwanen Metzgerei Jürgen Ferber, Hauptstr. 42, 77731 Willstätt ****

Gute, etwas flache und daher nicht so fleischige Ware. Gut trocken und damit sehr würzig, aber ausgewogen. Das ist deutlich überdurchschnittlich, für den Platz an der Sonne reicht es aber nicht.