Hier geht´s nicht um Migrantenbashing, es geht um Fragen, die man stellen muss, um nicht den gesellschaftlichen Kompass zu zerstören, Fragen, die zu stellen aber heute schon ausreichen, um sich gesellschaftlich zu isolieren, nicht zu fassen.

Wer sind wir, wo wollen wir hin, wen wollen wir aufnehmen, wer benötigt unsere Hilfe?

Große Fragen, schwierige Antworten. Sollte man meinen. Nicht wenn es nach der herrschenden Meinung der politischen und sonstigen Avantgarde dieses Landes geht. Kommense näher, kommense rein ...

Da scheitert man schon bei der Beantwortung der Frage, wer wir eigentlich sind, was uns ausmacht, was wir wollen, was wir nicht wollen, denn das führt zur Betrachtung dessen, was unantastbar, was disponibel, was veränderbar ist.

Außer Frage steht, dass uns Notlagen zu Hilfe verpflichten und besonderer Schutz von Krieg und Verfolgung speziell der Kinder garantiert werden muss.

Der in 2015 durch Frau Merkel ausgelöste Run auf dieses Land traf aber auf ein in keinerlei Hinsicht vorbereitetes Land mit einer unfähigen Führung, unfähig deshalb, weil der Krieg in Syrien bereits einige Jahre tobte und man seit mindestens zwei Jahren gewarnt war, es werde aus dieser Gegend zu massiven Fluchtbewegungen kommen und zwar nicht zu den muslimischen Brüdern, sondern zu den Europäern.

In diesem Sog machten sich auch Hunderttausende Afrikaner auf den langen Weg nach Norden, vornehmlich die Stärksten, viele kamen nie an, weil sie unterwegs starben, vor allem auf dem Mittelmeer ertranken.

Die Einladung der Kanzlerin hätte man als humanitär bezeichnen können, wäre sie vorbereitet und organisiert worden und hätte es sich um eine Reaktion auf ein überraschend aufgetretenes Phänomen gehandelt, was es angesichts der schon lange tobenden Konflikte vor Ort nicht sein konnte.

Stattdessen ein "wir schaffen das" aus dem Kanzleramt und die Weitergabe an die nachgeordneten Stellen, die das dann alles umzusetzen hatten, ohne zu wissen, wie es gehen sollte, war in Berlin auch scheißegal.  Im Übrigen - wieso schaffen "wir" das, wenn sich die politischen Entscheidungsträger an dem dann folgenden "schaffen" zwangsläufig nicht selbst beteiligen? Korrekt müsste es heißen "ihr schafft das", das hört sich aber deutlich unsympathischer an.

Fragen nach einer Veränderung der Gesellschaft etwa durch Zuzug arabischer Muslime (die ein anderes Islam-Verständnis haben als Dosnier und Türken), nach der gleichzeitig erforderlichen Finanzierung massiver Infrastrukturprobleme, einer Energiewende, einer Eurokrise und eines demografischen Wandels, Fragen nach der Qualifikation der Zuwanderer, von denen sich maximal einer von 10 möglicherweise in den Arbeitsmarkt integrieren lässt und die restlichen neun von einer ohnehin älter werdenden Gesellschaft zusätzlich alimentiert werden müssen, Fragen nach den Kosten auch im Zusammenhang mit dem Nachzug von Familienangehörigen wurden und werden kriminalisiert, die Fragesteller bewusst ausgegrenzt.

Man verkleisterte mit dem Begriff "Flüchtling" auch alle rechtlichen Unterschiede, vor allem aber den anhaltenden Gesetzes- und Vertragsbruch.

Man verunsicherte mit der Stigmatisierung des Protests als "rassistisch" und "diskriminierend" eine ohnehin verunsicherte, fest in 12 Jahren Terrordiktatur verhaftete, genetisch auf im Strom schwimmen gepolte, geliebt sein wollende und zum Untertanentum neigende Gesellschaft noch zusätzlich, denn jedes selbstbewusste Auf- und Entgegentreten hätte die Führung in weitere Erklärungsnot gebracht. Gefragt worden ist 2015 eh kein Mensch, wie man hört noch nicht einmal das Parlament. Tja.

So wird das nichts.

Und hier die von Tichys Blog stammenden kolportierten Aussagen zweiter Herren, die sich auskennen:

"Alexander Ahrens, parteilos, und Michael Kretschmer, CDU. Ersterer ist Oberbürgermeister in Bautzen. Unaufgeregt, sachlich und ohne Polemik schilderte Ahrens die Situation. Er gibt sich die Schuld, die Vorgeschichte der Ereignisse falsch eingeschätzt und daher die Eskalation nicht vorhergesehen zu haben.

Ungefähr 70 Mal musste die Polizei in den Wochen zuvor wegen UMFs ausrücken. Wegen „niederschwelliger“ Taten wie „Ruhestörung“. „Dinge, über die sich in Berlin-Neukölln niemand aufgeregt hätte.“ Der gebürtige Berliner Ahrens, der sich als „links“ beschreibt, räumte auch mit dem Märchen auf, Bautzen sei „ein rechtes Nest“, sonst „wäre ich wohl kaum gewählt worden“.

Jedenfalls scheint er ein Mann zu sein, der sich nicht scheut, dahin zu gehen, wo es weh tun kann. So sieht man ihn in einem Einspieler beim Versuch, aufgebrachte Bautzner zu beruhigen (Man stelle sich nur einmal kurz Justiz-Heiko in einer solchen Situation vor). Kein Wunder, dass der Mann in der Stadt respektiert wird.

Auf die Frage aus der Medien-Mottenkiste „Was tun Sie für Flüchtlinge?“ antwortete Ahrens: „Gar nichts. Ich tue was für Bautzner. Ob die schon länger hier wohnen oder neu angekommen sind, ist mir egal.“

Für die sächsische CDU saß Michael Kretschmer in der Runde, den man sich vielleicht für die Post-Merkel-Phase der Union merken sollte. Kein Fakten-Verdrehen, kein Tatsachen-Verleugnen wie bei den Großkopferten seiner Partei. Kein Maskenball mit Jakobinermütze und roter Schärpe, wie er von Altmeier und Co. gefeiert wird.

Einfach klare Kante: „Die jugendlichen Flüchtlinge sind nicht zu vergleichen mit deutschen 16-Jährigen.“ „Der Ort der Auseinandersetzungen von Bautzen war wochenlang eine Art No-Go-Area.“ „Wir hätten rechtzeitig gegen die Flüchtlinge vorgehen müssen, die sich nicht benehmen können.“ Quintessenz: Nur wenn sich auch die Flüchtlinge an die Spielregeln halten – und im anderen Fall bestraft und/oder abgeschoben werden – dann „schaffen wir das.“
".

19.9.2016