Ich weiß nicht, ob der Werksleiter des Mischkonzerns 3M im französischen Pithiviers unter dem Stockholm-Syndrom litt oder tatsächlich Verständnis für seine Geiselnahme durch gewerkschaftsseits aufgestachelte Arbeiter hatte.

Fakt ist jedenfalls, dass derartige Geiselnahmen nach und nach einreißen, um Gewerkschafts-forderungen durchzusetzen.

Man wird annehmen müssen, dass durch die inflationäre Handhabung  dieses Instruments und eine damit verbundene Gewöhnung das Abtrennen und der Versand nicht lebensnotwendiger Extremitäten von Vorgesetzten nicht lange auf sich warten lassen wird.

Ich wundere mich schon, mit welcher Nonchalance derartiges hingenommen wird, die Berichte über solche Geiselnahmen – meines Wissens ist das schon die dritte – atmen sämtlich ein folkloristisch angehauchtes Verständnis à la ja ja, die Franzosen, zwinker, wir kennen sie ja, zwinker.

Ich meine, man sollte dann unbedingt auch über weitergehende Maßnahme auf der anderen Seite der Leiter nachdenken, etwa über die Isolation, Inhaftierung oder Folterung nahestehender Familien-angehöriger arbeitsunwilliger Hartz-IV-Empfänger. Allons enfants...

25.3.2009

Nachtrag 24.4.2009:

Das zieht Kreise.

Wie ich heute im DLF hörte, sind es jetzt schon bereits 7 - 8 Geiselnahmefälle, u.a. bei Caterpillar und Molex.

Auf Frage, was denn die französische Justiz den lieben langen Tag so tue, wurde geantwortet, mehr oder minder nix, die würde nur tätig, wenn die betroffenen Manager Anzeige erstatten, was nur in einem Fall geschehen sei.

Anklageerhebung wegen öffentlichen Interesses oder Offizialdelikt? Fehlanzeige.

Da wundere ich mich nicht mehr über bürgerkriegsähnliche Zustände in Strasbourg jedes Jahr zu Silvester oder anläßlich des Nato-Gipfels neulich.

Nachtrag 15.7.2009:

Wie avisiert eskaliert die Geschichte.

Beim insolventen Autozulieferer New Fabris, ansässig in Chatellerault haben Arbeiter mit Billigung der Gewerkschaft CGT nicht nur Produktionsanlagen abgefackelt, sondern auch Propangasflaschen so verkabelt, dass sie durch Knopfdruck detonieren und einen niemandem bekannten Schaden verursachen würden.

Aufschrift auf Transparenten an den Lagerhallen: "Wir wollen unsere Abfindung. 30.000 Euro oder es brennt".

Bei der Feuerwehr herrscht Alarmstufe rot.

Mittlerweile haben übrigens auch Arbeiter des Kommunikationsunternehmens Nortel aus Chateau- fort mobil gemacht, ihr Werk gasmäßig aufgerüstet und mit der Sprengung gedroht. Fortsetzung wird folgen.

Nachtrag 16./17.7.2009:

Nun ist auch der Maschinenbauer JLG in Tonneins vermint.

JLG hat anschließend nachgegeben und zahlt jeweils 30.000 Euro Abfindung an die Damen und Herren.

Nachtrag 22.7.2009:

Nortel hat sich der Erpressung gebeugt und bezahlt zwischen 30.000 und 50.000 Euro Abfindung.

Industrieminister Estrosi zeigte sich über die Vereinbarung "erfreut".

Nachtrag 23.7.2009:

Es gibt mittlerweile einen Namen für die Freiheitsberaubung von Managern - "bossnapping".

In der Nacht vom 21. auf den 22.7.2009 wurden nun vier Manager des Michelin-Werkes in Montceau-les-Mines stundenlang festgehalten, nachdem Belegschaftsmitglieder auch noch Fenster und Sanitäreinrichtungen zerschlagen hatten.

Michelin hat gewisse Erfahrungen mit derartigen Aktionen. Im Februar 2008 waren im Werk Toul von der Belegschaft bereits zwei Manager über drei Tage festgehalten worden, "um den Forderungen Nachdruck zu verleihen".




Ich weiß nicht warum, aber heute Morgen habe ich mir auf dem Weg in die Stadt Gedanken darüber gemacht, woher nur der hier im Badischen gebräuchliche Name "Hogenmüller" stammt.

Namen sollen ja auf die Berufe, besondere Eigenschaften oder die Herkunft ihres Trägers hingewiesen haben.

Der Zusatz –müller schien mir auf eine Berufsbezeichnung hinzudeuten, also jemanden, der Getreide in Mehl verarbeitete.

Allerdings zerbrach ich mir den Kopf darüber, was um Gottes Willen Hogen für ein Getreide sein sollte:

„…und er theylete die drey fluoen; eyn theyl weyzen, eyn theyl hapher, eyn theyl hogen…“ ?

Hmm, merkwürdig.

Dann wiederum fiel mir ein, dass ein „Hogen“ ja durchaus die eingebadischte Form des ordinären „Haken“ (s. u.a. „de Hokedschuri“ – Gerätschaft zum Auftrennen von Fremd- und Drittbauchdecken in feindseliger Gesinnung) sein könnte, weshalb es sich bei dem „Hogenmüller“ eigentlich nur um den ursprünglichen „Hakenmüller“ gehandelt haben konnte, der

a) entweder gesundheitlich oder wirtschaftlich gebrechlich war (den kann Er abhaken) oder

b) über ein klassisches Profil verfügte oder

c) Eigentümer oder Pächter der oder einer sog. „Hakenmühle“ war.

Was ist aber eine Hakenmühle oder wo steht sie?

Aufschluss erbrachten die „Briefe an die Eltern“ von Ernst Haeckel und zwar der 35. Brief, aufgesetzt in Ziegenrück am 13.10.1853.

Ich darf zitieren: „…Item, es ist hier mein Tusculanum! Wir haben nach Eurer Abreise, je nachdem die undurchdringlichen Nebel in den Tälern sich morgens senkten oder aufstiegen, abwechselnd noch mehrere wunderschöne Herbsttage, die sich von denen während Eures Hierseins nur durch größere Kälte, bunte Wälder und Herbstlichkeit unterschieden, und gelingen Landregen gehabt. An einem der erstern Tage, der wirklich ganz frühlingsmäßig war, machte ich mit Karl einen Ausflug nach der Hakenmühle, nach der wir Papa so gern einmal hingebracht hätten….“

So weit, so gut, aber wo liegt Ziegenrück?

Ziegenrück ist eine Kleinstadt im thüringischen Saale-Orla-Kreis und liegt im Thüringer Schiefergebirge am östlichen Ausläufer der Hohenwarthetalsperre.

Nach meinen Recherchen stammt der hiesige Hogenmüller also aus dem Thüringischen, weshalb bei uns im wunderschönen Baden schon vor Jahrhunderten zusammengewachsen ist, was zusammengehören soll. Sagt man doch so.

Mai 2009



Es ist richtig, dass Erika Steinbach 1990 gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze votiert, die deutsch-tschechische Aussöhnungs-erklärung 1997 als „Schlussstricherklärung“ bezeichnet und nach Übernahme des Vorsitzes des Bundes der Vertriebenen Reparations-zahlungen von Polen und Tschechien bzw. deren Nichtaufnahme in die EU bis zu einer Anerkennung der Zahlungspflicht gefordert hat.

Richtig ist allerdings auch, dass sie sich seither von diesen Forderungen distanzierte und auch öffentlich Partei gegen die Einrichtung Preußische Treuhand  ergriff, als diese Zahlungsklagen gegen Polen anstrebte. 

2000 gelang es ihr, den damaligen Bundeskanzler Schröder (der seinerseits übrigens nichts dabei fand, 2009 dem ausgewiesenen Antisemiten und Holocaustleugner Ahmadinedschad die Hand zu schütteln) für einen Auftritt beim Heimattag zu gewinnen, worauf in der Folge der Verband von revanchistischem und rechtsradikalem Gelichter gesäubert werden konnte.

2004 veranstaltete sie eine Gedenk-veranstaltung „60 Jahre Aufstand im Warschauer Ghetto“.

Es gibt kein einziges antisemitisches Statement von ihr, sie hat auch nie Ursache und Wirkung in der Vertriebenenfrage in Abrede gestellt, im Gegenteil, sie hat immer wieder erklärt, dass gerade Polen außerordentlich unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft zu leiden hatte. 

Die Idee für ihr Zentrum gegen Vertreibungen wird parteien- und gesellschaftsübergreifend unterstützt.

Aus polnischen Kreisen wird sie demgegenüber als „SS-Domina“ und „blonde Bestie“ bezeichnet, es existiert auch eine Fotomontage, die sie auf dem Rücken des damaligen Bundeskanzlers Schröder reitend in SS-Uniform zeigt.

Jüngst hat nun der Sonderbeauftragte der polnische Regierung für deutsch-polnische Beziehungen, Wladyslaw Bartoszewski, Frau Steinbach in die Nähe des holocaustleugnenden Pfaffen Williamson gerückt und zwar mit der Bemerkung, die Berufung Frau Steinbachs in den Stiftungsrat sei „so absurd wie die Ernennung des Bischofs zum Bevollmächtigten für die Beziehungen zwischen dem Vatikan und Israel“.

Frau Steinbach hat mittlerweile verzichtet und nun entsteht der Eindruck, an der polnischen Müllkanonade – die Herren Kaczynski habe ich gar nicht erst erwähnt – sei irgend etwas dran. Man kann zur Berufung von Frau Steinbach stehen wie man will, die Entscheidung so zu beeinflussen wie von polnischer Seite aus geschehen ist ekelerregend.

4.3.2009

Anmerkung 16.3.2009:

Bartoszewski legt nach.

In einem Fernsehinterview mit dem polnischen Sender TVN24 führte er vor kurzem aus, (Frau) "Steinbach eignet sich zu den Verhandlungen mit Polen um das Vertriebenenzentrum wie ein Antisemit zu Verhandlungen mit Jerusalem" und das, nachdem Frau Steinbach verzichtet hatte.

Den Osteuropa-Korrespondenten der SZ, einen ausgewiesenen Kenner der vor allem jüngeren polnischen Geschichte, Thomas Urban, bezeichnete er dabei als "ghostwriter" Steinbachs, obwohl Urban Bartoszewskis Buch "Und reiß uns den Hass aus der Seele" (!) 2005 sehr positiv rezensiert hatte.