Hitch-Hiking

Selten hat ein Autor meine Vorbehalte, Zweifel und Empfindungen Religionen oder religiösem Leben gegenüber so pointiert, böse und brillant aufgespießt und artikuliert wie Christopher "The Hitch" Hitchens, Ende 2011 mit 61 Jahren viel zu früh gestorben.

Er war ein derart flamboyanter und überbordender Charakter, dass man ihn angesichts grassierender neopuritanischer Entwicklungen in westlichen Gesell-schaften als fast schon aus der Zeit gefallen bezeichnen kann.

Anders als beispielsweise Richard Dawkins ist die Kritik des (religiösen) Glaubens bei Hitchens bei aller verbalen Kraftmeierei anregend wie erstklassiger Champagner. Was hätte er der Welt und damit auch mir noch alles geben können!

Ich tue hier also einfach so, als sei er noch unter uns, halte den Daumen in den Wind des Lebens und versuche, von der Stelle zu kommen.

Hitch-Hiking eben.

Bei aller nach wie vor bestehenden Beeinflussung durch die christlichen Kirchen haben die das Ringen um die Vormachtstellung gegen den säkularen Staat verloren. Es geht nur noch um weitere Einhegung dieser Kirchen und Aufklärung der Menschen, wirkliche Bedrohungen können die christlichen Kirchen und der hinter ihnen stehende Glaube aber nicht mehr darstellen.  Der unheilvolle Einfluss bei Fragen der Empfängnis-verhütung und Schutz vor Infizierung etwa mit dem AIDS-Virus bleiben gleichwohl natürlich Thema, aber auch da gibt es Bewegung heraus aus dem dogmatischen Joch und zwar bei Führern UND Befehlsempfängern.

Auch den Kreationisten vermache ich übrigens nicht wirklich viel, dazu ist die Idee, sind die Anhänger viel zu vernagelt, stupide und dumm.

Aber: Eine wirkliche Bedrohung erfährt der säkulare Mensch heute durch einen intoleranten und den säkularen Staat negierenden Islam, der dabei ist, nach und nach auch in Regierungsverantwortung Fuß zu fassen. Wo er herrscht, hinterlässt er nichts als verbrannte gesellschaftliche Erde. 

Hier steht der Feind, da er u. a. Anspruch erhebt auf die Regelung der gesamten Lebensumstände des ihm aus- gelieferten Menschen. 

Ich vergesse nicht, dass es gläubige Muslime gibt, die ihren Frieden mit dem säkularen Staat gemacht haben und seinen Regeln im Zweifel den Vorzug geben, aber um diese Menschen geht es auch nicht, da sie immun sind gegen angebliche Verlockungen und einfache Lösungen.

Und über diesen ganz vorzüglichen Link kann man schauen, welcher Muslim was ist und warum.


Allahu akbar.   

"Sind sie denn niemals auf der Erde umhergereist, um ihr Herz Weisheit erlangen und ihre Ohren hören zu lassen? Doch wahrlich, es sind nicht ihre Augen, die blind geworden sind. Blind geworden sind ihre Herzen in ihrer Brust."

"Gottes ist der Orient! / Gottes ist der Occident! Nord- und südliches Gelände ruht im Frieden seiner Hände."

Allahu akbar bedeutet "Gott ist groß" und das kann man, wenn man an seine Existenz glaubt, nur unterstreichen. Denn wenn man sich vergegenwärtigt, dass man von Offenburg nach Köln vier Stunden mit der Bahn braucht, dann bekommt man einen ersten Eindruck vom Aufwand, den ER bei der Herstellung einer Galaxie zu betreiben hatte.

Mir ist auch klar, dass  monotheistische Ansätze verfolgt wurden und Christen zumindest seit Nicäa die Trinität bevorzugen. Das ist egal, denn gleich ist allen Glaubensrichtungen, dass Gott eine übergeordnete Entität ist.

So weit so gut. Nun ist es aber leider so, dass wir es alltäglich nicht mit Gott, sondern seinen leider sehr oft verirrten Schäfchen zu tun bekommen, mit denen man irgendwie klar kommen muss und das erfordert einen Kanon. Einen Kanon guten Umgangs miteinander.

Wegen des Umstandes, dass man im Zusammenhang mit dem Verhältnis zwischen Gott und Menschen pikanterweise von Schäfchen spricht, also einer Tierart, die mit Mühe gleichzeitig stehen und fressen kann, ist das mit dem guten Miteinander so eine Sache.  Es klappt nicht so wie man sich das wünscht oder vorstellt.

Aber zuerst der Kanon. Mein Kanon. Es ist jedermanns gutes Recht, diesen Kanon abzulehnen, Scheiße zu finden und/oder sich seinen eigenen zu schaffen. Das ist Demokratie.

Ich glaube an Menschenrechte, Gleichberechtigung und -behandlung, Meinungs- und Pressefreiheit, ein funktionierendes Sozial- und Justizwesen, die Gewalten-teilung und  die Freiheit des Glaubens, kurz, ich glaube an die Fundamente des säkularen und demokratischen Staates, zuvörderst aber an das unveräußerliche Recht auf den „pursuit of happiness“, solange er nicht illegal und  illegitim  auf Kosten Anderer erfolgt.

Die westliche Gesellschaft hat lange gebraucht, um das Leben demokratisch zu organisieren und den unseligen, auch politischen Einfluss der christlichen Kirchen zurück-zudrängen, das jenseitige Heilsversprechen zu Gunsten des diesseitigen Heils abzulösen, also das Individuum in den Fokus der Betrachtung zu stellen und ihm als Träger unveräußerlicher Rechte die Geschicke des Staates anzuvertrauen.

All das ist dem Islam systemimmanent bisher eher fremd und das wird von dessen Vertretern auch hier in der Bundesrepublik durchaus unverblümt vertreten, wie etwa den Erklärungen des Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Ayyub Axel Köhler, zu entnehmen ist: “Das islamische Gesellschaftssystem wird damit aber keineswegs zu einer Demokratie. Diese Staatsform ist dem Islam fremd“.

Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn man muss sich im Klaren sein, dass Koran, Sunna und Hadithen eine verbindliche Anleitung für die gesamte gottgefällige und -gelenkte Lebensführung und nicht etwa – nur - der Religionsausübung darstellen. Für eine weitere, weltliche Entität ist da kein Platz.

Das betrifft dann nicht nur das Verhältnis zwischen den Geschlechtern, sondern auch etwa das gesamte Rechtssystem oder die Wahl von Speisen und Getränken. Wie etwas an sich Systemwidriges schleichend Einzug hält, kann man an den neuen Schari´a-Gerichten in Großbritannien erkennen.

Woher kommt das und warum ist das heute noch ein Thema?

Ich zitiere hier mal aus William Pfaffs bereits 1994 erschienenen Standardwerk "Die Furien des Nationalismus": "Der Islam ist eine priesterlose, nichthierarchische Religion, weitgehend ohne eine moderne spekulative Theologie. Dieses Fehlen hat das intellektuelle und wissenschaftliche Nachdenken gehemmt, das vielleicht zum Zweifel an der religiösen Deutung von Naturphänomenen hätte führen können, wie dies im Westen geschah, das aber auch eine energischere Antwort auf die intellektuelle Herausforderung durch den Westen ermöglicht hätte. 

Die erstaunliche Blüte der arabischen Philosophie im frühen Mittelalter, vor allem bei Avicenna und dem Spanier Averroes, verwelkte gegen Ende des 12. Jahrhunderts in der Wiederbelebung religiöser Orthodoxie und Intoleranz, die mit dem wachsenden Einfluss der vor kurzem bekehrten türkischen Völker aus Zentralasien aufkamen. Die Denker, die mit der Tradition der griechischen Antike verbunden waren, wurden zum Schweigen gebracht. 

Der spätere Einfluss von Averroes wirkte sich hauptsächlich auf die aus Spanien vertriebenen jüdischen Gelehrten im Languedoc und in der Provence sowie auf die christlichen  Denker Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Duns Scotus und Roger Bacon aus. Der umgedeutete Averroismus wurde an den Schulen Norditaliens zur Philosophie des christlichen theologischen Skeptizismus und des neuen wissenschaftlichen Denkens. 

Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass es arabische Gelehrte waren, die vom neunten bis zum zwölften Jahrhundert die griechische Philosophie am Leben erhielten, sie in das mittelalterliche Europa übermittelten und es Thomas von Aquin ermöglichten, ein rationalistisches theologisches und philosophisches System zu entwickeln, welches das griechische Denken mit dem christlichen versöhnte: eine vergleichbare Leistung ist des Islam nicht gelungen. 

Nach Thomas von Aquin gibt es zwei Quellen der Erkenntnis: die menschliche Vernunft, die Aristoteles verkörperte, und die göttliche Offenbarung, wobei letztere zwar zu bevorzugen sei, erstere jedoch ihren eigenen uneingeschränkten Wert besitze. 

Damit erlangte der weltliche Verstand eine selbständige Autorität, und er ermöglichte eine philosophische Antwort auf die entstehende moderne Welt, die im Islam keine Entsprechung fand. In ihm blieb und bleibt die Philosophie ebenso wie die Literatur an den Koran gebunden. Es gibt zwar eine politische Philosophie und sogar eine politische "Wissenschaft" des Islams in dem Sinne, dass die Eigenart der Herrschaft sowie die Probleme der Autorität und der Verwaltung Gegenstände des Denkens seit den klassischen Zeiten des Islam geblieben sind, und auch die politische Philosophie der Griechen wurde in die arabische Literatur über das Regieren aufgenommen. 

Wie der hervorragende Islamforscher Bernard Lewis sagt, liegt in der islamischen Welt die Hauptfunktion der Regierung darin, dem einzelnen Muslim zu ermöglichen, ein gutes muslimisches Leben zu führen. Das ist letztlich der Zweck des Staates, für den allein er von Gott gegründet wurde und wofür die Staatsmänner schließlich auch die Hoheit über andere Menschen erhalten". 

Und an dieser Stelle fühle ich mich von zahlreichen offiziellen Vertretern des Islam gerade in Deutschland vergackeiert, die ein völlig undifferenziertes glattgebügeltes Bild und vor allem den Eindruck von Kontinuität, einer Brücke zwischen damals und heute vermitteln wollen, die zwar hie und da ausgebessert werden muss(te), aber trägt. Auch heute noch. Nachfragen sind nicht gewünscht.


Ich moniere des Weiteren, dass Institutionen wie die DITIB in ihren Verlautbarungen etwa auf der Homepage („Über den Islam“) erkennbar auch ein völlig falsches Verständnis der Wurzeln des Islams vermitteln, wenn man die absolut logischen Ausführungen Pfaffs einmal beiseite legt.


Islam heißt eben nicht „Frieden“  (sondern „Unterwerfung“ – wohlgemerkt unter Allahs Willen) und die Christen und Juden genießen (und genossen) eben keineswegs die Wertschätzung oder gar Gleichberechtigung als „Religionen der Schrift“, die ihnen angeblich immer wieder zugeschrieben wird.

Mohammed selbst hat mehrere Feldzüge gegen Juden und Christen geführt, die deren Vernichtung zum alleinigen Ziel und Inhalt hatten, nachdem eine Annäherung von dort zurückgewiesen worden war.

Das gehört natürlich in den historischen Kontext gestellt, gleichzeitig aber auch zur Wahrheit.


Es wird auch gen Mekka und nicht wie etwa zu erwarten gen Jerusalem gebetet, weil in Jerusalem - auch - wesentliche Heiligtümer der Juden zuhause sind.

Unerwähnt in besagten Verlautbarungen bleibt auch, dass Allah keineswegs identisch ist etwa mit dem christlichen Gott. Die Trinität Vater, Sohn, Heiliger Geist ist dem Islam völlig fremd. Der auch in Mekka praktizierte Polytheismus Anfang des siebten Jahrhunderts stand unzweifelhaft in einem Zusammenhang mit den Offenbarungen durch den Engel Gabriel.

Nach den Vorgaben des Koran wird übrigens auch Jesus am Ende aller Tage zurückkehren und ein vierzigjähriges  Reich der Gerechtigkeit errichten, ehe er sich selbst zum Islam bekennt und hiernach alle Menschen konvertieren oder dem Schwert überantwortet werden, fürwahr friedliche Aussichten, zumindest dann, wenn man 1.500 Jahre alte Schriften auch heute noch als Anleitung für das Leben buchstabengetreu heranzieht.

Mir ist klar, dass auch im Namen Christi Grauenhaftes geschehen ist und geschieht, was nichts daran ändert, dass dem Neuen Testament das Gebot der Nächstenliebe zu Grunde liegt. Gewaltsame Expansion war Jesus fremd.

Hinzu kommt das eingangs Ausgeführte, der Staat moderner Prägung ist säkular und Religion soweit möglich Privatsache. Das soll sie auch bleiben und deshalb ist mir der politische oder politisierende Islam ein Gräuel.

Fakt ist unbestreitbar, dass im Namen Mohammeds und des Islam seit Jahren grauenhafte Dinge geschehen (sollen), die kein anderes Ziel haben als die maximal-mögliche Vernichtung anderen Lebens und das wohlgemerkt ohne Ansehung der religiösen Ausrichtung, des Geschlechts und der Herkunft und das alles auch noch in unserer Mitte. Islamisten sind die Feinde der gesamten Menschheit.

Ich erinnere mich noch sehr gut an Atta und seine Mordgesellen, die sog. Sauerland-Gruppe oder die Kölner Kofferbomber, übrigens jeweils Menschen, die keineswegs an materieller oder seelischer Auszehrung durch Maßnahmen oder Unterlassungen westlicher Staaten litten, sondern wie so viele der islamischen Brandstifter aus mehr oder minder bürgerlichen Schichten stamm(t)en. Der Reichtum der Familie Bin Laden, auf du und du mit dem Hause Saud, ist legendär.

Und so richtig will mir die Erklärung, es handle sich um Einzelfälle, wenn etwa Theo van Gogh auf offener Straße ermordet wird, nicht runter. So gesehen waren die Angriffe vom 11.9.2001 auch "Einzelfälle".

Irgendwann wird aus "Einzelfällen" ein System und jeder mag für sich beantworten, um was es sich bei der Entwicklung der letzten Jahre handelt.     

Ich vermisse hier auch polyphonen Protest in islamischen Gesellschaften, auch seitens deren geistiger und geistlicher Führungen, wohingegen ich mir lebhaft vorstellen kann, welche Erdbeben von Rom und dem gesamten Westen ausgingen, wenn sich in islamischen Staaten Desperados im Namen Christi zur Hölle bombten, um möglichst viele Muslime umzubringen.

Man muss sich das mal vorstellen und dann wird einem klar, wie weit die Gewöhnung an islamistischen Terror im Westen bereits Einzug gehalten hat, man erwartet hier noch nicht einmal eine Reaktion islamischer Staaten, Vertreter oder Geistlicher, währenddessen  in islamischen Staaten brüllende Horden Flaggen zertrampeln oder anzünden und sich westliche Botschafter Plattfüße laufen, wenn in Dänemark auf dem Boden der Presse- und Meinungsfreiheit stehende Karikaturen veröffentlicht werden.

Öffentlich bemerkbare Aufschreie im Islam finden also nicht statt, es passiert sogar das Gegenteil – unlängst wurde in Saudi-Arabien von sehr exponierter Stelle aus eine Fatwa, also ein Rechtsgutachten erlassen, nach der alle Religionen außer dem Islam Häresie und Irrtum seien. Reaktion hier  auch in Islamkreisen - null.

Ich zerbreche mir den Kopf, warum das  so ist.

Mir ist natürlich auch klar, dass die wahabitischen Scheichs vor den Islamisten zittern und keine Lust verspüren, sich auf der linken Spur der Koranautobahn bei Höchst-geschwindigkeit von Radikalen noch links über den Grasstreifen überholen zu lassen, aber nützt mir das was, wenn zahlreiche Regime islamischer Staaten (bei denen es nicht zufällig keine einzige funktionierende Demokratie gibt) aus Furcht vor islamistischen Extremisten die Glaubensschraube noch weiter anziehen und damit beispielsweise die geradezu unglaubliche Ungleichbehandlung von Männern und Frauen weiter verschärfen?

Wird denn damit nicht gerade die fundamentalistische Sicht und Interpretation des Islam zementiert?

Was nützen mir gelehrte Ausführungen über den zweifelsohne auch friedlich interpretierbaren Islam hierzulande, wenn gleichzeitig eine Vielzahl von Staaten einem Islamverständnis frönen, das praktisch alles mit Füßen tritt, was uns hier im Westen heilig ist und gleichwohl soll das dann nichts mit dem Islam als Background hierfür zu tun haben?

Oder verpasse ich gerade die befreiende Brise einer fortschrittlichen Auslegung des Islam wider die aus Zeitung und Fernsehen erkennbare Entwicklung dieser Religion?  Gibt es einen reformierten "Euro-Islam" und wenn ja, wer propagiert und lebt ihn, wer sind die geistigen Väter und Mütter?

Ich meine, es gibt ihn eher nicht und deshalb ist mir der Li-La-Launebär-Islam à la DITIB mehr als suspekt.

Mir persönlich ist völlig schnuppe, ob jemand an Allah, eine göttliche Trinität oder ausrangierte Güterwaggons glaubt, ich möchte das umgekehrt aber genauso gesehen wissen.

Es geht hier auch nicht darum, Angehörige einer Glaubensrichtung unter Generalverdacht zu stellen.

Wer oder was ist also der Islam heute?

Kann man einen Bogen von höchst chauvinistischen Fatwen vorwiegend aus dem klassischen Orient über Verbands-vertreter hierzulande bis zum Muslim auf der Straße spannen?

Ich meine nicht, dazu ist den zehntausenden hart arbeitenden Muslimen in diesem Land der säkulare Staat zu sehr in Fleisch und Blut übergegangen, auch wenn mancher Blick in archaische Verhältnisse hinter scheinbar bürgerlichen Fassaden mitunter verstört.

Fakt ist aber, dass es den Steinzeitislam etwa saudischer Prägung nun einmal gibt, er immer und immer wieder propagiert wird, im Ausland und von Typen vom Schlage eines Pierre Vogel auch bei uns.

Es gibt Vertreter diverser Islamverbände, die keine Gelegenheit auslassen, Diskriminierung zu rufen, neue Forderungen an die Mehrheitsgesellschaft nach besonderer Behandlung zu stellen und immer wieder beteuern, die Bedrohungen durch islamistischen Terror hätten nichts mit dem Islam zu tun. Gibt es irgendeine andere Religionsgemeinschaft, die ihr Anderssein durch Kleidung, Ritus und Zubereitung von Speisen so öffentlich zelebriert wie der Islam?

Darf ich demokratie- und gleichberechtigungsfeindliche Imame nicht beim Wort nehmen, sprechen die AUCH NICHT für den Islam und wenn ja, was ist dann der Islam heute?

Gibt es gar einen deutschen Islam, der ganz und gar nichts mit der kruden Definition des Islam in 99% der islamischen Welt zu tun hat? Wie soll ich als Nicht-Muslim beurteilen, was der Islam heute tatsächlich bedeutet, für was er steht?

Unbestreitbar ist, dass es Gruppierungen gibt, die der westlichen Lebensart allgemein und dem säkularen, demokratischen Staat feindselig gegenüber stehen, hierzulande und im Ausland, die einen predigen, die anderen bomben, manche machen beides, Beispiele gibt es genug, ich sage nur, schaut euch die offiziellen Fatwen an.

Ich höre, dass der Islam mit Terror, Ungleichbehandlung und Demokratiefeindlichkeit nichts zu tun haben soll, der Querbezug wird aber doch von den Akteuren und Tätern selbst immer wieder hergestellt und ausdrücklich hervorgehoben.

Deshalb bedarf die Sache m. E. wie bei jeder extremistischen Bedrohung einer Beobachtung, denn es wäre nicht das erste Mal, dass eine kleine, nichtsdestotrotz beharrliche und entschlossene Gruppe am Ende die - schweigende und unentschlossene - Mehrheit wenn auch gegen deren erklärten Willen hinter sich versammeln kann, weil Gewalt nicht mehr toleriert wird, common sense und das Bewusstsein, dass die aktuellen (Wohlstands)Verhältnisse nicht vom Himmel gefallen sind, erodiert sind.

Erodiert unter anderem wegen dieses teuflischen und idiotischen US-Imports „political correctness“, der aus Gründen der Berechnung (oder eines Claudia-Roth-Gens) jeden auch polemischen Diskurs unterbindet oder sofort in die rechte Ecke drängt und dann Ergebnisse wie das unhaltbare Schweizer Minarettverbot und mehr noch die Reaktionen darauf zeitigt.

Ich HASSE diese Schere im Kopf, ich hasse sie wirklich, denn sie gebiert auf Dauer fast zwangsläufig genau das, was sie verhindern will.

Vergegenwärtigt man sich, wie heterogen die Protestkoalition in der Schweiz war, dann wird klar, dass man die Schweizer nicht für die sieben Zwerge hinter den sieben Bergen zu halten, sondern deren bestehende Vorbehalte ernst zu nehmen hat oder man setzt sich dem Verdacht aus, einem solchen Diskurs aus Feigheit auszuweichen.

Oder man lässt den Diskurs bleiben, weil einem das Unterbleiben in die Karten spielt.

Klar ist auch, dass das bisherige Multi-Kulti, letztlich nichts anderes als entweder ein uninteressiertes "Bleib-bittschön-wo-Du-bist-Alter" oder ein distanzloses (und damit ebenso wertloses) "Du-bist-gut-denn-du-bist-kein-Inländer-und-weil-ich-so-denke-bin-ich-auch-gut" mit Theo van Gogh gestorben ist, ich denke, selbst den Niederländern dämmert das seit geraumer Zeit.

Glaubt hier im Übrigen jemand, dass jeder, der sich über Thilo Sarrazins Aussagen zur Situation in Berlin erregt hat, seine Äußerungen in einem mehrseitigen Interview mit "Lettre International" (Heft 86/09 mit Sonderthema "Berlin"; kann man online noch ordern) auch tatsächlich gelesen hat?

Kaum waren Splitter daraus bekannt geworden, funktionierten die Reflexe wie geschmiert und davon profitieren nur die Claudia Roths dieser Republik und die, denen eine vorbehaltlose und vor allem breite Diskussion gar nicht recht sein kann, denn sie würde etwa zu allgemein diskutierten Fragen führen, welches Gesellschafts- oder Menschenbild eigentlich durch diese Religion transportiert wird,  wie man also  Koran und Sunna auslegen muss und ob man bereit ist, auch diese Religion einer Fortentwicklung zu unterziehen, wie das andere Religionen zweifelsohne unter Bauchschmerzen auch tun mussten? 

Die, die das hierzulande tun, wie Prof. Kalisch, der öffentlich darüber nachsann, ob die historische Existenz des Propheten belegt sei, können nur noch unter Polizeischutz arbeiten.

Versucht da eine Religion lediglich, verfassungsrechtlich garantierte, bislang aber verletzte Rechte einzufordern oder kratzt und nagt sie an den Grundlagen dessen, was mir wie eingangs geschildert wichtig und teuer ist und wenn ja, wer zieht hier dann eigentlich die Fäden?

Ich bin mir nicht sicher und mit dieser Unsicherheit bin ich ganz gewiss nicht allein, vor allem, wenn sich unsere Gesellschaft  immer neuen Forderungen nach  illegaler Geschlechtertrennung etwa im Schulunterricht, dem Recht, die in meinen Augen eindeutig diskriminierende Verschleierung durchzusetzen, dem Recht einer eigenen ebenfalls eindeutig diskriminierenden Jurisprudenz, dem Recht der Aushebelung des Tierschutzes mittels religions-konformer Schlachtungsmethoden und anderer toller, mitunter 1.500 Jahre alter Errungenschaften ausgesetzt sieht, ohne dass obige Fragen befriedigend beantwortet sind.

Oder beantworten diese Forderungen gerade meine Fragen oder - fast - noch schlimmer - gerät dadurch das eigentliche explosive Problem aus dem Fokus?

Was machen wir eigentlich mit dem ständig wachsenden Heer ungebildeter, feindseliger und in primitiven Stammes- und Ehrbegriffen verhafteter ausländischer Jugendlicher, die diese Religion als Katalysator für jede noch so abstoßende Tat und Ablehnung alles "Deutschen" oder "Westlichen" nutzen?

Fakt ist, dass der Islam spätestens seit den Tagen der ersten sog. Gastarbeiter Tür an Tür mit den "eingeborenen" Deutschen lebte, ohne dass man daran gesellschafts-übergreifend etwas fand, im Gegenteil, in meiner subjektiven Wahrnehmung fand Religion gleich welcher Couleur bis weit in die Neunziger einfach nicht statt. Das mag aber auch an meiner Blind- und Taubheit gelegen haben.

Klar ist auch, dass es im Alltag, im Beruf, beim Sport wechselseitig zu rassistisch motivierten Übergriffen kam, man kannte sich oft gegenseitig zu wenig, was sicher auch daran lag, dass sich Wohn- und Lebensituation des Stino-Deutschen einerseits und des "Migranten" in Kreuzberg, Harburg oder Wilhelmsburg andererseits zu wenig überschnitten.

Insgesamt empfand ich die gesamtgesellschaftliche Situation als sicher verbesserungsfähig und - würdig, aber durchaus friedlich. Daran hat sich seit einigen Jahren etwas fundamental (!) geändert und das muss seine Gründgens haben.

Haben sich die Deutschen auf einmal an ihre "glorreiche" Vergangenheit als Kreuzfahrer, Hexen- und Judenverbrenner erinnert?

Ich glaube nicht, diese Gesellschaft ist nach dem Zweiten Weltkrieg planmäßig und erfolgreich umerzogen worden, einen Bodensatz Fremdenfeindlichkeit gab es immer und zweifelsohne hat sich die Situation nach der Wende nicht prinzipiell, aber graduell verändert und das zweifelsohne nicht zum Guten.

Es besteht demnach sicher Handlungsbedarf.

Und die Entwicklung zeigt, dass auch ich lange einem Scheinfrieden aufgesessen bin. Die erste Generation türkischer und arabischer Zuwanderer hatte in weiten Teilen nie die Absicht, hier heimisch zu werden, zumal die deutsche Mehrheitsgesellschaft sie auch "Gastarbeiter" nannte und nicht wirklich willkommen hieß; ein Gast kommt, verbringt die Zeit mit einem und geht dann wieder.

Dieses Gefühl blieb offensichtlich, andererseits scheint man auch die Schokoladenseiten dieses Staatsgebildes Deutschland wahrgenommen und schätzen gelernt zu haben. Man blieb mehrheitlich und wegen des nur zu verständlichen Heimwehgefühls reiste man nicht nur jedes Jahr 4 - 5 Wochen in die Türkei in den Urlaub, sondern  transferierte Anatolien einfach nach Harburg oder wohin auch immer, lebte weiter wie in der alten Heimat, wollte von der deutschen Zweitheimat und deren Kultur nichts bis wenig wissen  und so ist dann ganz sicher auch in weiten Teilen die Erziehung der Kinder ausgefallen.

Orhan Pamuk hat diese Transformation einmal schön mit der anatolischen Blase beschrieben, in die eingehüllt sein Sitznachbar im Flieger die Heimat mit sich herum trug.

Zurück zum Thema: Man hatte Arbeit. Als die weniger wurde, haben die Firmen gesiebt und es fielen die durch, die von Sprache und Qualifikation her nicht genügten, primär also türkische und arabische Migranten(kinder), was u. a. das ständig wachsende Heer arbeitsloser Türken und Araber begründete, das mit der großen Gießkanne - vor dem Sozialamt und den Gerichten ist jeder gleich - ruhig gestellt werden sollte. Ansonsten interessierte es nicht weiter, "Bildungsanstrengung" war auf beiden Seiten des Grabens ein Fremdwort.

Hier liegt natürlich der Hund begraben. Der deutsche Staat muss seine Schockstarre - s.o. "political correctness" - überwinden, agieren und mit Macht bei der (Aus-)Bildung gerade muslimischer Kleinkinder gestalten, locken, drohen und notfalls zwingen, er hat einen Anspruch auf Mitwirkung türkischer und arabischer Eltern, deren Einfluss er im Zweifel kupieren, die er für fehlende Mitwirkung bestrafen können muss.

Er darf sich dabei auch keinesfalls von sicher zu erwartenden Störfeuern muslimischer Verbände beeindrucken lassen, diese gehören in ihre Schranken verwiesen und haben angesichts der Transferleistungen der Mehrheitsgesellschaft bei mir ohnehin jeden Kredit verspielt.

Man muss verstehen, dass sich deren Daseinsberechtigung oder besser deren öffentliche Wahrnehmbarkeit (die natürlich in untrennbarem Zusammenhang mit der Daseins-berechtigung steht) ganz wesentlich aus dem Argument der Diskriminierung und aus der Deutungshoheit herleitet, WIE man Diskriminierung überhaupt definiert.

Lässt man dem Luftballon "Diskriminierung" die Luft heraus, entweicht sie zwangsläufig auch aus den Verbänden, weshalb sich jeder selbst die Frage stellen sollte, ob dann wirklich etwas verloren wäre und wie seriös das Auftreten derartiger Verbände sein mag, wenn ihr Lebenselixier die Behauptung permanenter und zielgerichteter Benachteiligung ihrer Schäfchen ist.

Wer immer nur inflationär auf der Klaviatur "Die deutsche Gesellschaft hat bei der Integration versagt" spielt, ohne eigene Defizite zu sehen und vor allem das hier beschriebene Problem überhaupt zur Kenntnis zu nehmen oder ihre Mitglieder zu einer Kehrtwende und massiven eigenen Kraftanstrengung zu nötigen, fällt jedenfalls für mich als ernstzunehmender Gesprächspartner aus.

Dazu sind die vor der Tür stehenden Probleme mit extremer Sprengkraft zu dramatisch, denn ich sehe den sozialen Frieden sicher nicht nur durch islamistische Mordbuben, sondern durch eine Überlastung der Sozialkassen bedroht, die so sicher wie das Amen in der Kirche kommt, wenn es uns nicht gelingt, eine muslimische Unterschicht von der Straße zu bekommen, deren - islamischen - Familien-strukturen zu knacken (gerade auch um die Mädchen zu retten)  und gleichzeitig Fachangestellte, Facharbeiter und Akademiker aus ihnen, auf jeden Fall aber aus ihren Kindern und Enkeln zu machen.

Über die Sprache, die Ausbildung und den beruflichen Erfolg kommt die Integration von selbst, der Islam (nebst seiner sogenannten "Interessenverbände") würde endlich viel von seiner Strahlkraft verlieren, niemand, der eine lebendige, tolerante, bunte und pluralistische Gesellschaft liebt (wie ich) wird sich nämlich von dieser Religion die eigene Lebensführung zwingend vorschreiben lassen wollen und darauf kommt es mir gerade auch hier an. Jedermann hat das Recht auf Selbstverwirklichung in den Schranken, die die Rechte anderer errichten. Jedes Dogma, jeder Totalanspruch, gleich mit welchem Inhalt und welcher Richtung haben hier zu schweigen.

Im Übrigen - wer erfolgreich ist und zufrieden, der hat zu viel zu verlieren, als dass er ältere deutsche Herrschaften im U-Bahnhof totschlägt.

Fazit: Ich hoffe und denke, dass man bemerkt: Ich ringe darum zu verstehen und das vor dem Hintergrund meiner eigenen christlich-abendländischen Genese und der damit verbundenen inneren Pflicht zu Toleranz. Mit was habe ich es zu tun, was muss die autochthone Bevölkerung leisten, was kann sie erwarten? Die Fragen bleiben spannend.

Nachtrag: Und weil sich die hierzulande bislang (Gott sei Dank) immer noch vor ihrer "göttlichen Tat" gefassten Mordbuben der Tradition eines Osama bin Laden oder Ajman al-Sawahiri sehen und sich samt und sonders ja auf ihren Glauben berufen , trage ich auch was zu al-Qaida - als Sammelbecken und Galionsfigur des islamistischen Terrors - zusammen.

 

N.B.: Die Eingangsworte  stammen aus Vers 46 der Sure 22 und aus Goethes "Der west-östliche Divan", das sich offensichtlich auf Sure 2 Vers 143 bezieht und in dem es auch heißen soll:"Der Koran ist ein Buch, das uns, so oft wir auch daran gehen, immer von Neuem anwidert, dann aber anzieht, in Erstaunen versetzt und am Ende Verehrung abnötigt."

Stand Dezember 2009