Irrungen, Virungen…

Der Deutsche sorgt sich gern, die aktuelle Schweine-Dingsbums-Grippe ist das beste Beispiel, wobei Vorsicht zweifelsohne nie schadet, denn man weiß ja wirklich nie…

Besonders schön fand ich aber den besorgten Leserbrief in der „Rheinischen Post“ von Januar 2001 – auf dem Höhepunkt der BSE-Krise -, in dem ein Leser der Postille bange fragte, ob er sich an seinem Ledersofa anstecken könne. Ob er das Ding verbrannt hat, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

3.5.2009

Nachschlag: Leserbrief in der welt-online vom 18.5.2009 nach einer Zuschauerdiskussion mit Kanzlerin Merkel auf RTL (wörtlich):

"Hon und spot der Menschen gegenüber
warum
Alle welt spricht über die schweinekrippe
und fr.Merkel trit in pink auf super."

 

Geil. Darauf muss man echt erst mal kommen.

 

 

Auf meinen Streifzügen durch die Steppen des world wide web bin ich mehr zufällig auf nahe Angehörige der Gattung „wahlkämpfender Politiker“ gestoßen, was um so interessanter erschien, als Ende September die nächsten Bundestagswahlen anstehen und die Merkel-CDU mit Steuersenkungen hausieren geht.

Fallen nun Goldhamster, europäischer Ziesel oder arktisches Erdhörnchen in den Winterschlaf, durchläuft ihr Gehirn eine Veränderung des sog. Tau-Proteins, was die auf den ersten Blick ärgerliche Folge hat, dass sie nach dem Aufwachen im Frühling schlicht alles vergessen haben, was ihr Gehirn vor der mentalen Winterpause gespeichert hatte. Durch eine von Mutter Natur implantierte Reparaturmöglichkeit, die die Veränderung des Tau-Proteins binnen Stunden wieder rückgängig macht, werden die Tierchen wieder rebootet.

Und spätestens hier erweist sich für den ausgebufften Zoologen, dass wir es zwangsläufig nicht mit einer Verwandtschaft ersten Grades, sondern allenfalls  mit einem Nebenzweig eingangs erwähnter Gattung zu  tun haben müssen, denn diese wird sich ab Oktober 2009 auch bei gehörigster Anstrengung nicht mehr an das erinnern, was sie im September noch versprochen hat.

Juni 2009



Tja, wer sich – wie ich - über den Sturz von Frau Ypsilanti weidlich gefreut hat, darf jetzt natürlich nicht über das Lieberknecht´sche Schicksal jammern.

Nachdem Mr. SPD-Matschie(smo) vor der Wahl immer den Eindruck genährt hatte, er hielte Bodo Ramelow zwar für etwas, was man in Petrischalen züchtet, sein Haufen Linker sei aber letztlich durchaus geeignet, um damit (neben den Grünen) zu koalieren, muss man sich nicht wundern, dass er von seinen Sozi-Genossen die Rechnung präsentiert bekommen hat.

Drei Wahlgänge benötigte es, um Frau Lieberknecht zur Ministerpräsidentin zu küren, bei denn beiden ersten fehlten ihr vier der 48 möglichen Stimmen von CDU und SPD. Peinlich, das.

Peinlich aber auch für den linken Bodo, der  - meine Vermutung - Morgenluft schnupperte und selbige wohl mit dem brackigen Muff aus 40 Jahren DDR verwechselte, denn als er sich im dritten Wahlgang auch zur Wahl stellte, entfielen auf den Kandidaten Ramelow 27 Stimmen, was sich prächtig mit den 27 Stühlen deckte, auf denen sich die Linksfraktion im Erfurter Landtag die Hintern breitsitzt.

Nachher erklärte er natürlich, er habe nur die Regierungskoalition desavouieren wollen.

Kein einziger Parlamentarier der übrigen Fraktionen mochte ihn wählen, selbst vor dem Hintergrund nicht, dass er nie eine reelle Chance hatte, demnach nie die Gefahr eines Ministerpräsidenten Ramelow drohte und man daher auch den dritten Wahlgang zum Anlass einer weiteren Ohrfeige für Frau Lieberknecht hätte machen können.

Stattdessen watschte man Herrn Ramelow ab.

Heute ist Freitag. Wird für die Familien Lieberknecht und Ramelow sicher kein schönes Wochenende. Obwohl – Frau Lieberknecht ist ja jetzt MP. Und Herr Ramelow?

30.10.2009



„Reader´s Digest“ hat einen Wettbewerb ausgeschrieben,  Preisgeld 1.000,00 US-Dollar, Gegenstand war nichts Geringeres als der beste Witz der Welt. Gewonnen hat Jörgen Jönsson aus Stockholm:

Ein Typ aus Stockholm fährt zur Entenjagd aufs Land. Als er eine Ente sieht, zielt er und schießt. Doch der Vogel fällt auf den Hof eines Bauern, und der rückt die Ente nicht heraus. "Das ist meine Ente", quengelt der Städter. Der Bauer schlägt vor, den Streit, wie auf dem Land üblich, mit einem Tritt in die Klöten beizulegen. "Wer weniger schreit, kriegt den Vogel." Der Städter ist einverstanden. Der Bauer holt aus und landet einen gewaltigen Treffer in der Zwölf. Der Städter bricht zusammen und bleibt 20 Minuten am Boden liegen. Als er wieder aufstehen kann, keucht er: "Okay, jetzt bin ich dran." "Nee", sagt der Bauer im Weggehen, "hier, Sie können die Ente haben."

Die Deutschen wurden übrigens Elfte und zwar mit einem Machwerk, das es problemlos in das nach Meinung der Briten dünnste Buch der Welt geschaffte hätte - die Geschichte des deutschen Humors.

5.11.2009



Die SPD hat ihren Parteitag mit der erwarteten Gerechtigkeits-und-auf-zu neuen-Ufern-Dingsbums-Erklärung abgeschlossen und wird nun ihre Truppen für die demnächst anstehenden Polittalk-Runden in der Glotze formieren, ebenso wie die Herrschaften von ganz links außen und der Mitte. Sei´s drum.

Diese Veranstaltungen finden künftig ohne mich statt, was sicher niemanden wirklich stören oder beunruhigen wird.

Ich meine, der neudeutsche terminus technicus „Talkrunden“  trifft die Sache recht gut, solange und sofern man „talk“ mit „schwätzen“ übersetzt.

Der politische Schlagabtausch ist zu einem polemischen Worthülsengefecht verkommen, das (ein)geleitet wird von einer fürchterlich eitlen Dompteursriege à la Plasberg und Illner, der sich für mich unbegreiflich auch gestandene Politplatzhirsche ohne zu murren unterordnen.

Es ist nämlich nicht mehr möglich, einen halbwegs gescheiten Gedanken (und die gibt es in Politikerkreisen entgegen landläufiger Meinung tatsächlich) zu entwickeln und darzulegen, ohne sofort von der Gegenseite unterbrochen zu werden.

Oder von der Moderatoren-OHL , die mit Blick auf die mutmaßlich von dritter Seite vorgestanzten Karteikarteninhalte der Meinung ist, das reiche jetzt mal für den Augenblick, man wolle sich jetzt einem anderen Thema zuwenden.

Gut ausschauen tut da der, dem es gelingt, die Begriffe Ökologie, Frieden, Gerechtigkeit und sozial in dem kürzest denkbaren Hauptsatz unterzubringen, sehr zur Freude der kiebitzenden Studiogäste als Repräsentanten des TV-Publikums draußen im Looonde, dem erkennbar an fundierter Rede und Gegenrede gar nicht (mehr) gelegen ist, das vielmehr den schmissigen Lautsprecher und den moderierenden Kotzbrocken liebt, es lebe das Häppchen- und Brüllaffen-TV.

Die Sender haben das erkannt und deshalb erinnern mich solche Talkrunden immer weniger an Informations-veranstaltungen und immer mehr an Zirkusmanegen und Politpranger, bei denen es primär darum geht, den betreffenden Politiker bloß zu stellen, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, Erläuterndes darzulegen, man weidet sich vielmehr an seinem wahlweise überforderten oder überraschten Gestammel.

Ich bin beileibe kein Freund einer Politikerkaste, die nach einem innerparteilichen Aufstieg einen Kieselstein in die Identitätskrise treiben würde, aber das was sich da immer wieder in der Glotze abspielt ist ein jämmerlicher Überrest früherer Elefanten-runden, in denen man es sich ganz sicher auch besorgt hat, das aber nach der Möglichkeit, den eigenen Standpunkt überhaupt erst mal darzulegen.

16.11.2009